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Autor Thema: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein / Pyrrhotin, Fluorit, Dolomit  (Gelesen 10622 mal)

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Offline Schluchti

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Am Sonntag habe ich auf der Halde 371/II in einem frisch angeschnittenen Bereich eine merkwürdige Stufe gefunden. Insgesamt befinden sich dort gleich drei mir unbekannte Sachen auf dieser Stufe.

1. Zuerst fielen mir in einem frisch aufgeschlagenem drusigen  Bereich metallische, goldglänzende dünntafelige Kristalle bis ca. 2 mm auf, die eine teils sechseckige Ausbildung zu haben scheinen. Hier hätte ich an Markasit bzw. an Cubanit gedacht, beide Minerale von der 371 in dieser Form aber noch nie gesehen. Anbei mal einige Bilder, leider nicht sonderlich gut.   
« Letzte Änderung: 04 Jun 16, 12:26 von oliverOliver »

Offline Schluchti

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #1 am: 12 Dec 06, 19:51 »
2.
Als zweites fiel mir beim Betrachten der goldglänzenden Täfelchen auf, daß diese in einem annähernd farblosen, mitunter leicht grünlichen , durchsichtigen, hochglänzenden weiterem Mineral sitzen, welches auf den ersten Blick in Kuben mit abgerundeten Kanten vorliegt, aber beim näheren Betrachten eine wesentlich komplexere Form besitzt. Dieses Mineral läßt sich mit einer Eisennadel ritzen, so dass Quarz ausscheidet. Calcit in dieser Form habe ich jedoch auch noch nicht gesehen, was aber nichts heißen muss.
« Letzte Änderung: 04 Jun 16, 12:21 von oliverOliver »

Offline Schluchti

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #2 am: 12 Dec 06, 19:56 »
3.

Schließlich ist die Rückseite der Stufe, ebenfalls partiell mit dem 2. Mineral besetzt, auf dem jedoch schließlich ein gelblich, kugeliges,glänzendes 3. Mineral aufgewachsen ist. Dieses bildet annähernd kugelige Aggregate, die aus Einzelkristallen aufgebaut scheinen. Hier hatte ich im ersten Gedanken an Witherit gedacht, aber das wäre dann wohl etwas zuviel des Guten.
« Letzte Änderung: 04 Jun 16, 12:22 von oliverOliver »

Offline smoeller

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #3 am: 12 Dec 06, 20:03 »
Hallo,

Zum ersten Mineral: Möglicherweise Pyrrhotin (oder Smythit ??), wobei ersterer viel häufiger ist.

2. Mineral: Fluorit würde ich sagen. Habe aus dem Schwarzwald viele Fluorit-Würfel, bei denen die Ecken durch Hexakisoktaeder abgeschrägt sind.

3. Carbonat würde ich sagen. Calcit oder Dolomit. Vielleicht Säuretest.

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Offline Schluchti

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #4 am: 12 Dec 06, 20:10 »
Danke schonmal für Deine Ideen!  :D

1.
Pyrrhotin wäre auch zu überlegen. Dann müßte es ja magnetisch sein. Das muß ich mal testen.

2.
Fluorit beim 2. möchte ich rein gefühlsmäßig fast ausschließen, da es derartig komplexe und auch unregelmäßige Kristalle sind, wie ich sie bei Fluorit noch nicht gesehen habe.   

3.
Calcit beim 3. wäre gut möglich, das muß ich mal testen.

Offline smoeller

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #5 am: 12 Dec 06, 20:24 »
Hallo,

Gehe beim zweiten Mineral doch von Fluorit aus. Schau dir unter anderem mal die Fluorite vom Münstertal/Schwarzwald an.

Die sind teilweise aus mehr als 60 Flächen bestehend.

Aus dem Erzgebirge, da hast du Recht, ist das nicht so bekannt. Habe aus Sachsen nie solch flächenreiche xx gesehen, das muss aber nichts heißen, denn von einer ganzen Anzahl von FO im Schwarzwald sind solche Bildungen auch eher selten und kaum beschrieben, kommen aber vor. Bei genauer Betrachtung konnte ich Hexakisoktaeder-Flächen an über der Hälfte der Fluorit-Kristalle meiner Sammlung feststellen.

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Offline Schluchti

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #6 am: 12 Dec 06, 20:28 »
So, jetzt scheint das Rätsel um die ersten beiden Mineralien tatsächlich gelöst:  :D

1. Es wird recht sicher Pyrrhotin sein, den die Kristalle zeigen an der Längsachse Magnetismus, d.h. ein loser Kristall richtet sich hochkant zu einem Magneten auf. Ist dies noch für ein anderes in Betracht kommendes Mienral charakteristisch?

2. Das zweite Mineral ist wirklich Fluorit. Ich habe auf einem anderen Bruchstück der Stufe eine Druse mit fast idealen Hexaedern in der Mitte gefunden, der sich zum Rand und zu der auch dort vertretenen Druse mit dem Pyrrhotin hin in aberwitzige vielflächige und unregelmäßige Formen  verändert. Dort sind Kristalle teilweise, obwohl freistehend mit schiefen und "verbogenen" Flächen und teils mit in unzählige Flächen zerklüfteten Ecken ausgebildet. Bei Gelegenheit versuche ich nochmal ein Bild.  


Offline smoeller

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #7 am: 12 Dec 06, 20:37 »
Hallo,

Über Smythit weiss ich zuwenig, um den ausschließen zu können. Dürfte auch Magnetismus haben, ist dem Pyrrhotin in vielem sehr ähnlich. Aber wegen der Seltenheit des Smythits (wenige Stücke von 2 FO im Schwarzwald) glaube ich nicht daran. Ist zu 99 % Pyrrhotin.

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Offline Harjo

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #8 am: 13 Dec 06, 09:01 »
Nummer drei konnte Smithsonit sein.
Bin mir dennoch nicht bekannt mit die Paragenese vom Hartenstein.

Gruss

Harjo
« Letzte Änderung: 13 Dec 06, 18:47 von Harjo »

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #9 am: 13 Dec 06, 11:38 »
1. Würde auch sofort auf Pyrrhotin tippen.
2. Fluorit (Spaltflächen sollten eindeutig sein - vergleich mal mit Spaltflächen anderer Fluorite, egal welche Kristallform sie haben)
3. ?

Offline geomueller

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #10 am: 13 Dec 06, 17:41 »
Hallo Schluchti,

also bei 1. schließe ich mich an, wahrscheinlich Pyrrhotin.
Bei 2. würde ich auch Fluorit sagen, wenn du Baryt ausschließen kannst!
Bei 3. handelt es sich, soweit man das auf dem Photo erkennen kann, um die typischen glasigen oft nierigen Verwitterungskrusten die sich auf den Erzgebirgischen Halden um fast alle Bi-Co-Ni-Gangstücke bilden. Um was es sich dabei genau handelt kann ich auch nicht sagen, aber diese Krusten sind sehr hartnäckig und sind je nach beinhalteten Elementen weiß grau gelblich rötlich grünlich und schwarz. Meist sind in den Krusten kleine Gesteinsbruchstückchen mit verbacken.

Gruß Jürgen

Offline smoeller

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #11 am: 13 Dec 06, 18:32 »
Hallo,

@geomueller,

Kann durchaus sein.

Dabei handelt es sich in der Regel um teils amorphe, teils kristalline Sekundärminerale des Arsens. Pitticit, Zykait oder was in der Richtung.

Bei den schwarzen Krusten handelt es sich meist um Mn-haltige Minerale, oft Manganogel oder Asbolan. Letzterer kann Co, Ni und Fe aufnehmen und wurde auch als Erdkobalt bezeichnet (ein Begriff, der gleichsam für Asbolan, Heterogenit und zersetzte Speiskobalte (mit Skutterudit, Arsenolith und Erythrin) gebraucht wird.


Hier könnte durchaus so etwas wie Pitticit oder Zykait vorliegen, nur eine genaue Analyse kann hier Aufschluss bringen.

Kenne Zykaitkrusten von Freiberg. Die ganzen Haldenstufen aus größerer Tiefe sind dort damit überkrustet.

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Smoeller

Offline Schluchti

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #12 am: 13 Dec 06, 20:56 »
Danke Euch! Das ist eine Anregung, über die ich mal Nachdenken muss.  Allerdings würde ich die Stufe nicht der Bi-Co-Ni zuordnen, da ich bislang keine Vertreter dieser Paragenese auf der Stufe finden konnte. Es findet sich viel Eisen an der Stufe, u.a. wohl auch derber Markasit/Pyrit , der jedoch fast vollständig stark rostbraun korrodiert und ausgeblüht ist und charakteristischen Schwefelgeruch verbreitet.  Jedoch findet sich in der Nähe oder unter den gelben Kristallen keinerlei metallische Verbindungen, sondern Fluorit, der in einer zweiten Generation von dem gelben Mineral überwachsen ist. Das Ganze erstreckt sich auch recht gleichmäßig über größere drusige Bereiche.

Naja, ich versuche erstmal mit Hausmitteln noch ein paar Tests zu machen.     
 

Offline smoeller

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #13 am: 13 Dec 06, 21:59 »
Hallo,

In der Regel entstehen diese Sekundärminerale auch nicht allein aus den Erzen in der Stufe, sondern aus Erzstaub. Kenne von Wittichen/Schwarzwald Granitbrocken, die mit Erythrin überkrustet sind, obwohl in diesem Granit gar kein Co drin ist. Oder Baryt und Gneis (erzfrei) von Freiberg mit Gips und Zykait. Ist alles Haldenstaub.

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Smoeller

Offline Schluchti

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Re: Kopfzerbrechen über Stufe von Halde 371 Hartenstein
« Antwort #14 am: 08 Feb 07, 16:07 »
So, ich hatte nun die glückliche Gelegenheit das dritte (gelbliche, kugelige) Mineral mittels EDX analysieren zu lassen.

Hier das Ergebnis (Atom%)
 
 C      3.22         
 O      64.12   
 Mg   10.50
 Al      0.19       
 Si     17.70   
 S       0.14
 Ca    1.48   
 Fe    2.66
                           
Mmmh, merkwürdige Mischung. Was könnte dies denn sein?