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Autor Thema: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana  (Gelesen 10808 mal)

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Offline Bullifan

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Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« am: 15 Apr 09, 18:18 »
Hallo

ich habe mich mit Bulli in der Toskana rumgetrieben. Da die Ausbeute an Fossilien diesmal eher mau war, soll heißen nichts
besonders berichtenswertes und hier eine Gesteinsdatenbank eingerichtet wurde, will ich auch was beitragen.
Nur ist der Fundort der hier aufgeführten Gesteine Blockmaterial von Wellenbrechern am Strand.  Von woher die Steine
stammen ist mir nicht bekannt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, daß sie von weither kommen, wegen den Transportkosten.

Ich habe viele Stunden Recherche investiert , viele Bilder angeschaut und anhand der mir vorliegenden Literatur wage ich nun
eine Grobbestimmung. Mal schauen ob etwas davon stimmt.
Ich stelle hier vier Arten Gestein vor jeweils mit einer oder zwei Aufnahmen des Blockes und dann von Handstücken.

1) Gabbro ?     grobkörnig ohne Regelhaftigkeit dunkle Plagioklas-Feldspat, Hornblende, Augit und Olivin
    Grundfarbe ein blasses grün, die Bestandteile zeigen einen matten Glanz

2) Marmor ?     Kalkstein schäumt mit verdünnter Salzsäure auf, rosa Marmorierung

3) Syenit?        dunkelgrau bis schwarz, ähnelt einem Granit. grobkörnig, kleine Schichtflächen zeigen matten Glanz evtl. Biotit
                           oder Glimmer, Außenseite des Blocks hat einen grünlichen Überzug (Kruste)

4) Anhydrit - Vulpinit ?   körniges Aggregat von Anhydrit, weiße weiche Körner (mit Messer ritzbar)  zusammengehalten von einer
                           grauen, weichen kalkhaltigen Masse (schäumt unter Salzsäure auf). Kann mit den Fingern zwerbröselt werden.
                           Ähnelt dem Material vom Kyffhäuser (Charlottenhöhle)

Und jetzt bin ich gespannt, ob ich überhaupt etwas richtig gemacht habe.
Danke für Unterstützung und auch Kritik, Berichtigungen aber evtl. auch Lob. Man lernt immer etwas dazu. Dies ist keine Verarschung ;D

Grüße von Reiner dem Bullifan


Offline Bullifan

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #1 am: 15 Apr 09, 18:19 »
gehört zum Gabbro?

Offline Bullifan

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #2 am: 15 Apr 09, 18:21 »
Nr. 2 Marmor?

Offline Bullifan

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #3 am: 15 Apr 09, 18:22 »
Nr. 3 Syenit?

Offline Bullifan

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #4 am: 15 Apr 09, 18:25 »
Nr 4 Anhydrit-Vulpinit

Offline smoeller

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #5 am: 15 Apr 09, 19:29 »
Hallo,

Bei dem letzten handelt es sich wohl um Gips. Mal dran kratzen, Gips lässt sich mit dem Fingernagel ritzen. Bei den anderen Gesteinen scheint es sich um Blöcke zu handeln, die aus den Alpen? zum Küstenschutz herangebracht wurden. Die Marmore scheinen eher Kalksteine oder Schiefer mit Calcit zu sein, wohl aus dem Apennin.

Glück Auf!
Smoeller

Offline caliastos

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #6 am: 15 Apr 09, 19:40 »
hmm, die toskana ist nicht unbedingt klein für, wenn man von gesteinsgrenzen ausgeht.
die bilder haben aber alle einen ziemlichen haken. das ist die beleuchtung, die etwas das gestein überstrahlt.

bei 1 evtl. gabbro

bei 2 kalkstein oder marmor, farbverläufe und marmorierung haben u.u. beide. kommt hier auch die körner an, also ob rekristallisiert.

bei 3 würde ich ophiolith aus evtl. gabbro-brekzie sagen

bei 4 würde ich auch in richtung gips tendieren. oder vergipster anhydrit

Offline Bullifan

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #7 am: 18 Apr 09, 15:55 »
Hallo

ich habe die gleichen Bilder in ein italienisches geologisches Forum eingestellt und folgende Antwort erhalten:

1)Ophiolit=Gabbro=Pyroxemkristalle (dunkel)+Plagioklas (weiß), Grünfärbung durch Olivin
   Ein derartiges Gesteinspaket liegt bei Livorno

2)kein Marmor, da keine Kristallisation sondern Kalkstein mit Marmorierung

3)Gestein vom Typ Syenit

4)mit Sicherheit Gips

Danke für die Antworten

Grüße von Reiner dem Bullifan

Offline -M-

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #8 am: 18 Apr 09, 20:58 »
Hallo,

"...1)Ophiolit=Gabbro=Pyroxemkristalle (dunkel)+Plagioklas (weiß), Grünfärbung durch Olivin
   Ein derartiges Gesteinspaket liegt bei Livorno..."

- würde ich Zweifel anmelden - die grau-weißen Bestandteile sehen mir, zumindest größtenteils,
eher nach Quarz, als nach Plagioklas aus ... sollte dies den Tatsachen entsprechen (Härte testen),
dann wäre der Quarz-Gehalt für ein Gabbro offensichtlich viel zu hoch.
Abgesehen davon, ist Olivin bei diesen Gesteinen, nur eine der Ursachen für die allgem. Grün-färbung.
(Pyroxene und Amphibole)

Gruß -M-

Offline smoeller

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #9 am: 19 Apr 09, 11:10 »
Hallo,

Ophiolith ist kein Gestein, sondern ozeanische Kruste, die an der Erdoberfläche aufgeschlossen ist. Dazu gehören meist mehrere Gesteine, z.B. Basalt (Tholeiit), Gabbro, Serpentinit, häufig auch Metamorphite wie Grün- und Blauschiefer, manchmal Peridotite und oft Sedimente (Tone, Brekzien, Konglomerate). Eine solche Ophiolithsequenz gibts in Süditalien in Nordkalabrien (bei Diamante).

Das weiße auf dem Foto kann alles mögliche sein, auch Quarz. Es scheint eher ein Gang gewesen zu sein, der kann sonstwann entstanden sein. Auch Feldspat oder Calcit wäre möglich. Gabbro besteht zum überwiegenden Teil aus Plagioklas und Klinopyroxen, oft ist auch Olivin drin. Grünfärbung eher nicht durch Olivin (der ist in den basischen Magmatiten meist unauffällig graugrün und nicht so schön grün wie in den Peridotiten) sondern durch Alteration von Plagioklas, wobei Epidot und Chlorit entstehen und Klinopyroxen, wobei Amphibol entsteht. Solche Gesteine nennt man dann Diabas.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Bullifan

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #10 am: 19 Apr 09, 17:56 »
@-M- @smoeller

Hallo
ich habe logischerweise alles im Internet gelesen was ich finden konnte. An Literatur liegt mir hier "Die Gesteine und ihre Mineralien"
von Dietrich/Skinner vor.
Ich habe nur die Antwort aus Italien hier zur Diskussion gestellt.
Daß ein Ophiolit ein Gesteinspaket ist, habe ich auch gelesen. Wie gesagt handelt es sich hier um isolierte Felsen an der Küste.
Quarz als Bestandteil? Alle Bestandteile des Gesteins sind mit einem Taschenmesser ritzbar. Schäumt nicht unter Salzsäure.
Habe ich erst gestern gefunden: kristallin.de. Dort schreibt Bräunlich: Amphibole auch grünliche Farben möglich, die Spaltflächen
zeigen einen schönen Glanz. Dies sei der wichtige Unterschied zu Pyroxen, dieses zeigt weniger auffälligen Glanz. Wie soll ich das ohne Vergleichsstück unterscheiden?. Die dunklen Bestandteile meines Steins zeigen einen Glanz auf den Spaltflächen.
Der gesamte Stein zeigt eine grünlich-graue Färbung. Ebenfalls bei Bräunlich lese ich, daß Epidot pistaziengrün färbt
durch Alteration (was immer daß auch ist) von Plagioklas. Olivin eher fleckig-grüngelb. Also eher Epidot.
Die dunklen Bestandteile: Pyroxen oder Amphibol?
Bei Bräunlich steht: beide noch ritzbar aber: --Amphibol auch grünlich möglich, die Spaltflächen zeigen einen schönen Glanz
und die Spaltbarkeit ist deutlich zu sehen. Spricht eigentlich alles für Amphibol, da ich hier einen schönen Glanz habe.
Bei den weißen Bestandteilen (eigentlich grau-grünlich) erkenne ich nirgendwo glänzende Flächen. Unter der Lupe sehen diese
Bestandteile alle gleich aus. Wenn man bei Plagioklas bleibt heißt das Ganze dann Diabas.
Bei Dietrich/Skinner lese ich:
Viele Diabase zeigen ein sperriges "ophiolites" Gefüge aus hellen, gitterartig angeordneten Plagioklasleisten, wobei die dadurch entstehenden Zwickel mit grünlich-schwarzen Pyroxenen plus/minus Biotit z.T. auch mit Olivin gefüllt sind. Grünfärbung
"Grünsteinbildung" durch Umwandlung von Biotit in Chlorit. Ursache Einwirkung von thermalen Gewässern.
Jetzt bin ich aber verunsichert:
-Amphibolit und Plagioklas oder Pyroxen und Plagioklas. Oder kein Plagioklas sondern anderer Feldspat? Evtl. Alkalifeldspat?
Da mir keine sicher bestimmten Vergleichsstücke vorliegen, kann ich die Bestandteile auch nicht sicher definieren.
Und ein Dünnschliff ist auch nicht möglich.
Nehme ich also Pyroxen+Plagioklas+Epidot bin ich wieder bei Gabbro.
Auf jeden Fall hat mich dieser Stein der Materie sehr viel näher gebracht. Egal wie er nun heißt. Aber vielleicht habt ihr ja noch
Tipps, wie man die einzelnen Bestandteile exakter bestimmen kann. Danke einstweilen.

Grüße von Reiner dem Bullifan


Offline -M-

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #11 am: 19 Apr 09, 20:48 »
Hallo,

ok - dann ist es wohl kein Quarz - damit hat sich mein Einwand erledigt.
Ja, Amphibole sind meistens grün bis schwarz (seltener brau bis hin zu fast farblos / gelblich).
Um den Glanz der Spaltflächen einigermaßen sicher auseinanderhalten zu können, braucht es
etwas Erfahrung damit (ein Vergleichsstück allein, würde dir unter Umständen nicht wirklich weiterhelfen)
Alteration - meint grob gesagt Um-wandlung/-bildung. Aus Plagioklas entsteht so v.a.. Epidot und Chlorit
und aus Klino-pyroxen Amphibole. Da Epidot, Chlorit und Amphibole von der Farbe her, wie schon gesagt,
meistens grünlich sind, kommt es dann zu einer "Vergrünung" des Gesteins.
Amphibole und Pyroxene ließen sich  über die verschiedenen Winkel der Spaltebenen zu-
einander unterscheiden, und Plagioklas unterscheidet man von Orthoklas,etc. über die bei P. typischen
polysynth.-Zwill.-lamellen (im Mikro-bereich).
Für ne exakte Bestimmung müßte man den Min.bestand nat. präzise ermitteln, für ne grobe Zuordnung -
und die dürfte dann hier wohl schon in die richtige Richtung gehen - kann man aber, was die A.und P.
angeht, sicherlich auf eine getrennte Ansprache verzichten ...nicht zu letzt deshalb, weil bei den vermuteten
Gesteinen durchaus beides enthalten sein kann. (wobei die Pyroxene i.d.R. überwiegen sollten)
Gabbro, Diabas ... das ist doch recht nah beieinander, viel näher wird man ohne  größeren Aufwand
sicherlich nicht kommen.

Gruß -M-

edit:  "...Diabas ist ein Erstarrungsgestein gabbroider Magmen, die durch sekundäre Mineralumwandlung
mehr oder weniger grünliche Farbe angenommen haben (auch als Grünsteine bezeichnet). ..."
« Letzte Änderung: 19 Apr 09, 21:47 von -M- »

Offline Bullifan

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Re: Bestimmung von Gesteinen aus der Toskana
« Antwort #12 am: 20 Apr 09, 16:22 »
@-M-
    Ich bedanke mich für die sachliche und umfassende Information. Sehr viel gelernt.

   Reiner der bullifan

 

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