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Autor Thema: Asbest im Wasser- und dann?  (Gelesen 26202 mal)

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Offline zippy

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Asbest im Wasser- und dann?
« am: 06 Jun 08, 06:02 »


Liebe Leute,

als Freizeitgärtner kommt man ab und zu nicht  drum hin, die Pflanzen zu gießen. Es stände da eine größere Menge Wasser von einem "Eternit" Dach zur Verfügung.
Da kam die Frage auf, ob sich Asbestfasern aus dem Dach lösen können und ins Wasser gelangen. Das wäre erstmal nicht so tragisch, aber was ist wenn dieses Wasser verdunstet und der Boden wieder trocken ist. Werden dann die evtl. vorhandenen Fasern freigesetzt und fliegen einem um die Nase bei der Bodenbearbeitung? Oder "kleben" die Fasern an irgendwelchen Bodenbestandteilen fest, elektrostatisch oder so ähnlich?
Oder alles Mumpitz und das kommt dabei raus wenn zuviel Bier trinkt und dann ganz tolle Ideen hat? Es waren immerhin vier kompetente mineralogisch interessierte Tomatenanbauer am Tisch.  Wir bitten um Mithilfe bei der Lösung des Problems, die Pflanzen müssen gegossen werden.

Gruß vom

Zippy

Offline uwe

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #1 am: 06 Jun 08, 10:22 »
Natürlich können sich aus einem Eternit Dach hin und wieder Fasern im Mikrobereich lösen, die dann auch ins Geißwasser gelangen. Die gelösten Fäserchen würde jedoch auch der Wind direkt in die Landschaft blasen. Allerdings ist ein seit längerer Zeit liegendes Eternit-Dach relativ sicher. Bei einem Abriß würden mehr Fasern frei, als bei einem unberührten Dach in 100 Jahren.

Außerdem, so gefährlich ist Asbest nun auch wieder nicht. Beispiel: Ich hatte vor etwa 50 Jahren im Rahmen meiner Lehre auch eine Laborausbildung. Zum isolieren der Glasleitungen verwendeten wir Asbestschnur (schön fasrig). Zu allem Überfluß haben wir die Schnure zerpflückt und uns gegenseitig mit dem Gummiball der Spritzflaschen ins Gesicht gepustet. Das war vor 50 Jahren und alle meine Mitlehrlinge, zu denen ich heute noch Kontakt habe leben noch.

Gruß
Uwe

Offline rudi_strolz

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #2 am: 06 Jun 08, 12:01 »
@Uwe

Vorsicht! Verallgemeinerungen aufgrund eigener Erfahrungen sind im Umgang mit grundsätzlich gefährlichen Substanzen nicht angebracht. Das verhält sich ähnlich wie mit dem Rauchen. Bei manchen hat es verheerende Wirkung, manche überleben damit ihren kompletten, gesund lebenden Freundeskreis. Von daher: Herzlichen Glückwunsch an dich und deine Mitlehrlinge, aber das hätte auch schief gehen können.

Glück auf, Carsten

Offline giantcrystal

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #3 am: 06 Jun 08, 12:38 »
Ich habe gerade vor ein paar Tagen einen Bericht über die Exposition von Bergarbeitern in einem Asbestbergwerk gelesen (Balangero in Italien) und über deren Gesundheitsschädigungen : Nicht signifikant mehr als im nicht belasteten Umfeld ! Und dazu waren sämtliche der untersuchten Bergleute auch noch Raucher...

Fazit : Dont panic !

Glück Auf

Thomas

Offline caliastos

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #4 am: 06 Jun 08, 20:09 »
also was asbest angeht:

nicht jeder asbest ist gefährlich. das hängt nur von der kristallform ab. manche asbeste sind recht harmlos, andere kritisch. dazu kommt noch, daß jeder anders auf stoffe reagiert oder man hat glück.

fakt ist allerdings, daß manche asbestminerale aufgrund ihrer form die lunge reizen und an der stelle dann gewebewucherung einsetzt. bei manchen mag das ausbleiben oder der kristall abgekapselt werden, bei anderen gerät das wachstum der zellen aus der bahn.

aber verharmlosen würde ich das nun auch wieder nicht. da kam gerade im fernsehen ein passendes beispiel. ein alkoholiker ist mit 6-7 promille völlig zu, aber am leben. der normale konsument läge wohl bbei spätestens 3 promille in der kiste und rührt sich nicht mehr. aber da nun zu sagen, dass ein pegel von 6-7 promille vertragen wird ist völlinger blödsin.

man kann genausowenig sagen, daß quarzstaub ungefährlich ist, nur weil nicht alle sofort silikose bekommen.

man sollte bei asbest halt einfach das einatmen der fasern vermeiden. die eine oder andere faser wird wohl nichts machen. wasser würde auch nicht den asbest auflösen, sondern, wie auch der wind usw. lose fasern mitnehmen. da die aber so klein sind, würden die eh nicht lange genug überleben, um über den boden als zwischenschritt in die lunge zu kommen. viel zu wenig masse, viel zu geringe wahrscheinlichkeit. und die verwitterung kommt noch dazu.

Offline Blackminer

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #5 am: 28 Jul 08, 18:20 »
Wenn du dir zu viele Gedanken über das Gießwasser machst, verdorren noch die Tomaten!  ;D
Dieses Jahr ist eine gute Ernte zu erwarten. Zumindest im Garten meiner Eltern!
Asbest ist nur beim Einatmen gefährlich! Kriech, also nicht mit Schleifsteinen bewaffnet übers Dach. ;D
Es gibt Spezialanstriche für Asbestdächer, da werden keine Fasern freigesetzt! Die Farbe sieht aus wie Teer. Wir haben jedes Jahr die betroffenen Flächen gestrichen, bis wir uns ein neues Dach geleistet haben.
Falls du aus ner Regentonne gießen solltest, haben sich die Fasern am Tonnenboden abgesetzt.


Offline Uwe Kolitsch

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #6 am: 28 Jul 08, 21:39 »
"das hängt nur von der kristallform ab. "

Nein, vom Längen-/Dickenverhältnis (engl. aspect ratio).

Offline Krizu

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #7 am: 28 Jul 08, 22:00 »
Hallo,

richtig, aber auch noch von der Chemie. Es gibt da eine Bewertungsformel anhand der die Belastung berechnet wird.

MfG

Frank

Offline Geomaxx

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #8 am: 29 Jul 08, 23:01 »
Hi alle
das mit der Bewertungsformel gilt meines Wissens nur für "Künstliche Mineralfasern KMF", besser bekannt als "Glaswolle, Steinwolle". Hier wird die chemische Zusammensetzung, die einen wesentlichen Einfluß auf die Biobeständigkeit hat, untersucht und aus dem Verhältnis von Alkali- und Erdalakalioxiden zu Aluminiumoxid der sog. "Kanzerogenitätsindex" bestimmt. Dieser Index wird zur Gefahrenbeurteilung der künstlichen Mineralfasern herangezogen.
Bei Asbest ist die chemische Zusammenetzung prinzipiell erstmal egal, denn sowohl die Serpentinasbeste (z.B. Chrysotil) als auch die Amphibolasbeste (Amosit, Krokydolith) haben Faserdimensionen, die klar als gesundheitsschädliche "WHO-Fasern" einzustufen sind (Fasern mit D<3 µm, L>5 µm, L:D > 3).
Theoretisch reicht ein Faserbruchstück für die krebserzeugende Wirkung aus.
Glück Auf!
GEOMAXX

Offline cmd.powell

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #9 am: 30 Jul 08, 04:43 »
Hi

Ich würde die Tomaten vor dem Verzehr kurz abspülen - vielleicht nicht unbedingt mit dem Wasser aus der Tonne, das sollte reichen...

Theoretisch reicht ein Faserbruchstück für die krebserzeugende Wirkung aus.

Das wäre echt extrem viel Pech gehabt...

caliastos hat doch schon das Stichwort Verwitterung gegeben: Ist eigentlich bekannt, wie schnell Asbestfasern z.B. Hydratisieren und so vielleicht "inaktiv" oder besser harmlos werden ? Die werden sicherlich nicht ewig in wässrigem Milieu überleben können.

Offline Geomaxx

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #10 am: 30 Jul 08, 09:58 »
Hi
die Biobeständigkeit, d.h. die Beständigkeit einer Faser im Organismus mit gesundheitsschädigender Form (vgl. die Definition der WHO-Fasern in meinem post vom 23.07.) beträgt für Krokydolith z.B. mehr als hundert Jahre. Zudem ist zu berücksichtigen, daß beispielsweise Asbestasern eingeatmet werden, deren Durchmesser beim Einatmen noch zu groß sind, um in den Lungenbläschen, den Alveolen, Schaden anzurichten. Im Körper kann es jedoch zur Längsaufspaltung der Mikrofaserbündel kommen und so die gesundheitskritischen Faserdimensionen erreicht werden. Was lernen wir daraus? "Verwitterungsprozesse" laufen auch im menschlichen Körper ab.
Glück Auf! und bitte verharmlost die Asbest-Problematik nicht!
GEOMAXX


Offline Krizu

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #11 am: 30 Jul 08, 10:21 »
Hi alle
das mit der Bewertungsformel gilt meines Wissens nur für "Künstliche Mineralfasern KMF", besser bekannt als "Glaswolle, Steinwolle". Hier wird die chemische Zusammensetzung, die einen wesentlichen Einfluß auf die Biobeständigkeit hat, untersucht und aus dem Verhältnis von Alkali- und Erdalakalioxiden zu Aluminiumoxid der sog. "Kanzerogenitätsindex" bestimmt. Dieser Index wird zur Gefahrenbeurteilung der künstlichen Mineralfasern herangezogen.
Bei Asbest ist die chemische Zusammenetzung prinzipiell erstmal egal, denn sowohl die Serpentinasbeste (z.B. Chrysotil) als auch die Amphibolasbeste (Amosit, Krokydolith) haben Faserdimensionen, die klar als gesundheitsschädliche "WHO-Fasern" einzustufen sind (Fasern mit D<3 µm, L>5 µm, L:D > 3).
Theoretisch reicht ein Faserbruchstück für die krebserzeugende Wirkung aus.
Glück Auf!
GEOMAXX

Hallo,

genau! Aber setze mal die Werte von Asbest ein.  Ein TüV-Prüfer für diese Fasermessungen hatte mal beim Mittagessen ein bisschen geplaudert.

Fazit:
Nicht einatmen!

MfG

Frank

Offline Moni

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Re: Asbest im Wasser- und dann?
« Antwort #12 am: 31 Jul 08, 22:38 »
Hallo Leute,

Geomaxx hat die korrekte Aufklärung geliefert:

Kanzerogenitätsindex  = KI-Index wird berechnet und gilt für künstliche Mineralfasern
es gilt: KI <30 krebserzeugend
KI 30 bis 40 krebsverdächtig
KI >  40 alles okay und gesundheitsunschädlich.

Im übrigen gilt für Mineralwollerzeugnisse: ab 1996 Herstellung mit KI <30 verboten, Übergangsfristen liefen bis 2000, ab 2000 gilt Herstellungs- und Verwendungsverbot

Bezüglich Asbest gilt auch das, was Geomaxx geschrieben hat.

Herzliche Grüße von
Moni 

 

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