Hallo alle,
auf vielfachen Wunsch habe ich die Beschreibung
meiner persönlichen Erfahrungen mit der Bestimmung der BiCoNi-Erze und einiger Elemente von Schlema-Alberoda noch einmal überarbeitet, ergänzt und teils auch korregiert. Hier noch einmal für alle zum lesen und Meinung abgeben bevor ich es in geeigneter Form ins Lexikon überführe.
Gruß Jürgen
Hallo alle,
Wie einige hier vielleicht wissen beschäftige ich mich schon seit einiger Zeit mit Anschliffen von Erzgangstücken vornehmlich der biconi-Formation aus Schlema-Alberoda. Ich will hier nun mal meine (bescheidenen) Erfahrungen darlegen die ich dabei gemacht habe, die mir immer wieder helfen mehr Verständnis für diesen mineralogischen Zweig aufzubringen und auch eine Art Bestimmungshilfe für diese Minerale und deren recht komplizierte Paragenese zu entwickeln. Mir ist natürlich klar das diese folgende Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, dazu ist das ganze einfach zu komplex und man könnte über diesen Sachverhalt sicher ein ganzes Buch füllen. Ich will einfach nur mal meine Erfahrungen niederschreiben, und hoffe auf konstruktive Reaktionen von euch, vielleicht haben andere ja auch ganz andere Erfahrungen gemacht die man mit einarbeiten könnte. Ziel ist es eigentlich dann mal dieses Sammelsurium ins Lexikon einzufügen als Bestimmungshilfe für die biconiasag

aus Schlema-Alberoda. Da ich meine das die Diskussionen im Lexikon nur mäßig angenommen werden, versuche ich es mal hier im Forum, können wir aber auch gern ändern, Hauptsache es kommt ein verwertbares Ergebnis heraus.
Die visuelle Bestimmung der biconi-Erze aus Schlema-Alberoda ist recht kompliziert, auch deshalb weil die verschiedenen Erze Chloanthit, Rammelsbergit, Pararammelsbergit, Skutterudit, Safflorit, Nickelin, Maurerit, Löllingit sowie Silber, Arsen und Wismut oftmals zusammen und miteinander verwachsen auftreten. Außerdem bilden biconi-Erze untereinander auch noch Mischreihen, Verdrängungspseudomorphosen untereinander und Pseudomorphosen meist nach Silber. Trotzdem gibt es einige Anhaltspunkte für die Einzelkomponenten nach denen man sich richten kann. Diese Anhaltspunkte die ich da immer heranziehe sind sehr komplex und beruhen größtenteils auf immer wiederkehrende Beobachtungen und Erfahrungen die ich immer wieder mache. Diese beziehen sich größtenteils auf Glanz und Farbe am Rohstück sowie beim Anschliff, Härte, Schleifverhalten, Polierbarkeit, Anlaufverhalten der Schliffflächen, Zonierungen im Schliffbild, Sekundärmineralbildung und Verwitterungskrusten auf den Rückseiten der Stücke, Verdrängungen einzelner Minerale untereinander, Pseudomorphosenbildungen und noch einiges mehr.
Ihr seht also schon an den einleitenden Worten das das ganze Thema recht komplex ist und auf gemachten Erfahrungen beruht. Ich habe mir das so angewöhnt da ich einige Male die Erfahrung machen musste, dass auf Grund der intensiven Mischreihen und Verwachsungen der einzelnen Minerale untereinander auch eine Analyse nicht immer die Wahrheit ans Licht bringt. Eine Analyse mit den Ergebnis "kobalthaltiges Nickelarsenid" oder "nickelreiches Kobaltarsenid" bringt mich auch nicht wirklich weiter. Also werde ich versuchen mal ein paar Erfahrungen als Bestimmungshilfe hier zusammen zu tragen.
Silberweich, dehnbar, mit einer Stahlnadel auf der Schlifffläche punktier- und verschiebbar, meist im Zentrum von Dendriten als Relikt erhalten und von biconi-Erzen umgeben bzw. ummantelt, tritt nie zusammen mit Wismut auf, selten massiv, kommt eingebettet sowohl in Karbonaten Quarz Hornstein Baryt und Arsen vor, hat frisch poliert unterm Bino einen typischen matten Glanz, läuft meist aber auch nicht immer auf der Schlifffläche im Laufe der Zeit an, wird dadurch matt und erscheint dadurch dunkler leicht messingfarben, sekundäre Bildungen auf der Rückseite von Stücken meist weiß manchmal bläulich bis blaugrünlich, beim leichten überstreichen massiver Stücke mit dem Finger auf der Schlifffläche aber erst recht auf dem rohen Stück rau und hakelig.
Wismutsehr weich, mit dem Fingernagel ritzbar, auf der frischen Schlifffläche stark glänzend später matt werdend, leicht hell messingfarben mit der Zeit dunkler werdend. Auf Grund der geringen Härte bildet Wismut auf der Schlifffläche immer Vertiefungen mit Polierkratzern und grenzt sich auch dadurch immer scharf von seine umgebenden Mineralen ab. Einzelaggregate sind meist hauchdünn mit Safflorit umkrustet. Kommt eingewachsen selten allein vor, meist zusammen mit Safflorit und/oder Skutterudit in Karbonaten und/oder Quarz, bildet oft hakige kristalline Aggregate die scheinbar Skutteruditaggregate "aufsprengen" gut unterm Bino zu beobachten, sekundäre Bildungen auf der Rückseite von Stücken meist weiß oft zusammen mit erdigem Erythrin als Sekundärbildung des gemeinsam auftretenden Safflorits bzw. Skutterudits.
Arsenläßt sich schlecht zerschlagen, zäh und spröde, beim Schneiden läuft oft die Scheibe oft weg, schwer zu schneiden (starker Knoblauchgeruch!), frische Schnitt- Bruch- und Schlifffläche hell silberweiß, läuft nach wenigen Minuten an und wird im Laufe der Zeit schwarz, massives Arsen bildet auf der Schlifffläche oft sehr schöne Arsenspiegel die sich meist auch dauerhaft halten und nicht matt werden, in kleinen Hohlräumen im Arsen bildet sich oft Arsenolith und/oder Pharmakolith, rohe Oberflächen oft angelöst rau und mit dunkelmessingfarbenen Anlauffarben. Arsen tritt oft auch in typischen schaligen Ausbildungen auf, Scherbenkobalt. In kleinen Hohlräumen und auf schaligen Schichtfläche tritt oft Proustit und seltener Pyrargyrit auf, außerdem treten in dichten Massen oft kleine moosartige Silberaggregate auf, farnartige Silberdendriten sind relativ selten, seltener wie aus der Lagerstätte Pöhla.
Safflorit CoAs2Safflorit ist in der biconi-Formation in Schlema-Alberoda weit verbreitet, tritt aber nur selten allein auf, meist im Zusammenhang mit Nickelin, Skutterudit und Wismut in karbonatischer Matrix. Safflorit kommt meist nur in derben Massen, selten in kleinsten schuppigen Kristallen, relativ oft in sehr schönen dendritischen Pseudomorphosen nach Silber in karbonatischer Matrix vor. Oft haben Silberdendriten und Wismutaggregate hauchzarte Ummantelungen von Safflorit. Deutlichstes Merkmal ist, das es recht schnell dunkelgrau bis matt-schwarz anläuft, diese Anläufe scheinen sich bei mit HCL geätzten Stufen schneller zu zeigen als bei ungeätzten Stufen. Safflorit lässt sich gut polieren, ist meist dicht und läuft auch auf der Schlifffläche nicht (oder selten) an. Auf der Schlifffläche ist Safflorit meist (immer?) strukturlos. Sekundäre Bildungen auf der Rückseite von Stücken sind meist intensiv rosarot mit erdigem Erythrin als Sekundärbildung, deutlicher wie beim Skutterudit.
Rammelsbergit NiAs2Rammelsbergit tritt meist vergesellschaftet mit Nickelin, Chloanthit und Safflorit sowohl in karbonatischer als auch in Quarz-Matrix auf. Mit den genannten Arseniden bildet es oft sehr schön strukturierte Verdrängungen aus die ein attraktives parallel verwachsenes Schliffbild ergeben können. Tritt es zusammen mit Nickelin auf bildet es meist silberweiße „Kappen“ über nierig ausgebildeten hellkupferroten Nickelinaggregaten. Rammelsbergit selbst ist immer silberweiß, dicht unstrukturiert und dunkelt mit der Zeit mit einem Stich ins hellkupferfarbene leicht nach. Kristalline Strukturen konnte ich noch nicht beobachten. Sekundäre Bildungen auf der Rückseite von Stücken sind meist zart grünlich mit erdigem Annabergit als Sekundärbildung.
Chloanthit NiCoAs2Chloanthit tritt meist vergesellschaftet mit Nickelin und Rammelsbergit sowohl in karbonatischer als auch in Quarz-Matrix auf. Auch zwischen diesen Arseniden gibt es oft sehr schön strukturierte Verdrängungen die ein sehr attraktives parallel verwachsenes Schliffbild mit schönem farblichen Kontrast ergeben können. Chloanthit tritt aber oft auch allein meist in karbonatischer Matrix auf. Dabei können oft sehr schön schalige dichte nicht zonare Bildungen im Schliffbild beobachtet werden die oft mit dünnen karbinatischen Zwischenlagen ein schönes Verwachsungsbild ergeben. Seltenere Kristallverwachsungen bilden oft traubige Aggregate. Die Farbe des Chloanthits im Schliffbild ist silberweiß, es läuft nicht an und lässt sich gut polieren, erscheint oft porös (nicht dicht). Sekundäre Bildungen auf der Rückseite von Stücken sind meist zart grünlich mit erdigem Annabergit als Sekundärbildung, ähnlich wie beim Rammelsbergit.
Skutterudit CoNiAs2 Skutterudit tritt meist vergesellschaftet mit Safflorit sowie Silber oder Wismut sowohl in karbonatischer als auch in Quarz-Matrix auf. Zwischen diesen Arseniden und Elementen gibt es oft sehr schön strukturierte Verdrängungen die ein sehr attraktives parallel verwachsenes Schliffbild ergeben können. Skutterudit tritt aber oft auch allein meist in karbonatischer seltener in quarziger Matrix auf. Dabei können oft sehr schön zonar aufgebaute Kristalle in einer Kombination von Würfeln, Rhombendodekaedern und Oktaedern im Schliffbild beobachtet werden. Oft bilden diese Kristallverwachsungen traubige Aggregate. Aber auch dichte kompakte Skutteruditmassen treten auf. Die Farbe des Skutterudits im Schliffbild ist silberweiß, es läuft nicht an und lässt sich gut polieren. Sekundäre Bildungen auf der Rückseite von Stücken sind meist rosarot mit erdigem Erythrin als Sekundärbildung, ähnlich wie beim Safflorit aber nicht so kräftig.
Nickelin NiAsNickelin kommt selten allein vor, sondern meist in Vergesellschaftung mit einzelne oder mehreren anderen Arseniden und das sowohl in quarziger wie karbonatischer Abfolge, seltener auch in Baryt. Es ist natürlich durch seine auffällige lichtkupferrote Farbe mit mal helleren mal dunkleren Farbtönen leicht zu identifizieren. Schuppige kleine Kristalle von Nickelin treten nur sehr selten auf. Nierig traubige dichte Massen von Nickelin sind oft mit Rammelsbergit kappenartig überzogen, was einen sehr schönen Kontrast im Schliffbild ergibt. Nickelin lässt sich mit Abstand am Besten polieren und nimmt die Politur sehr schnell an, viel früher als andere mit vergesellschaftete Erze. Nickelin bildet deutliche kräftige bis 1 cm mächtige erdige Annabergitkrusten als sekundäre Haldenbildung, dadurch auch auf Halden, ohne die Stücke zu zerschlagen, leicht zu erkennen.
Maucherit Ni11As8Maucherit kommt in Schlema-Alberoda nicht als eigenständiges Mineral, sondern immer in enger Verwachsung mit Nickelin vor. Im Anschliff stellt sich das meist als Parallelverwachsung in schönen kugeligen, zonierten oder sphärolytischen Bildungen dar. Dieses Gemisch ist im Anschliff insgesamt dunkler als Nickelin und dunkelt meist auch noch nach. Die Rückseiten solcher Stücke sind meist rötlichschwarzgrau und zeigen nur eine leichte zartgrüne Annabergit-Sekundärmineralbildung.
Löllingit FeAs2Löllingit kommt meist in körnigen Massen vor, Kristalle sind relativ selten in kleinsten blättrigen schuppenartigen Aggregaten zu beobachten. Löllingit tritt eigentlich immer nur in karbonatischer Matrix auf, in quarziger Matrix konnte ich es bisher noch nicht beobachten. Im frischen Anbruch ist Löllingit meist hellsilberweiß, dunkelt aber nach. Im Anschliff ist er massig derb dicht strukturlos, lässt sich schlecht polieren. Typische Verwitterungskrusten treten eigentlich nicht auf. Löllingit tritt auch oft in dünnen Lagen in/auf ged. Arsen auf, seltener auch zusammen mit ged. Silber.
So das soll es erst mal gewesen sein, ich wollte mich ja auch erst einmal auf das Wichtigste beschränken. Es gäbe und gibt sicher noch vieles zu erwähnen zu andern Mineralen die in den Anschliffen auch immer wieder zu beobachten sind z. B. Silberminerale.
Gruß Jürgen