Hallo Triassammler,
das ist in der Tat schwer. Ich lasse mich auch dazu verleiten, in zweideutige, gespaltene Hornsteine etc. etwas hineinzuinterpretieren, vor allem dann, wenn man schon seit Stunden unterwegs ist und bisher nichts gefunden hat

Aus Muschelkalkhornstein sind z.B. (zumindest bei uns in Unterfranken) nur sehr selten Artefakte. Ich habe nur zwei echte in den letzten 8 Jahren gefunden. Diese ließen sich einerseits durch eindeutige Retuschierungen, Zuschlag und - weil an dieser Stelle keine Hornsteine autochton vorkommen, identifizieren.
Bei autochtonen Vorkommen würde ich auf Folgendes achten:
1. Sind eindeutige Schlagbahnen vorhanden, dann sind es Kerne. D.h. an der Stelle wäre ein echter Schlagplatz. Diese Negative von sog. Klingen lassen sich relativ eindeutig identifizieren. Habe ich aber bei autochtonen Vorkommen von Silices noch nie gefunden. An der Fundstelle, von der dieser Thread handelt, habe ich bisher noch keinen eindeutigen Nachweis für einen Schlagplatz, wobei mir einige Chalcedone sehr danach aussehen, als wären sie in Form gebracht. Sobald ich erste Abschläge finde, die eindeutig sind, würde sich meine Hoffnung bestätigen =>
2. An Schlagplätzen müssten auch Abschläge in größere Zahl vorkommen. Diese sollten flach, länglich sein und einen sog. Bulbus auf der Rückseite haben. Wenn man einen Abschlag von einem Kern trennt, entstehen Kräfte, die auf der Rückseite eines Abschlags oft einen Hubbel, der sich von der sonst planen Unterfläche abhebt, entstehen lassen.
3. Wenn ein Kern oder ein Artefakt in prähistorischer Zeit geschlagen wurde, kann es sein, dass das Material über die Jahrtausende patiniert. Wenn du also sehr frisch gespaltene Silices findest, heißt das zwar nicht, dass sie nicht intentionell bearbeitet wurden, allerdings könnte ein patiniertes dafür sprechen, dass sie nicht vom Pflug zerschlagen wurden und somit ein Artefakt sein.
4. Wenn du Werkzeuge aus anderen Materialien in der Nähe findest, ist es mehr oder weniger wahrscheinlich, dass hier ein Schlagplatz vorhanden ist. Ich hoffe z.B. dass ich einen bearbeiteten Lydit auf dem Chalcedon/Muschelkalkhornsteinfeld finde, der kommt dort nicht vor, ist aber typisch für Werkzeuge in unserer Gegend, das beweist zumindest, dass Steinzeitler an dieser Stelle schon einmal waren - ob ihnen dabei aufgefallen ist, dass sie über Chalcedon laufen oder ob dieser quasi an der Oberfläche schon vor 7.000 Jahren aufwärts lag, ist dann das nächste Rätsel, das man lösen muss.
Falls du Bilder von sehr wahrscheinlichen Funden hast, kannst du sie gerne hier einstellen oder mir per BM senden - vielleicht kann man schon was dazu sagen, ist aber per Ferndiagnose schwer und ich kenne mich nur mit Materialien aus unserer Ecke aus.