Hallo,
nur noch mal was zu den "abgesammelten Alpen" und den alpinen Quarzen..
Es gibt in den Alpen zwar auch die typischen Erz- und Minerallagerstätten,
die einen begrenzten Umfang haben und deshalb irgendwann ausgebeutet sind.
Aber die Klüfte, aus denen z.B. die Bergkristalle stammen, gehören nicht dazu.
Die Klüfte bilden sich, weil Gesteine im grossen Massstab bei hohen Temperaturen
gefaltet werden.
Das geschieht in grosser Tiefe und irgendwann nach ein paar Millionen Jahren
(etwa 10-20 Millionen Jahre in den Alpen) legt sie die Erosion frei.
Dann kommen Strahler und beuten aus, was an der Oberfläche auftaucht.
Und natürlich sind diese Bereiche mit "offenen Klüften" schnell abgesucht.
Aber ein Berg, an dessen Oberfläche man Klüfte findet, enthält
auch im inneren noch viele Klüfte (die Gesteine wurden ja komplett gefaltet),
die die Erosion noch nicht freigelegt hat.
Nur kommt man eben nicht so leicht ran, wenn sie mehr als 1-2 Meter im Berg stecken.
Das an der Oberfläche ist nur die Spitze des Eisberges.
Bergkristalle wird man in den Alpen so lange finden, bis die Alpen komplett
eingeebnet sind.
Deshalb suchen einige Berufsstrahler in einem Gebiet mir hoher Kluftdichte auch
ganz anders als Hobbysammler: sie "schälen" den Berg über viele Jahre Schicht für Schicht,
um Klüfte in der Tiefe freizulegen.
Die Hauptphase der Gebirgsbildung ist in den "beiden" Alpen schon vorbei, und
damit auch die Hochzeit der Kluftbildungen: die Ostalpen wachsen nicht mehr,
die Westalpen nur noch langsam.
Die Kristalle wachsen aber nicht nur, während die Klüfte aufreissen, sondern auch
oder vielleicht sogar hauptsächlich, wenn die Gesteine mit den Klüften sich
langsam der Oberfläche nähern und Druck und Temperatur
(und damit auch die Löslichkeit der Minerale) sinken:
Während der Erosion eines Gebirges wird viel Material aus den Bergen entfernt,
das vorher mit seinem Gewicht die Gesteine nach unten gedrückt hat.
Das heisst, während die Alpen eingeebnet werden, tauchen langsam tiefere Schichten
auf und Druck und Temperatur in ihren Klüften sinken auch.
Es wachsen also wahrscheinlich auch noch Kristalle, wenn das Gebirge
gar nicht mehr gefaltet, sondern nur noch abgetragen wird.
Nur nicht mehr so viele wie in der Zeit der Gebirgsbildung, als aktiv Gestein verbogen
und hochgedrückt wurde.
Alle Kristalle wachsen, allgemein gesprochen, nur dann, wenn sich äussere Bedingungen
(Druck, Temperatur, Lösungschemie etc.) ändern.
Ändern sich die Bedingungen schnell, dann wachsen die Kristalle schnell
(oder lösen sich schnell auf).
Ändern sie sich langsam (z.B. im Rahmen der Gebirgsbildung in den Alpen),
wachsen auch die Kristalle langsam.
Gruss
Amir