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Anfängerfragen .... Suchtechnik, Suchort
Foenx:
Hallo an Alle!
Mein Name ist Daniel und ich bin seit meiner Kindheit begeistert für Mineralien. Erst jetzt, wo ich schon 23 bin, packt mich der Gedanke an das Wissen bezüglich der Geologie und die aktive Suche nach eben Gesteinen und dies bringt so einige Fragen mit sich ...
Am wichtigsten erscheint mir die Frage nach der aktiven Suche nach Mineralien. Es gibt hunderte Websites, auf englisch und deutsch zum Thema, darin werden alle Mineralien gezeigt und alle möglichen Werkzeuge. Aber kein Mensch schreibt darüber, wie genau man dann letztendlich vorgeht, wenn man mit Fäustel und Stemmeisen an einer Wand steht. Das ist für viele von euch wohl selbstverständlich, aber ich wüsste es gerne ganz genau. Bearbeite ich die Steinbruchwand (übrigens kaum 2m hoch - also keine Sorge, lebensmüde bin ich nicht und Helm trage ich auch) einfach so, indem ich sie systematisch zerlege, der Schmutz bleibt am Boden liegen. Oder, kratze ich am besten mit höchster Vorsicht und unter Verwendung einer Pinzette meine Fundstücke hervor?
Die Frage lautet also: wie sucht man nach Mineralien? Stemme ich die Wand in die Tiefe, zerschlage ich jedes Stück Gestein, in der Hoffnung darauf, etwas besonderes zu finden? Was genau macht ihr, wenn ihr nach Mineralien sucht?
Als völliger Anfänger habe ich keine Ahnung hiervon - die Erfahrung fehlt. Werkzeug und Mineralienbörsen hin und her, mich interessiert, was der Mineraliensammler macht, wenn er seine Beute sucht!
Ich wohne in diesem Gebiet;: http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/%D6sterreich/Nieder%F6sterreich/Waldviertel/Krems%20an%20der%20Donau/M%FChldorf
Theoretisch sollte ich also einiges finden können.
Mein erster Ausflug, zu einem sehr alten Steinbruch, endete damit, dass ich Sandstein von einer Wand entfernte und darunter Graphit, Gneus und vermutlich Fe (II) und Fe (III) freilegte [(Fe(II) ist eher gelb, Fe (III) eher rot, oder?]). Ich freute mich schon irrsinnig über das Eisen, obwohl ich 2 Stunden lang sehr vorsichtig an einer Sandsteinwand herummeisselte. Sollte ich da wohl härter reinhauen, oder doch so sanft wie möglich, soll ich jedes Bruchstück Stein zu Staub zerlegen, in der Hoffnung, etwas Besonderes zu finden, oder sollte ich mich eher in die "Tiefe" meisseln? Ist der Suchort vielleicht falsch (es gibt viel Sandstein, dahinter Graphit + Eisenoxid).
Ich mag ja meine Fe-Stücke, und auch sonstige Steine, die ich beim Wandern auflas, aber wie man nun genau, nach altbewährten Methoden, nach Stufen sucht, ist mir rätselhaft. Also eben die Frage, wie sucht ihr? Wie geht man dabei vor?
Das sind alles Fragen, zu welchen mir die Erfahrung fehlt, welche ihr vielleicht habt.
Mit freundlichen Grüßen,
Daniel
PS: Insbesonders frage ich mich, ob ich nicht bestimmte Mineralien zerstöre, wenn ich einfach mit dem Meissel draufhaue.
PSII: Ich hätte als Alternative (aber weiter entfernte) Suchmöglichkeit einen anderen Steinbruch, welcher nahe des Graphitbaugebiets liegt. Ebenso könnte ich, samt aller Sicherheitsvorkehrungen, die alte Graphitmine, welche es hier gibt, über mir 2 bekannte Eingänge betreten - wäre dies effektiver?
strahler1975:
Hallo und willkommen Foenx
Wie du siehst bin auch ich im Forum neu, habe aber schon 24 Jahre Sammlererfahrung. Meine Erfahrungen beziehen sich aber hauptsächlich auf die Alpen in Tirol und Restösterreich. Irgendwo wild auf Mineralien loszuschürfen, ohne eine Auswahl nach Gesteinsformationen und geologischen Gegebenheiten finde ich auf jeden Fall nicht sinnvoll. Du solltest dir vielleicht mal Gedanken machen was du sammeln willst. Für den Anfang würde ich mich mal auf Bergbauhalden und Steinbrüche konzentrieren wie sie hier im Forum massig und ausführlich beschrieben werden, damit du etwas Erfahrung aufbauen kannst.
Auf den 3000er Berg rauf wie Reinhold Messner und eine Quarzkluft Aufreissen wird dir Anfangs nicht gelingen. Halte dich Anfangs an die bekannten Fundstellen und du wirst auf jeden Fall was finden.
Bis zu meiner ersten Bergkristallkluft habe ich 8 Jahre gebraucht und die war nicht gerade der Renner. Ansonsten würde ich zu deiner Frage sagen, dass oberflächliches rumkratzen am Berg selten zum Ziel führt, da man um eine anständige Stufe zu bergen sowieso so großflächig wie möglich ansetzen sollte. Jeder kennt die Situation, wenn man im anstehenden Gestein oberflächlich etwas bergen will. Das geht meist schief und man kann einem Bröckerlhaufen hinterherschauen. Hat man aber mit etwas Erfahrung, Geschick und Ausdauer eine kluftige oder vielversprechende Stelle gefunden sollte man ruhig etwas Zeit investieren und mal nachklopfen was so zu finden ist.
Die Kenntnis auf was für Zeichen man achten sollte ist natürlich von Gestein und Mineralienart abhängig und lässt sich nur teilweise erfragen, beruht also hauptsächlich auf Eigenerfahrung. Suche ich beispielsweise nach Smaragd im Habachtal gebe ich besonders auf die bekannten Schiefer acht, welche auch hier im Forum beschrieben werden. An einer solchen Stelle im klingelharten Zentralgneis rumzuhämmern hätte wohl wenig Sinn. Sicher ist nur, dass Kristalle meist Platz brauchen und deshalb auch kluftreiches Material erfordern. Ausnahmen gibst natürlich immer, wie zum Beispiel Granate, die meist direkt im Schiefer eingewachsen sind und aus der Matrix freigelegt werden müssen.
Eigentlich könnte ich auch noch 10 Seiten dazuschreiben, aber ich bin mir sicher, dass dir auch andere im Forum gerne ihre Erfahrungen mitteilen. Vielleicht gelingt es dir den Einen oder Anderen dazu zu bewegen dich mal auf eine Tour mitzunehmen, und dir einige Tips zu geben
Glück auf ! aus Tirol !
Bergbaumaulwurf:
Glück Auf!
Am besten ist sich erst mal im klaren zu werden, wo und was man Sammeln will.
Vom einzelnen Mineral bis zur Systematik, vom einzelnen Fundpunkt bis zu Regional ist alles möglich.
Schaue Dir in Ruhe mal den Atlas an und dann mache dann einfach mal einen Plan wo und was Du Sammeln könntest .
Scheue nicht davor Fehler zu machen, die helfen oft mals weiter.
Höre auch beim Sammeln auf dein Bauchgefühl, ist nie falsch.
Wenn Du Sammlen gehst nimm lieber ein Stück mehr mit, machmal einfach nur auf verdacht, aussordiert wird zu Haus in Ruhe.
Ansonsten immer Ruhig im Atlas nachfragen. Es gibt immer einen der drüber Bescheid weis.
Ansonsten viel Glück!!!!
Bergbaumaulwurf
CARCHARIAS:
Moin Foenx
Der Atlas bzw einige Kontakte hier haben mir doch sehr gehofen als ich 2005 wieder angefangen habe Mineralien zu sammeln.
Dazu muss ich allerdings sagen das ich bis da hin nur Fossilien gesammelt habe und nicht wirklich viel Ahnung hatte wo es überall schöne Mins zu finden gab.
Mittlerweile gehe ich einfach raus und sehe mir alte und meistens nicht so bekannte Bergwerke an wobei mir die passende Literatur und die Top25 oft hilfreich war, manchmal ist es ein Griff ins Klo und dann kracht es auch mal wieder und man schleppt sich mit nem Rucksack voll Stufen ab. Von denen fliegt nach dem Waschen und durchsehen gleich 50% wieder in den wald wo se her kommen 45% werden zum verschenken, vertauschen oder verkaufen aufgehoben und nur 5% kommen in die Sammlung. Hier hast du mal ein paar links von den Gruben war (wenn überhaupt) keine wirklich für funde von schönen Stufen bekannt.
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Deutschland/Hessen/Taunus/Schlangenbad/Grube%20Julius
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Deutschland/Hessen/Taunus/Schlangenbad/Grube%20Carlszeche
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Deutschland/Hessen/Taunus/Kiedrich/Grube%20Simon
Was die Bergungsmetode angeht bin ich der Meinung viel hilt viel ich hau so lange fest auf die Steinchen bis ich was Interessantes sehe und arbeite dann erst vorsichtiger. Klar geht dabei auch die ein oder andere Stufe zu Bruch aber mit Spachtel und Pinsel können nur leute arbeiten die das hauptberuflich machen, außerdem is es doch erst richtig lustig wenns kracht und knirscht im Gestein.
Gruß Boris
minuwe:
Hallo Daniel,
wie ich sehe, ist die Mineralienliste von Mühldorf (dein Link) gleich der des Graphitbergbaues http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/%D6sterreich/Nieder%F6sterreich/Waldviertel/Krems%20an%20der%20Donau/M%FChldorf/Amstall/Graphitbergbau,
und da steht: "rekultiviert, keine Fundmöglichkeiten mehr". Wenn nicht irgendwo noch zugängliche Haldenreste liegen wäre das schade, denn zunächst seine Wohnumgebung zu besammeln macht durchaus Sinn. Aber wie die Vorschreiber auch meinen, würde erst mal überlegen, wo die Sammelei beginnen soll, meine Empfehlung: erst mal deine Umgebung. Es ist kurios, wenn man sonst wo hinfährt aber die Gesteine seiner Gegend nicht kennt. Graphit und Hämatit und Limonit/ Goethit hast du ja schon und dir auch richtigerweise angesehen, in welchen Gesteinen das dort vorkommt. Nach Mineralien würde ich zunächst nicht eingrenzen, das passiert eventuell später. Auch die von dir genannten Stollen ruhig mal untersuchen. Versuchen, viele Regionalsammlungen, auch bei Sammlern, anzuschauen und viel erfragen, z. B. Fundpunkte und wie man rangeht. Am Anfang viel mitnehmen und daheim auch gleich mikroskopisch untersuchen, denn da sieht man wesentlich mehr. Für das Herauslösen der Stufen gibt es keine Rezepte, da hilft nur üben oder gemeinsam mit erfahrenen Sammlern Touren machen. Wo genau die Minerale sich befinden, da kann man auch kaum was sagen, da jeder Fundort seine Eigenheiten hat. Erfolg verspricht gutes Beobachten und langes geduldiges Suchen ohne Erwartungshaltung. Jeder verdächtigen Stelle nachgehen. Mit der Zeit entwickelt sich der Blick und man weiß angelesene Infos besser einzuordnen, hat es vor Augen.
Nur mal ein Beispiel: Du siehst von Weitem in einer Felswand eines Steinbruches, in dem Granit ansteht, einen Riss, der sich mit braunen Eisenoxiden gefüllt hat. Von Nahem siehst du dann, dass an einigen Stellen auch kleine Quarzkriställchen vom Granit aus in den Gang, in der Mitte aber zusammengewachsen sind. Wenn du nun diesen Gang mit Fäustel und Meißel weiter öffnest, ist es möglich, dass tiefer sich der Gang plötzlich zu einer Druse weitet, in der sich dann neben freistehenden Quarzkristallen auch weitere Mineralien befinden können. Und weil die oft sehr klein sind, hast du dann eine Lupe (15 fach) dabei, deren Linse aus Quarzglas besteht, weil normales Glas in Billiglupen schnell zerkratzt. Aber auch in der Randzone des Ganges oder sogar daneben im Gestein können noch Minerale sitzen, die normalerweise im kompakten Gestein nicht sind. Es lohnt sich oft an Stellen weiter zu meißeln, an denen andere Sammler aufgegeben haben, vielleicht hatten die nur einen Termin ;) , oder den Schutt anderer Sammler genau zu untersuchen. Alles, was irgendwie komisch oder verdächtig aussieht, mitnehmen. hatte kürzlich einen Brocken 25x 25 cm mitgenommen, in dem eine kleine Druse war, den Molybdänit und den Muskovit hatte ich ja gleich gesehen, aber die vermeintlichen Glimmerpakete entpuppten sich dann als Wolframitkristalle. Unter dem Bino waren dann darauf noch sehr schöne Pyrite zu sehen.
Gruß
Uwe
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