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Autor Thema: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit  (Gelesen 10887 mal)

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Offline Squarefox

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Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« am: 21 Aug 08, 15:07 »
Hallo,

ich habe neulich ein 2*1*1 cm³ großes Stück radioaktiven Meta-Autunits erworben.
Leider habe ich keinen Geigerzähler um die Strahlung zu messen.

Das Stück ist wie folgt gelagert (der Reihnfolge nach):
1*Plastikdose
3*Plastiktüten drum herum
1*Metalldose (für Tee)
1*Plastiktüte
1*Metalldose
1*Plastiktüte
Das ganze ist im Keller verstaut, den ich aber recht häufig nutze.

Nun meine Frage: reicht die Lagerung aus, damit keine Radioaktivität entweichen kann?

Grüße,
Squarefox

Offline smoeller

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #1 am: 21 Aug 08, 15:20 »
Hallo,

Die Alpha-Strahlung (häufigste Strahlung bei Uran) hast du damit schon mal abgeschirmt, Betastrahlung und Radon sollten dann auch kein Problem sein. Bleibt nur noch die Gammastrahlung, die lässt sich mit dünnen Folien, Blechen o.ä. kaum abschirmen, da braucht man schon Blei.
Allerdings ist die Menge an Strahlung, die eine solch kleine Probe abgibt recht klein und wenn das Stück im Keller steht, passiert dir da wenig. Die beiden Gefahren bei derartigen Stücken sind Staub und Radon (Gas). Beides wirkt auf die Lunge. Daher Uranglimmer immer in verschlossene Plastikdosen.

Glück Auf!
Smoeller

Offline berthold

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #2 am: 21 Aug 08, 16:59 »
Hallo,

die von Dir geschilderte Lagerung halte ich nicht nur für ausreichend sondern für übervorsichtig. Wobei: Die wirkliche Gerfahr geht nicht von der Lagerung sondern vom "handling" aus. Also beim verpacken, ggf. auspacken um die Kristalle anzusehen usw. Dabei nichts essen/trinken, nicht rauchen und danach gründlich die Hände waschen.

@Smoeller:

Zitat
Die Alpha-Strahlung (häufigste Strahlung bei Uran)

die Aussage lese ich öfters, aber: Kommt es nicht auch bei jedem alpha-Zerfall zu gamma-Strahlung? Und sollten wir nicht von der kompletten Zerfallsrreihe (vom U238) reden? Da kommt dann ja auch beta vor - und auch immer mit gamma - Oder?

Gruß
Berthold

Offline Doc Diether

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #3 am: 21 Aug 08, 18:33 »
Halloo,
ich sammle ja auch die wunderschönen Uran-Mineralien. Und da ich früher beruflich die Radioaktivität auch gut testen konnte, habe ich bei meiner Lagerung (Plastikdose) im Schrank weit weg und in unserem Vorkeller (häufige Lüftung) das mal mehrfach getestet:
Im Vorkeller ist nur eine sehr leichte über dem Durchschnitt liegende Aktivität. Komme ich an den Schrank ran, schlägt der Zähler nur aus, wenn ich Uraninit selbst eindose (kleine Probe). Nähere ich mich dem Uraninit im geöffneten Schrank, dann rattert er wie verrückt. Die anderen sekundären Uranminerale zeigen nur geringen Ausschlag bei Annäherung an das Döschen.
Für mich ist nach wie vor wichtig, den Vorkeller zu lüften, um das Radon rauszukriegen.
Glück Auf!
Doc Diether

Offline smoeller

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #4 am: 21 Aug 08, 20:21 »
Hallo,

@Berthold: Natürlich kommen alle drei Arten bei Uranzerfall vor. Aber die größte Menge der Strahlung ist dennoch Alpha, gerade auch bei Radon, Polonium und anderen stark strahlenden Elementen. Daneben halt auch Beta und Gamma. Fakt ist aber doch dann, dass ein großer Teil der Strahlung bereits abgeschirmt ist.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Krizu

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #5 am: 21 Aug 08, 20:25 »
Hallo,

Jeder Alpha-Zerfall hinterlässt einen angeregten Kern, der sich über Gamma abregt.
Jeder Beta-Zerfall erzeugt ein (Anti?)-Neutrino und in der Regel ein Gamma.

Aus Gamma = Beta + Alpha (jeder erzeugt ein Gamma-Quant) folgt, dass Gamma am häufigsten ist.
Allerdings hat Alpha den höheren Wirkungsquerschnitt für die Schädigung.

MfG

Frank

Offline berthold

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #6 am: 21 Aug 08, 21:44 »
Hallo,

@smoeller

Zitat
Aber die größte Menge der Strahlung ist dennoch Alpha

Verstehe ich nicht  ??? . Wenn jeder Alphazerfall (und Betazerfall) auch ein Gamma-Quant bringt muss man doch sagen, dass -wie Frank schreibt- Gamma am häufigsten ist.

Wohlgemerkt ich definiere "Menge" als Anzahl von Zerfalls-Ereignissen.

Gruß
Berthold

Offline cmd.powell

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #7 am: 22 Aug 08, 02:31 »
Für den Sammler radioaktiver Minerale ist letzlich nur Eines Interessant: Alpha-Strahlung kommt nicht durch das dünnste Papier hindurch, wird also von jeder Plastikdose vollständig abgeschirmt. Auch in der Luft ist die Reichweite sehr begrenzt (ich meine mich erinnern zu können, dass das Maximum bei einem Thoriumistotop auftritt und bei ca. 9 cm liegt). Auch Beta-Strahlung ist nicht wirklich durchdringend. zwar kommt sie durch Papier, die Plastikdose sollte aber reichen, notfalls tut es eine Blechdose. Gamma-Strahlung lässt sich praktisch nicht mehr effizient Abschirmen, allerdings ist hier die Wechselwirkung mit der Materie begrenzt (darum durchdringt sie ja auch so gut). Was Gefährlich ist, ist die Inkorporation von radioaktiven Teilchen, da hier die besonders schädigende Alpha-Strahlung tief im Körper wirken kann. Dies gilt es also zu vermeiden und das kann man ganz gut, wenn man sich an die Regel von berthold hält: Nicht essen, trinken, rauchen, nach dem Umgang mit radioaktivem Material gründlich Hände waschen und bei stark staubendem Material Mundschutz verwenden ! Stark staubendes Material am Besten vor Ort (also am Fundort) formatieren oder sonst wie im Freien arbeiten. Man will sich ja nicht die Bude verstrahlen. Lagern sollte man radioaktive Stufen am Besten nicht in Wohnräumen, allerdings kommt es hier letztlich auch auf die Menge an. Wer viel altes buntes Porzellan aus dem Erzgebirge hat, brauch die Autunitstufe auch nicht mehr im Keller parken...

PS.: Kommt das Gamma-Quant beim Beta-Zerfall nicht aus der Annihilation von Positron/Elektron zustande ? Demnach gäbe es Gammastrahlung nur beim Beta+-Zerfall, welcher allerdings bei weitem der häufigste Beta-Zerfall ist.

Offline Mineraloge

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #8 am: 22 Aug 08, 08:58 »
Ich schließe mich cmd.powell voll und ganz an, Alpha und Beta Strahlung wird vom Kunststoffdöschen aufgehalten und stellt somit keine Gefahr dar. Wenn man dieses auch noch luftdicht verschließt ist auch das Radon Problem gelößt. Was das Abschirmen von Gammastrahlung betrifft ist das nicht so einfach, da brauch man schon Blei oder ordentlich viel Schwerbeton. Wer sich genauer damit beschäftigen will muß mal hier lesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Radioaktivit%C3%A4t#Alphazerfall
Bei den Uranglimmern spielt die Gammastrahlung jedoch eine extrem untergeordnete Rolle. Hatte damit bisher noch keine Probleme, meine Uranglimmer stehen in Kunststoffdöschen in einer Glasvitrine im "Sammlungszimmer", wo ich auch jeden Abend meinen Laborkittel aufhänge. Warum erzähle ich das? Weil am Laborkittel ein Dosimeter hängt was jeden Monat untersucht wird und bisher hatte ich noch nie was auf der Auswertung stehen. Das ist halt der Vorteil wenn man im Röntgenlabor arbeitet  ;D

Gruß Mineraloge

Offline Krizu

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #9 am: 22 Aug 08, 15:58 »
PS.: Kommt das Gamma-Quant beim Beta-Zerfall nicht aus der Annihilation von Positron/Elektron zustande ? Demnach gäbe es Gammastrahlung nur beim Beta+-Zerfall, welcher allerdings bei weitem der häufigste Beta-Zerfall ist.

Nein, meines Wissens nicht in der Natur. Ausserdem waere es dan neine scharfe 511keV-Linie ;-)

MfG

Frank

Offline berthold

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #10 am: 22 Aug 08, 17:20 »
Hallo,

Zitat
PS.: Kommt das Gamma-Quant beim Beta-Zerfall nicht aus der Annihilation von Positron/Elektron zustande ? Demnach gäbe es Gammastrahlung nur beim Beta+-Zerfall, welcher allerdings bei weitem der häufigste Beta-Zerfall ist.

ich denke jeder Alpha- und Betazerfall hinterlässt einen angeregten Kern. Diese Energie strahlt der dann in Form eines Photons mit einigen hundert keV, also Gammastrahlung, ab. Zusätzlich gibt es noch andere Möglichkeiten wie Gammastrahlung kommen kann (z.B. Neutroneneinfang), die spielen hier jedoch keine Rolle. Also Gammastrahlung nicht nur beim Beta+-Zerfall. Folglich bleibe ich dabei, Gamma ist am häufigsten.

Jetzt kann man sich fragen, welche Strahlung gefährlicher ist. Wenn ich von einem gut eingedosten Uranglimmer im Wohnzimmerschrank ausgehe ist es dennoch die Gammastrahlung, denn von Alpha und Beta sollte durch die Verpackung und dem Abstand nichts mehr da sein. Viel Gamma kommt da nicht -und mit dem Abstand quadratisch weniger- so dass sich Schwerbetonwände glücklicherweise erübrigen.

Gruß
Berthold

Offline Krizu

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #11 am: 22 Aug 08, 18:04 »
Hallo,

Rechenbeispiel zum Gamma:
Eine Unranitstufe mit etwas über 5mm Durchmesser wiegt 1g. Das ergibt 156000 Bequerel.
Quelle: http://www.webmineral.com/data/Uraninite.shtml
Jetzt kommt der Formfaktor:
Ich bin knapp 2m groß und 50cm breit lol  ;) also 1m2 Fläche.
Stell ich mich direkt davor, also halte mir die Kugel vor meinen Waschbrettbauch, trifft mich rund die Hälfte der Strahlung, also 80.000Bq.

Stell ich mich in 1m Entfernung hin, stelle ich rund 1m2 auf einer Fläche mit 4*pi*r2 = 12m2 also 1/12 rund 6700 Bq.
in 2 m Abstand wiederum 1/4 = 1700 Bq.

Alleine das körpereigene Kalium40 macht 100Bq/kg (Ich habe die Werte von Rindviechern auf Menschen übertragen) und dazu kommt C14 etc. Bei meinem Waschbrettbauch kommen da schon X.000 Bq zusammen mit X>1  ;) Von den Polonium-Stäbchen=Zigaretten möchte ich gar nicht reden. http://www.bfs.de/de/ion/nahrungsmittel/nahrung.html

Mfg

Frank




Offline cmd.powell

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #12 am: 23 Aug 08, 00:52 »
Rechenbeispiel zum Gamma:
Eine Unranitstufe mit etwas über 5mm Durchmesser wiegt 1g. Das ergibt 156000 Bequerel.
Quelle: http://www.webmineral.com/data/Uraninite.shtml
Jetzt kommt der Formfaktor:
Ich bin knapp 2m groß und 50cm breit lol  ;) also 1m2 Fläche.
Stell ich mich direkt davor, also halte mir die Kugel vor meinen Waschbrettbauch, trifft mich rund die Hälfte der Strahlung, also 80.000Bq.

Stell ich mich in 1m Entfernung hin, stelle ich rund 1m2 auf einer Fläche mit 4*pi*r2 = 12m2 also 1/12 rund 6700 Bq.
in 2 m Abstand wiederum 1/4 = 1700 Bq.

Alleine das körpereigene Kalium40 macht 100Bq/kg (Ich habe die Werte von Rindviechern auf Menschen übertragen) und dazu kommt C14 etc. Bei meinem Waschbrettbauch kommen da schon X.000 Bq zusammen mit X>1  ;) Von den Polonium-Stäbchen=Zigaretten möchte ich gar nicht reden. http://www.bfs.de/de/ion/nahrungsmittel/nahrung.html

Hi, hi, das ist richtig. Nach diversen geltenden Strahlungsschutzrichtlinien sind Grenzwerte zum Teil so niedrig gewählt, das Doppelbetten für Eheleute verboten werden müssten - eben wegen der Strahlung des Ehepartners.

Nein, meines Wissens nicht in der Natur. Ausserdem waere es dan neine scharfe 511keV-Linie ;-)

Ich war mir da auch nicht mehr sicher, ich weiß nur noch dunkel, das ich mal im Physikpraktikum irgendeine Positron/Elektron-Annihilationsstrahlung gemessen hatte. Ist alles schon ewig her und ich weiß auch gar nicht, ob ich die Unterlagen von damals noch habe. Mal eine Haarspalterfrage: Ab wann reden wir den von "natürlichen" Isotopen, wenn wir sie hier auf der Erde finden, oder wenn es sie irgendwo im Universum gibt ? Letzteres ist ja auch "natürlich" und ich denke mal, in frischen Superovaeereignissen gibt es sicherlich ein paar ganz abgefahrene Isotope...
« Letzte Änderung: 08 Apr 13, 22:47 von oliverOliver »

Offline Krizu

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #13 am: 23 Aug 08, 16:09 »
Hallo,

die in der Natur vorkommenden Isotope haben eher einen "Neutronen-Überschuß. Die Krümmung der stabilen Isopope ist ja nicht linear und der (Z-2)(M-4) = Alpha-Zerfall führt zum Neutronenüberschuss. Dann muss ein Elektron raus (Z+1)(M-0)=Beta-Zerfall her. Der Beta+-Zerfall tritt imho nur bei künstlichen Isotopen auf.

Natürliche Isotope = in der Natur = Erde
Meine Meinung

MfG

Frank

Offline cmd.powell

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Re: Lagerung von radioaktiven Meta-Autunit
« Antwort #14 am: 26 Aug 08, 21:53 »
die in der Natur vorkommenden Isotope haben eher einen "Neutronen-Überschuß. Die Krümmung der stabilen Isopope ist ja nicht linear und der (Z-2)(M-4) = Alpha-Zerfall führt zum Neutronenüberschuss. Dann muss ein Elektron raus (Z+1)(M-0)=Beta-Zerfall her. Der Beta+-Zerfall tritt imho nur bei künstlichen Isotopen auf.

Klingt logisch. So langsam kommen meine grauen Zellen auch wieder auf Fahrt und die Info kommt durch, das ich damals irgendein Technetium-Isotop gemessen hatte. Das war sicherlich künstlichen Ursprungs...

 

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