Hallo caliastos
1. Chrysotil hat bildlich gesehen eine gekrümmte Faserachse, so daß das einzelne Faserpaket also als "Locke" erscheint.
2. Krokydolith ist ein tritt geschichtet auf.
Aus dieser rein mechanischen gesehenen Stabilität können also die Fasern von Krokydolith viel leichter abspalten als die von Chrysotil.
Daher die Einstufung hinsichtlich der Gefährdung:
Chrysotil < Krokydolith; wie Du richtig bemerkt hast, hängt die Gefährlichkeit von dessen Struktur ab.
Bezüglich der Abbaufähigkeit im Organismus ist zu sagen, daß von einem gefährlichen lungengängigen Faseranteil zu sprechen ist, wenn der Durchmesser <3μm und die Länge >5μm beträgt, wobei es sich hierbei um Glas,- Steinwolle oder sonstige künstliche Mineralwollfasern handelt (WHO-Fasern). Asbestfasern sind hiervon ausgenommen, denn diese sind prinzipiell der Kategorie 1 gemäß Gefahrstoffverordnung zu beurteilen und als "bekanntermaßen" krebserzeugend zu bewerten - Deine o.g. Aussage ist schlichtweg falsch.
Allerdings ist es auch richtig, und da stimme ich mit Dir überein, alles ist eine Frage der Konzentration - ob nun giftig oder strahlend oder oder. Und da sind wir beim heiklen, denn jeder reagiert anders.
Ich kann z.B. Mineralwolle -egal was es für eine ist- auf der Haut nicht vertragen, arbeite also dann ständig mit Handschuhen, denn sonst juckt mich schon die kleinste Faser.
Zu Gefährlichkeit der Mineralien:
Hier kommt es nun aus meiner Sicht darauf an, in welcher Matrix die Fasern eingebunden sind.
Von Aktinolith z.B. kenne ich keine Fasern, die als "reine" Fasern freistehen; diese sind immer Matrixgebunden - obwohl ein Bsp. Aktinolith mit "freien" Fasern sind/waren am FO Klettingsmühle /Thür. zu finden.
Das gleiche trifft auf Dein o.g. Bsp. Tigerauge zu.
Schöne Stücke von Chrysotil oder Krokydolith, sehe ich als problematisch an, denn wie auf dem Bild im Eingangbeitrag ist klar zu sehen, daß eine Faserfreisetzung ganz leicht möglich ist. Hier ist eine Eindosung immer angeraten!
Technisch hat man einen Luftgrenzwert bezüglich der Faserkonzentration von 500F/m³ Luft angesetzt, unter dem man sagt, keine Gefahr mehr vorhanden.
Frage: Wie ist dieser Wert zu interpretieren?
Antwort : Während einer 8-stündigen Luftmessung dürfen sich max.1 bis 2 Asbestfasern auf dem Filter niederschlagen.
Fazitfrage:
Als wie gefährlich würdest Du also eine Chrysotilstufe, offen stehend in einem Regal in deinem Wohnzimmer ansehen?
Nebenfrage: Wie oft möchtest Du Staub wischen und was passiert dann?
Herzliche Grüße
Moni