Hallo René!
Ich hoffe einfach die haben sich nicht verrechnet. Dann kommen ja auch Hobbyaustronomen voll in den Genuss sich so ein Teil mal näher anzusehen.
Leider kriegt der normale Hobbyastronom selbst bei so einem geringen Abstand nicht viel zu sehen - wenn die Bahn ungünstig ist und so ein Asteroid die Erde innerhalb der Erdbahn (also zwischen Sonne und Erde) passiert, zieht ein schwarzer Fleck durchs schwarze All; hat der Asteroid eine geringe Albedo - zieht ein trüber Fleck durchs schwarze All...
Es ist bisher ja auch mehr als einmal vorgekommen, dass ein solches NEO (Near Earth Object) erst entdeckt wurde, nachdem es die Erde in ähnlich geringem Abstand bereits passiert hatte. Und das trotz Satelliten und Riesenteleskopen...
Auf jedes NEO, dessen Passage 1, 2 oder gar 30 Jahre im voraus berechnet werden kann, kommt ein Vielfaches, die völlig unentdeckt bleiben. Von daher sind irgendwelche "wir fliegen rauf und sprengen es"-Szenarien völlig utopisch. Die Vorwarnzeit und damit die Vorbereitungszeit wären viel zu kurz. Davon abgesehen, dass sich solch ein Projekt technisch nicht in 24 Monaten auf die Beine stellen lassen würde - wie würden einige Länder reagieren, wenn ihre Konkurrenten mit dem Argument einer humanitären Maßnahme Megatonnen an Explosionspotenzial in den Orbit verfrachten würden?!
Zumal man Stand heute (und vermutlich noch die nächsten 10-20 Jahre oder überhaupt so lange, bis man es mal wirklich in natura versucht hat) keine Ahnung hat, wie man ein solches Objekt (und es gibt ganz verschiedene Objektklassen mit ganz verschiedener Zusammensetzung, für die jeweils eigene Methoden entwickelt und erprobt werden müssten) wirksam zerlegen kann. Es einfach zu sprengen und dann darauf zu warten, dass ein Schrappnellhagel von Hunderten wolkenkratzergroßer Trümmer eine ganze Hemisphäre der Erde zersiebt (und Milliarden Mikrometeoriten die unverzichtbare Satelliteninfrastruktur in Schrott verwandeln), ist nicht die Lösung...
Auf der Erdoberfläche sind so viele Riesenkrater allein aus dem kurzen Zeitabschnitt bekannt, der geologisch überhaupt noch überliefert ist, dass kein Zweifel an "nach dem Einschlag ist vor dem Einschlag" besteht... Dabei brauchen wir heute, bei unserer hochgradig komplexen und sowohl individuell als auch global-regional arbeitsteiligen Kultur nicht mal einen Megaimpakt für das perfekte Chaos. Ein Kleinbröckchen von den Ausmaßen des Nördlinger Ries-Objekts (max. 600 m Durchmesser), das mit großer Sicherheit allen Detektoren entgeht, würde mit der vollständigen Zerstörung der Umgebung in 200 km Umkreis um die Einschlagstelle (ca. 127.000 qkm) in Europa oder Nordamerika oder Ostasien etc. unvorstellbare Verwüstungen mit schweren Konsequenzen für die ganze Menschheit anrichten. Stell Dir mal vor, mit einem Schlag würden die Ölfelder Saudi-Arabiens ausgelöscht, oder die Hälfte der weltweiten Mikroelektronikproduktion in Südostasien, eines der europäischen Handels- und Finanzzentren... Die Menschheit würde um Jahrzehnte zurückgeworfen werden, und Millionen Flüchtlinge müssten versorgt werden, ohne dass die dazu nötigen Mittel überhaupt noch beschafft werden könnten!
Statistisch gesehen passiert sowas aber nur ungefähr alle 25 Millionen Jahre - wobei es ebenfalls statistisch demnächst mal wieder soweit sein müsste...

Gruß,
Rainer