Die Diskussion zum Thema „Wie viele aktive Mineraliensammler gibt es in Deutschland“ zeigt, dass (vermutlich) die Mehrzahl der Sammler in den alten Bundesländern über die Situation der Sammler in der ehemaligen DDR keine rechte Vorstellung haben. Das ist nicht verwunderlich, den die Fernsehspiele zum Alltag in der DDR zeigen meist überspitzte Ausnahmesituationen. Berichte, wie’s denn so war, interessiert im Osten keinen, denn jeder kennt die Situation aus eigener Erfahrung und das Interesse im Westen wird sich auch in Grenzen halten.
Ohne hier eine Konfrontation gegen en Beitrag von Ulrich zu machen (den ich als Forumsmitglied sehr schätze) denke ich, man sollte mal einige Fakten hier festhalten, um unsere Forumsfreunde aus den alten Bundesländern über das Sammeln in der DDR besser zu informieren.
Also allgemein: Auf ein Auto musste man keine 5 sondern duchschnittlich 15 Jahre warten. Benzin gab es immer unbegrenzt, natürlich ohne Bezugschein. Längere Schlangen an den Tankstellen an Wochenenden rührten daher, dass es nur in wenigen Großstädten und an den Autobahnen Sonntagstankstellen gab.
Sammeln war nicht verboten. Es gab den Kulturbund, in welchem alles was irgendwie ein Hobby war (Briefmarken, Modellbau, Insektenkunde, Minerale usw.) vereinsmäßig organisiert war. Entsprechende Fachgruppen gab es in den meisten Städten. Die monatlichen Zusammenkünfte waren völlig unpolitisch und allein dem Hobby gewidmet. Ein Zwang Mitglied zu werden bestand nicht. Es gab allerdings zahlreiche Vorteile dort organisiert zu sein:
In den von der jeweiligen Fachgruppe organisierten Exkursionen hatte man die Möglichkeit, legal in Steinbrüchen oder sogar Untertage zu suchen.
Die Mitgliedschaft im Kulturbund wurde als wertvolle gesellschaftliche Tätigkeit gewertet und war ein Pluspunkt in der Kaderakte (Personalakte).
Den meisten Fachgruppen stand zu den Zusammenkünften ein Stereomikroskop zur Verfügung, etwas was damals doch relativ selten war.
Regional unterschiedlich war das Verhältnis der Mineralien- zu den Fossiliensammlern. Auf den weiter unten erwähnten Tauschtagen gab es jedoch immer wesentlich mehr Mineralien- als Fossiliensammler. Ich bin daher der Auffassung, dass das Fossiliensammeln nicht so verbreitet war.
Das Sammeln war grundsätzlich nicht verboten. Allerdings waren alle Bodenschätze und Minerale Volkseigentum. Sammeln war somit die private Aneignung von Volkseigentum, was eigentlich verboten war, aber solange dahinter kein kommerzieller Zweck stand, ohne weiteres geduldet wurde. Eine Sammelerlaubnis gab es wie bereits an anderer Stelle gesagt, aber mir ist nicht bekannt, dass irgendein Sammler mal danach gefragt wurde.
Die Aneignung von Volkseigentum wurde allerdings als Straftat gewertet, wenn jemand Minerale z.B. nach dem Westen verkauft hat. Das war einzig der Koko von Herrn Schalck-Golodkowski vorbehalten.
Natürlich bestanden keine Einschränkungen, die Gegenden, in denen die Wismut zu Gange war, zu besuchen. Gesperrt war nur das Grenzgebiet und natürlich die militärischen Areale. Zu letzteren gehörten leider auch zahlreiche interessant Gebiete, vor allem rund um Schneeberg und Marienberg
Halden waren Betriebsgelände und damit für nicht Betriebsangehörige gesperrt. Zäune gab es nur an wenigen Halden, so dass man mit etwas Vorsicht und immer den Fluchtweg im Auge behaltend, durchaus dort suchen konnte. Das Auto war an möglichst etwas entfernt und unauffällig zu parken. Schlechtes Wetter war immer gut, denn die Wachmannschaft der Polizei saß dann doch lieber in der warmen Wachstube. Ähnlich war es in den Steinbrüchen. Hier wachte zwar nicht die Polizei, aber manchmal war ein Wachdienst (mit Hund!) anwesend.
Als Kulturbundmitglied hatte man, falls man mal erwischt wurde, einen Bonus und kam meist mit einer Verwarnung davon.
Es gab auch einige wenige Bergwerkshalden (die nicht zur SDAG Wismut gehörten) auf denen Sammler geduldet wurden.
Da ein kommerzieller Hintergrund (siehe oben) nicht gestattet war, gab es keine Börsen, sondern sogenannte „Tauschtage“. Es wurde allerdings nicht nur getauscht, sondern manche Stufe wechselte auch gegen Geld den Besitzer. Solange das im Rahmen blieb gab es auch hier keine Probleme.
Gruß
Uwe