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Tropfsteinhöhle in Thüringen entdeckt

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hoe:
Tja, die Bahn ist halt ein gebranntes Kind wenn es um Karst geht. Die haben das selbe Spiel schon einmal auf Neubaustrecke Nürnberg-Ingolstadt durch, als im Kalkstein völlig "überraschend" Karst (ebenfalls Höhlen und unterirdische Bachläufe) angetroffen wurden. Der Vortrieb wurde gestoppt und erst mal ein sehr umfangreiches Erkundungsprogramm gestartet. Die Folgen waren jahrelanger Bauverzug und beträchtliche Mehrkosten. Gerade für ICE-Trassen mit fester Fahrbahn ist Karst heikel, Setzungen der Gleise können katastrophale Folgen haben. Beim Vortrieb im Karstgebirge kann man aber schon mal mit einem halben Meter Schwebe über Hohlräume hinweg fahren, ohne es überhaupt zu merken, da diese Hohlräume mit den gängigen geologischen und geophysikalischen Methoden nur schwer bis gar nicht zu erfassen sind. Und mit einer simplen Betonverfüllung ist es dann auch nicht getan, da sich das Wasser schlicht und einfach neue Wege sucht und an anderen Stellen Ablöseerscheinungen auftreten werden. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, daß man am Tunnel Blessberg einfach wieder so zur Tagesordnung übergehen kann. Ja gut, das Gespann Züblin-Strabag-Bickhardt ist jetzt nicht in erster Linie für qualitativ hochwertiges Bauen bekannt, aber ganz so einfach wird es hier wohl nicht abgehen.

@Toglophiler
Im Tunnel Alte Burg sind wir in alten Manganerzbergbau gefahren. Dies war eine recht unangenehme Sache, da oberflächennaher Altbergbau die Eigenart hat, mit Schlamm voll zu laufen. Und wenn man die Grubenräume dann im Tiefsten anfährt, hat man den Schlamassel im Vortrieb. Damals sind ca. 4000 m3 Schlamm in die Nordröhre eingebrochen und da die Überdeckung nur so 30m war, gab es im Wald obendrüber einen ordentlichen Tagesbruch. Zu Schaden gekommen ist glücklicherweise niemand, da der Schlammeinbruch langsam begann und sich immer mehr ausgeweitet hat, es war also genügend Zeit um Leute und Geräte zurückzuziehen. Für Sammler war der Altbergbau übrigens uninteressant, da war absolut nichts drin. Das einzig Interessante beim Vortrieb Tunnel Alte Burg, der fast vollständig im Porphyr erfolgte, war ein Abschlag wo massenhaft Schneekopfkugel kamen - das blieb aber eine Ausnahme.

Glück auf!
Holger

guefz:

--- Zitat von: hoe am 05 Apr 08, 20:53 ---Ja gut, das Gespann Züblin-Strabag-Bickhardt ist jetzt nicht in erster Linie für qualitativ hochwertiges Bauen bekannt, aber ganz so einfach wird es hier wohl nicht abgehen.

--- Ende Zitat ---

Hmm, Strabag hat die Schule gebaut, in der ich arbeite. Wenn der Tunnel die gleiche Qualität hat, dann mal viel Spaß beim Flicken der Risse  ::)

Günter

endeavour-minerals:

 Gespann Züblin-Strabag-Bickhardt = Dumpinglöhne,Subunternehmereinsatz,usw.usw. Was will man erwarten,halt Baualltag in Deutschland.Da bekommt hat der billigste Anbieter den zuschlag und gerade bei Bauten die durch Steuergelder finanziert sind.

Ingo

caliastos:
wo es um geld und vor allem kosten geht interessieren solche dinge niemanden. ist leider so. wären es faustgroße diamanten wäre das ganz anders, aber so. da scheißt sich keiner was. "weg damit", kostet nur.

Troglophiler:

Zu diesem Thema gibt es nun vom THV weiterführende Informationen:

http://home.arcor.de/thv/thv/aktuell/aktuell.htm

Von Dieter Weiß, der ebenfalls an der Befahrung teilnahm, gibt es einige Bilder:  http://www.laser-dental.de/3-4-2008/page_01.htm

In der Regionalpresse fand ich heute folgenden Artikel:

Ein großer, ein kurzer Moment

Tropfsteinhöhle entdeckt - Forscher klagen über Zeitdruck - BUND will Anzeige erstatten
Von OTZ-Redakteurin Margit Kasper Bei Bauarbeiten am Bleßbergtunnel der ICE-Strecke Erfurt-Nürnberg in Südthüringen sind Arbeiter auf eine spektakuläre Tropfsteinhöhle gestoßen.

Die Bauleute hatten sie entdeckt, nachdem sie an der Tunnelsohle eine Loch fanden und vergeblich versuchten, es mit Beton zu verfüllen. Das berichtete der Projektleiter des Tunnelbaus, Michael Nowak.

Inzwischen hatten 13 Thüringer Höhlenforscher Gelegenheit, die unterirdische Schönheit zu bewundern - allerdings nur für insgesamt ein paar Stunden am Mittwoch und Donnerstag. Denn seit Freitag wurde die Höhle im Interesse des Baufortgangs mit Beton verfüllt.

"Ich erhielt einen Anruf von einem Suhler Geologen, der Kontakt zur Bauleitung vor Ort hält. Wir hängten uns sofort an die Telefone. Einige meiner Vereinsfreunde fragten, ob dies ein Aprilscherz sei", beschreibt Rainer Fohlert, Geschäftsführer des Thüringer Höhlenvereins, die erste Aufregung unter seinen Vereinsfreunden. "Fragen Sie mich nicht, wie es in mir aussieht", sagt er dann. Die Gefühle schwanken offenbar von total begeistert bis tief enttäuscht.

Die Höhlenforschung gilt als eines der letzten großen Abenteuer und jetzt war "einer dieser ganz großen Momente". "Wir fanden zunächst einen Saal von etwa 20 Meter Tiefe, zwölf Meter Breite und neun Meter Höhe. Die Decke war übersät mit langen dünnen Stalaktiten. Die größten dieser ,Makkaroni´ - so nennen wir sie wegen der Ähnlichkeit und weil sie innen auch hohl sind - erreichen eine Länge von 2,25 Metern. Sie dürften etliche zehntausend Jahre alt sein", beschreibt Fohlert die Entdeckung. "Die Höhle haben wir vermessen, Material für Forschungen geborgen und weitere 500 Meter der sich fortsetzenden Gänge erkundet. sind dabei über drei Seen geschwommen. Sie verläuft nach unten, verjüngt sich zu einem schmalen Spalt und weitet sich später wieder. An einer Stelle tritt ein Bach ein - wie eine riesige Klamm untertage. Im hinteren Teil fanden wir 30 bis 40 Sintergardinen - eine neben der anderen, von der Wand bis an die Kante zwei Meter hoch. Die bekannten ,Gardinen´ der Drachenhöhle Syrau gehen da mehrmals rein."

Die Höhlenforscher schätzen das Alter der Höhle auf mehrere Millionen Jahre. Sie habe das Potenzial, so Fohlert, die Rauensteiner Höhle - mit über 1600 Metern eine der längsten Thüringens - um Längen zu schlagen. "Sie ist vergleichbar mit den fantastischen Schauhöhlen in Südfrankreich."

Zugleich sind die Thüringer Höhlenforscher bitter enttäuscht, dass ihnen so wenig Zeit blieb. Ihr Ansinnen, die Höhle für eine gründliche Erforschung noch einige Zeit offen zu halten fand kein Gehör. Fohlert: "Das Schlimme an der Sache ist, dass keinerlei Bemühungen unternommen wurden, das Ganze zu sichern. Eine Höhle steht nach dem Gesetz generell unter Schutz. Es ist bedauerlich, dass sich kein Vertreter einer zuständigen staatlichen Stelle dort hat sehen lassen. Ich verstehe auch nicht, dass keine Lösung gefunden wurde, die Höhle begehbar zu halten."

Unterdessen wird die Tropfsteinhöhle ein Fall für die Justiz. In dieser Woche soll bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Unbekannt erstattet werden, bestätigte der Landesgeschäftsführer des Bundes Umwelt und Naturschutz (BUND) Thüringen, Burkhard Vogel, nach dpa-Angaben. Die Verschließung der Höhle durch die Baufirma verstoße gegen Naturschutzrecht.

Der Thüringer Höhlenverein zählt gegenwärtig rund 80 Mitglieder, welche in neun Gruppen in- und außerhalb des Freistaats angeschlossen sind. Insgesamt sind in Thüringen rund 500 Höhlen bekannt.

06.04.2008   

Quelle: http://www.otz.de/otz/otz.nachrichten.volltext.php?kennung=on6otzHOMHomNational39543&zulieferer=otz&kategorie=HOM&rubrik=Homepage&region=National&auftritt=OTZ&dbserver=1

Glück Auf!
Jens

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