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Autor Thema: Achate im Muschelkalk? / Hornstein und Chalcedon  (Gelesen 13626 mal)

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Offline Walker

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Hallo allerseits,

seit einigen Jahren bin ich als Hobbyarchäologe unterwegs und erschließe Freilandstationen und Siedlungsstellen. Kürzlich habe ich auf einer Bergkuppe (355m) im unterfränkischen Muschelkalk neben vielen Hornsteinen auch aufgeschlagene (und vielleicht bearbeitete) Knollen aus einem mir unbekannten Material gefunden, die meines Erachtens autochton sind. Als erstes dachte ich an Kieselschiefer, dann aber aufgrund der Kalkhaut, die sich vom Rest mit Essigsäure lösen lässt, an eine Achat-Art, zumal einige radiale Musterungen aufweisen.
Anbei ein schlechtes Photo (oben sind zwei Muchelkalkhornsteine mit eingeblendet). Vielleicht kann mir jemand sagen, welche Art von Silex das sein könnte und ob bekannt ist, ob dieses Material auch für Artefakte genutzt wurde.
« Letzte Änderung: 29 Nov 16, 19:37 von oliverOliver »

Offline turmalin77

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Re: Achte im Muschelkalk?
« Antwort #1 am: 15 Nov 08, 14:59 »
Hallöchen,

Achat muß eine Bänderung aufweisen - das kann ich an Deinen Stücken nicht erkennen.

Das weißliche ist vielleicht Chalcedon - kommt im Hornsteinhorizont vor.

Glück auf,

Lars

Offline Walker

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #2 am: 15 Nov 08, 15:12 »
Hallo Lars,


erst einmal Danke für die Antwort. Ich habe noch mal zwei Stücke fotografiert. Die Farbe der Stücke geht ins gräulich-bläuliche. Eines hat minimale Ansätze von Patina. Kommen die Stücke auf Feldern in dieser fotografierten Form vor, d.h. kann es sein, dass eine Chalcedon-Knollen (kommt das knollig vor?) vom Pflug an vier Seiten so abgeschlagen ist, dass diese Seiten glatt freiliegen und nur ein bisschen Cortex noch vorhanden ist? Oder sieht das eher nach menschlichem Einfluss (Steinzeit) aus?

Rund um die Außenseite der Stücke habe ich auch eine Art Bänderung, wie ich sie von Flintknollen aber auch kenne.
« Letzte Änderung: 15 Nov 08, 15:26 von Walker »

Offline Lausitz

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Re: Achte im Muschelkalk?
« Antwort #3 am: 15 Nov 08, 15:26 »
Sieht für mich eher nach feuerstein aus. Was ist denn Cortex?
Gruß

Offline Walker

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Re: Achte im Muschelkalk?
« Antwort #4 am: 15 Nov 08, 15:29 »
Hallo,

Cortex ist die Außenhaut (so heißt es zumindest bei den Archäologen) von Geröllen oder Knollen.

Auf Flint tippe ich nicht, oder gibt es im Muschelkalk Flint - habe davon nichts gehört bisher. Die Außenhaut ist reiner Kalk, stark angelöst, bildet kleine Röhrchen und lässt sich in Essigsäure lösen, so dass nur noch der Chalcedon (?) übrig bleibt.

Als ich das erste Stück gefunden habe, dachte ich auch an Flint oder Kieselschiefer, scheint aber beides nicht zu sein, Kieselschiefer auf keinen Fall. Es ist auch ziemlich sicher autochton.
« Letzte Änderung: 01 Sep 14, 21:36 von oliverOliver »

Offline smoeller

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #5 am: 15 Nov 08, 16:14 »
Hallo,

Es handelt sich um Hornsteine und Chalcedon aus dem mittleren Muschelkalk. Vergleichbares Material habe ich im Südschwarzwald gefunden.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Walker

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #6 am: 15 Nov 08, 16:24 »
Hallo Smoeller,

danke dir auch. Hast du den Chalcedon auch von vielen Seiten "beschlagen" (wie auf meinem Foto) aufgelesen und liegt er in Knollen vor? Was mich nun noch interessiert, ob er natürlich an vielen Seiten beschlagen ist (Frost, Pflug  ...?) oder durch Steinzeitler.
« Letzte Änderung: 01 Sep 14, 21:37 von oliverOliver »

Offline caliastos

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #7 am: 15 Nov 08, 16:33 »
hornsteine, cherts, calcedon, flint. alles denkbar aber sicher kein achat. das material ist relativ spröde und bricht mit gewölbten flächen ziemlich leicht bei krafteintrag. ein gezielter schlag erzeugt mal gerne mehr als 1-2 chips. kommt in zahlreichen formen vor, muß nicht unbdédingt knollig sein, allerdings ist das eine ideale form, da kanten nicht beständig sind. daher sind flußgerölle auch stark gerundet.

steinzeitliche objekte weisen an sich viele, relativ dichte und orientierte kerben auf. selbst rohlinge sind nie "grob".

hornsteine und co können fast in jedem sediment vorkommen, sofern dort mobilsierte kieselsäure ausgefällt wurde.

Offline Walker

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #8 am: 15 Nov 08, 16:46 »
Danke für den guten Überblick!

Was die "Steinzeit" anbelangt, war das auch die Frage, die ich mir die ganze Zeit stelle. Echte jungpaläolitische Kernsteine haben typisch Schlagbahnen und man müsste eigentlich auch einige Abschläge vor Ort finden - ist aber Fehlanzeige. Wäre zu schön gewesen, einen Schlagplatz zu finden, an dem die Paläolithiker direkt das Material aufgelesen und verarbeitet haben  ;D Das Material liegt übrigens direkt zwischen Muschelkalkhornsteinen und natürlich Muschelkalk und nicht im Einflussbereich einer alten Flussterrasse. Es ist demnach direkt aus de Muschelkalk herausgewittert.

Gibt es auch Flint im Muschelkalk und was sind Cherts?

Edit: Cherts weiß ich nun, kannte es nur als Lydit oder Kieselschiefer.
« Letzte Änderung: 01 Sep 14, 21:33 von oliverOliver »

Offline smoeller

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #9 am: 15 Nov 08, 17:55 »
Hallo,

Ich habe sowohl Splitter als auch ganze, runde Knollen (wie Kartoffeln) gefunden. Ist allgemein bei Feldfunden so und teilweise auf den Pflug oder Verwitterung zurückzuführen. ´Steinzeitwerkzeuge oder Abschläge hab ich noch nicht gefunden, außer einem kleinen Stück in Liel, das nicht aus dem dortigen Jaspis war und wohl eher ein mittelalterlicher Stein aus einer Flinte gewesen sein könnte. Hab das Stück leider nicht mehr.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Walker

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #10 am: 15 Nov 08, 18:02 »
Hallo Smoeller,

Artefakte habe ich zu Tausenden in den letzten Jahren aus den Feldern gesammelt (mittelpaläolitische bis jungneolithische, von Schabern bis zu Beilen), bin aber noch nie auf ein eine Fundstelle von Chalcedon gestoßen. Anfangs dachte ich, dass hier steinzeitlich was geboten sein müsste. Chalcedonartefakte habe ich auch einige wenige - bloß dort oben scheinen die Steinzeitler nie gewesen zu sein, denn die Stücke sind nicht eindeutig intentionell geschlagen.
Flintensteine findet man recht häufig, sind meist an den Brandspuren, dort, wo der Schlaghahn auftrifft, zu erkennen. Bestehen eigentlich immer aus Flint, meist fast quadratisch angelegt und retuschiert. Habe davon auch eine Hand voll rumliegen.

Anbei mal ein Bild einer schönen Flint-Pfeilspitze - wunderschön. Habe kürzlich mal ein paar meiner Artefakte fotografiert, ist kein Maßstab dabei, ist daumennagelgroß.
« Letzte Änderung: 01 Sep 14, 21:34 von oliverOliver »

Offline turmalin77

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #11 am: 16 Nov 08, 06:59 »
Hallo Lars,


erst einmal Danke für die Antwort. Ich habe noch mal zwei Stücke fotografiert. Die Farbe der Stücke geht ins gräulich-bläuliche. Eines hat minimale Ansätze von Patina. Kommen die Stücke auf Feldern in dieser fotografierten Form vor, d.h. kann es sein, dass eine Chalcedon-Knollen (kommt das knollig vor?) vom Pflug an vier Seiten so abgeschlagen ist, dass diese Seiten glatt freiliegen und nur ein bisschen Cortex noch vorhanden ist? Oder sieht das eher nach menschlichem Einfluss (Steinzeit) aus?

Rund um die Außenseite der Stücke habe ich auch eine Art Bänderung, wie ich sie von Flintknollen aber auch kenne.

Hi,

das ist definitiv kein Achat - Flint/Feuerstein/Chalcedon trifft es wohl eher.
Eine achattypische Bänderung ist es ebenfalls nicht.

Ob das allerdings nach Werkzeugen aussieht, kann ich nicht
beurteilen.

Glück auf,

Lars

Offline Walker

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #12 am: 16 Nov 08, 09:57 »
Moin Lars,

gibt es Flint in der fränkischen Trias bzw. im Muschelkalk, dachte der sei auf Jura beschränkt?

« Letzte Änderung: 01 Sep 14, 21:35 von oliverOliver »

Offline caliastos

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #13 am: 16 Nov 08, 13:15 »
ne, ist der nicht. das sind schlicht und einfach ansammlungen von kieselsäure. die sind nicht an eine bestimmte zeitspanne begrenzt.

wenn die nur im jura vorhanden wären, so dürften es die berühmten kreisefeuersteine auch nicht geben.

Offline Walker

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Re: Achate im Muschelkalk?
« Antwort #14 am: 16 Nov 08, 18:30 »
Sorry, meinte Kreide, nicht Jura. Wo gibt es denn noch Flint - wo z.B. im Muschelkalk?
« Letzte Änderung: 01 Sep 14, 21:36 von oliverOliver »