Hallo Joachim!
40Km Durchmesser? Na das ist ein ganz schön grosser Brocken! Die Erdkruste ist doch nur ca. 17Km dick
Der Durchmesser des Impaktkörpers steht aber in keiner linearen Beziehung zur Kratertiefe. Übrigens ist die kontinentale Erdkruste 30-60 km dick, die ozeanische 7-10 km.
Ein Krater dieses Riesentyps (ein sog. komplexer Ringkrater) entsteht nicht durch das tiefe Eindringen eines Impaktkörpers in die Erdkruste, sondern durch die Explosion dieses Körpers beim Kontakt mit der Erdkruste; die Eindringtiefe beträgt dabei nur einige wenige Kilometer. Die Energiefreisetzung erfolgt also oberflächennah durch die Umwandlung der kinetischen Energie des Projektils bei dem plötzlichen "Stopp". Der Körper verdampft dabei nahezu vollständig. Die Schockwelle der Explosion hat mit zunehmender Eindringtiefe gegen einen immer stärker steigenden lithostatischen Druck zu kämpfen und wirkt daher nicht im linearen Verhältnis zum Kraterdurchmesser. Das allermeiste Material wird vom Explosionspunkt seitlich und nach oben hin weggesprengt. Weiters verhält sich die Kruste unter solchen Drücken teilweise plastisch und federt nach unten Richtung Mantel weg. Sofort nach dem Einschlag kollabieren sowohl die übersteilten Kraterränder, und der komprimierte Untergrund federt nach oben zurück. Durch den Kraterrandkollaps, das Abrutschen gewaltiger Gesteinsmassen in den Krater, entsteht der sog. morphologische, also als Geländemerkmal sichtbare, Krater, der in solchen Fällen ein Vielfaches des eigentlichen Explosionskraterdurchmessers erreicht. Zusätzlich formt das zurückfedernde Krustenmaterial die Ringwälle und die Zentralerhebung. Der ganze Vorgang hat große Ähnlichkeit mit den Strukturen, die sich bilden, wenn ein Stein auf eine Wasserfläche fällt.
Ein Asteroid dieses Ausmaßes stanzt also kein Loch in die Erdkruste und rauscht durch bis zum Mantel, sondern sprengt von oben her ein Loch aus und presst die darunterliegende Kruste in die Tiefe. Wobei sehr viel Material nicht ausgeworfen, sondern nur nach unten und zu den Seiten weggedrückt wird, und sofort nach dem Nachlassen der Druckwelle den Krater wieder plombiert. Große Störungssysteme, die in die Unterkruste oder sogar bis an die Mantelgrenze reichen können, entstehen dabei natürlich trotzdem. Zu Vulkanismus kommt es deswegen kaum, häufiger sind im Anschluss sog. postvulkanische Erscheinungen wie Geysire und Fumarolen. Diese sind ja auch im Ries mit den hydrothermalen Quellkalken des Goldbergs belegt.
Diese Störungen funktionieren in Verbindung mit später darüber abgelagerten, kohlenwasserstoffreichen Sedimenten (die sich wiederum in solchen Becken besonders mächtig ablagern konnten) als ein System von Erdölmuttergestein und Erdölfallen; daher werden solche Strukturen in den Meeren meist bei der Prospektion von Erdöllagerstätten erkannt.
Ein beeindruckendes Spektakel bot sich über Jahrhunderte oder Jahrtausende aber sicher trotzdem: Untersuchungen an anderen Riesenkratern haben gezeigt, dass in einigen noch über sehr lange Zeit hinweg Seen aus geschmolzenem Krustengestein brodelten. Und die freigesetzte Energie war natürlich gewaltig. Für das Ries wird ein Äquivalent von 250.000 Hiroshima-Bomben berechnet - der Rieskrater hat 25 km Durchmesser, dieser hier das Vierzigfache. Diesen Faktor 40 im Quadrat, dann kommt man auf die 1600-fache Explosionsstärke!
Gruß,
Rainer