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Negativkristall
berthold:
Hallo,
ja, die Elmwood-Zapfen sind schon (teuere) gesuchte Raritäten, ein extrem gut ausgebildetets Stück: http://www.matrix-minerals.de/Sammlungen/tucson/Bilder/Bilder/CIMG2215_JPG_jpg.jpg Es ist schon kurios, was Lösung aus einem kubischen Kristall machen kann.
--- Zitat ---und wenn in der Natur der Kristall bei 200 Grad wächst und später bei 150Grad gelöst wird, dann muss sich mehr als nur die Temperatur geändert haben
--- Ende Zitat ---
genau das geht in einem geschlossenen System nicht und deswegen glaube ich nicht dass Lösung hier eine (große) Rolle spielt.
Nach Durchsicht einiger hundert Libellen in Fluorit komme ich zu dem Schluss dass der oben abgebildete Negativkristall die Ausnahme - und nicht die Regel - ist. Selbst auf dem gleichen Stück gibt es typische flächige und eher gerundete "unförmige" Flüssigkeitseinschlüsse. Ein systematischer, uniformer Bildungsmechanismus scheidet eher aus.
@Frank: Danke, den Kleber habe ich, hilft mir aber nicht wirklich weiter.
Gruß
Berthold
aca:
Hallo Berthold,
--- Zitat von: berthold am 22 Dec 08, 21:59 ---
--- Zitat ---und wenn in der Natur der Kristall bei 200 Grad wächst und später bei 150Grad gelöst wird, dann muss sich mehr als nur die Temperatur geändert haben
--- Ende Zitat ---
genau das geht in einem geschlossenen System nicht und deswegen glaube ich nicht dass Lösung hier eine (große) Rolle spielt.
--- Ende Zitat ---
Klar, das funktioniert nicht, ich dachte dabei auch an einen Kristall in wässriger Lösung, nicht an einen Einschluss.
Das mit dem ständigen Umlagern von Substanz in der Libelle halte ich für den Normalfall.
Dass das System makroskopisch statisch wirkt, heisst ja nicht, dass auf mikroskopischer Ebene nichts passiert.
Mir bereiten die "runden" Einschlüsse ehrlich gesagt mehr Probleme als "ordentlich gewachsene" Negativkristalle.
Gruß
Amir
berthold:
Hallo Amir,
--- Zitat ---Mir bereiten die "runden" Einschlüsse ehrlich gesagt mehr Probleme als "ordentlich gewachsene" Negativkristalle.
--- Ende Zitat ---
wenn ich von ständiger Umlagerung in der Hohlform ausgehe (die ich von der Größenordnung her eher vernachlässigen möchte) sollte es aber andersherum sein. Zuerst sollten immer Ecken, dann Kanten und zeletzt Flächen (besetzt werden also) weiterwachsen. Überlege mal: in einer Würfelecke hast Du drei Seiten die ein Ion ankoppeln können, auf einer Fläche ist es nur eine Seite. Und als Folge von Eliminierung von Ecken und Kanten kommen wir zu ruden Formen. Das ist in etwa so wie mit einem Eiswürfel in warmen Wasser, Ecken und Kanten werden weggerundet und die zurückbleibende Form hat sehr viel Ähnlichkeit mit den häufigen Negativ-Formen in Kristallen.
Tatsächlich gibt es eine Klassifizierung von solchen Einschlüssen: a) primäre Einschlüsse, b) pseudosekundäre Einschlüsse c) sekundäre Einschlüsse. Wenn ich nach Abb. 2 in 1) gehe dann sollte mein Negativkristall (schöne Bezeichnung: polyfacettierte Cavität ;D) eine primäre Einschlussform sein, die häufigen rundlichen eher b) oder c).
Im Moment versuche ich das Werk "Roedder, E. (1984), Fluid inclusions" (644 Seiten) zu bekommen.
Gruß
Berthold
Quelle
1) GÖTZINGER, M. A, (1991) Einschlüsse in Mineralen - eine Mikrowelt, die Aussagen zur Mineralentstehung ermöglicht. Schriften des Vereines zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien, 130: S. 89-107
smoeller:
Hallo,
Bei den hier anzutreffenden Flüssigkeiseinschlüssen (oder zweiphasige Einschlüsse) handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um primäre Einschlüsse. Diese wachsen schon bei der Bildung des Minerals. Deswegen sind solche Einschlüsse auch in der Mineralogie von großer Bedeutung. Man kann daraus die p-T-X-Bedingungen zur Zeit des Mineralwachstums erkunden. Mit µ-XRF am Synchrotron lässt sich sogar die chemische Zusammensetzung der Flüssigkeit erkunden.
Die Form ist {hkl}, könnte gut {321} oder {432} sein. Hexakisoktaederflächen sind beim Fluorit auch häufige Wachstumsformen, allerdings bei den meisten xx nur noch reliktisch erhalten (an den Ecken des Würfels). Bei kleineren xx ist {321} allerdings auch häufiger ausgebildet. Ich gebe darin meinen Vorrednern Recht: {100} ist beim Fluorit die stabilste Fläche (niedrigste Wachstumsrate), {321} und {432} sind schnell wachsende Flächen.
In Halit finden sich häufiger würfelige Formen bei primären Einschlüssen, auch bei Fluorit (z.B. von der Clara) sind Würfel als Form solcher Negativkristalle bekannt.
Glück Auf!
Smoeller
berthold:
Hallo,
mit dem Indizieren wäre ich da vorsichtig. Durch Parallelität zu den Außenflächen kann ich nur sicher sagen, dass da auch Hexaederflächen dabei sind. Weitere Symmetrie ist so nicht erkennbar. Von daher erinnert mich die Hohlform eher an chaotische Lösungsformen (bei denen ich übrigens verschiedene Pyramidenwürfel-Flächen viel häufiger als Hexakisoktaederflächen gesehen habe).
Gruß
Berthold
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