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Entstehung von Zwillingen

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berthold:
Hallo,


--- Zitat ---Noch weniger lässt sich im nachhinein erklären, warum der eine Kristall verzwillingt ist und der andere nicht.
--- Ende Zitat ---

das sehe ich auch so. Zwar vermutet man als Ursachen Lösungsgenossen und bestimmte chemisch-physikalische Bedingungen, ähnlich wie bei der Tracht- und Habitus-Variation. Doch scheinbar ist es hier noch komplexer, man kann das nicht an einen Faktor festmachen, möglicherweise führen auch verschiedene Wege zum Zwilling.

Gruß
Berthold

Gerdchen:
Hallo,

vielen Dank für eure Antworten. Scheint doch ein schwierigeres, aber dennoch interessantes,Thema zu sein. Hat mich noch etwas neugieriger gemacht, speziell in Bezug auf den zweiten Fundort, an dem fast ausschließlich Phakolithe (in sehr großer Zahl) vorkamen. Leider kann man dort das Ganze nicht mehr nachvollziehen (umgebende Gesteine) da die Zone nicht mehr existiert.
Nochmal vielen Dank

Gruß
Gerdchen

smoeller:
Hallo,

Wie Berthold und die anderen schon sagten: Kein einfacher Prozess, es gibt viele Faktoren. Insbesondere natürlich Druck, Temperatur, Lösungszusammensetzung (p-T-x).

Letztlich versuchen alle Kristalle, bei gegebenem Volumen eine möglichst geringe Oberfläche zu erzielen. Der ideale Körper wäre eine Kugel, was aber wegen der Kristallstruktur nicht geht (nur amorphe Verbindungen bilden ideale Kugeln, alle Kugeln aus Mineralen sind entweder (zumindest in mikroskopischen Größen) getreppt oder aber Aggregate). Die ideale Form im kristallinen Zustand sind einfache kubische Formen wie Würfel und Oktaeder. Es können aber nicht alle Verbindungen kubisch kristallisieren, da die Struktur (bei Raumtemperatur) zu sperrig, verzerrt oder sonstwie niedersymmetrisch ist.

Gruppentheoretisch und von idealen Kugelpackungen (gleichgroße Kugeln) ausgehend, kann man kubisch und hexagonal holoedrische Strukturen als die beiden höchstsymmetrischen Strukturen betrachten, während alle anderen nur Untergruppen der beiden sind. Solche treten v.a. bei Metallen auf (z. B. Cu, Au, Mg).

Nun versuchen niedersymmetrische Strukturen höhere Symmetrie zu erhalten, was natürlich nicht geht. Aber durch Zwillingsbildung kann eine höhere "Pseudosymmetrie" erhalten werden. Beispiele: pseudohexagonale Drillinge bei Cerussit, Anglesit, Aragonit; oder eben Zeolithe wie Chabasit oder Phillipsit oder Harmotom (bei denen alles von monoklin/triklin über pseudo-orthorhombisch, pseudo-tetragonal bis hin zu pseudo-kubisch denkbar ist).

Eine andere Sache sind Zwillingsdomänen, die dann auftreten, wenn ein Mineral in der (höhersymmetrischen) Hochtemperaturmodifikation kristallisiert und dann auf Raumtemperatur abkühlt (bei der die niedriger symmetrische zweite Modifikation stabil ist). Ich rede hier nicht von displaziven Umwandlungen (z.B. Quarz), bei denen keine Verzwilligung auftritt. Beispiele hier wären Leucit (kubisch-tetragonal) oder Feldspäte (z.B. Mikroklin, Orthoklas).

Glück Auf!
Smoeller

aca:
Hallo,

hmm, nachdem was Sebastian geschrieben hat, habe ich nochmal nachgekuckt.
Ich habe da tatsächlich was unterschlagen/verwechselt, es gibt ausser rekonstruktiven und displaziven auch noch "order/disorder" Phasenübergänge, wie immer man das übersetzt, z.B. bei Feldspäten.
Das wäre dann diffusive Umverteilung von bestimmten Atomen auf dem Maßstab der Einheitszelle (also quasi teilweise rekonstruktiv, teilweise displaziv).
 
Aber: der displazive Phasenübergang beim Quarz führt zur Dauphinéer-Zwillingen.
Die Position der Zwillingsdomänen wird zwar durch nur langsam diffundierende Gitterfehler festgelegt, und eine Verzwilligung muss auch nicht zwangsweise erfolgen, aber die Zwillinge bilden sich beim Phasenübergang vom hexagonalen Hoch- zum trigonalen Tief-Quarz.
(Brasilianer Zwillinge bleiben über die Phasengrenze stabil)

Oder habe ich da was falsch verstanden?

Gruss
Amir

endeavour-minerals:
Hallo,
an den Bildungsbedingungen und den daraus resultierenden Kristallformen beim Calcit habe ich mich mal versucht, natürlich nur theoretisch. Calcit ist da ein recht kompliziertes Mineral, was schon bei geringen Veränderungen der Einflussfaktoren reagiert.
Schau mal hier:http://www.the-crystalminer.com/Kristallbildung.htm


Gruß Ingo

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