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Autor Thema: Einschlagskrater vor Indien gefunden  (Gelesen 9375 mal)

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Offline bardenoki

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #1 am: 27 Oct 09, 19:03 »
Hi,

noch ein anderer Bericht (nennt auch ein paar Gegner der These)

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,655449,00.html

Gruß
Norbert

Offline triassammler

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #2 am: 27 Oct 09, 20:55 »
Hallo!

Nun, ein paar Ringe und deformiertes Gestein sind noch kein endgültiger Beweis. Bei einem Impakt dieser Größe müssten sich mittelfristig bei Bohrungen sowohl am Meeresgrund als auch auf dem Festlandszipfel zahlreiche handfeste Beweise erbringen lassen, so die Theorie denn stimmt.

Gruß,
Rainer

Offline joachimotto

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #3 am: 28 Oct 09, 20:05 »
40Km Durchmesser? Na das ist ein ganz schön grosser Brocken! Die Erdkruste ist doch nur ca. 17Km dick, da müsste dann ja eine riesige Fontaine Magma hochspritzen und ein riesiges Loch ohne Erdkruste bleiben. Das sieht dann wohl etwas anders aus als zB das Nördlinger Ries.

Offline triassammler

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #4 am: 28 Oct 09, 23:29 »
Hallo Joachim!

Zitat
40Km Durchmesser? Na das ist ein ganz schön grosser Brocken! Die Erdkruste ist doch nur ca. 17Km dick

Der Durchmesser des Impaktkörpers steht aber in keiner linearen Beziehung zur Kratertiefe. Übrigens ist die kontinentale Erdkruste 30-60 km dick, die ozeanische 7-10 km.

Ein Krater dieses Riesentyps (ein sog. komplexer Ringkrater) entsteht nicht durch das tiefe Eindringen eines Impaktkörpers in die Erdkruste, sondern durch die Explosion dieses Körpers beim Kontakt mit der Erdkruste; die Eindringtiefe beträgt dabei nur einige wenige Kilometer. Die Energiefreisetzung erfolgt also oberflächennah durch die Umwandlung der kinetischen Energie des Projektils bei dem plötzlichen "Stopp". Der Körper verdampft dabei nahezu vollständig. Die Schockwelle der Explosion hat mit zunehmender Eindringtiefe gegen einen immer stärker steigenden lithostatischen Druck zu kämpfen und wirkt daher nicht im linearen Verhältnis zum Kraterdurchmesser. Das allermeiste Material wird vom Explosionspunkt seitlich und nach oben hin weggesprengt. Weiters verhält sich die Kruste unter solchen Drücken teilweise plastisch und federt nach unten Richtung Mantel weg. Sofort nach dem Einschlag kollabieren sowohl die übersteilten Kraterränder, und der komprimierte Untergrund federt nach oben zurück. Durch den Kraterrandkollaps, das Abrutschen gewaltiger Gesteinsmassen in den Krater, entsteht der sog. morphologische, also als Geländemerkmal sichtbare, Krater, der in solchen Fällen ein Vielfaches des eigentlichen Explosionskraterdurchmessers erreicht. Zusätzlich formt das zurückfedernde Krustenmaterial die Ringwälle und die Zentralerhebung. Der ganze Vorgang hat große Ähnlichkeit mit den Strukturen, die sich bilden, wenn ein Stein auf eine Wasserfläche fällt.

Ein Asteroid dieses Ausmaßes stanzt also kein Loch in die Erdkruste und rauscht durch bis zum Mantel, sondern sprengt von oben her ein Loch aus und presst die darunterliegende Kruste in die Tiefe. Wobei sehr viel Material nicht ausgeworfen, sondern nur nach unten und zu den Seiten weggedrückt wird, und sofort nach dem Nachlassen der Druckwelle den Krater wieder plombiert. Große Störungssysteme, die in die Unterkruste oder sogar bis an die Mantelgrenze reichen können, entstehen dabei natürlich trotzdem. Zu Vulkanismus kommt es deswegen kaum, häufiger sind im Anschluss sog. postvulkanische Erscheinungen wie Geysire und Fumarolen. Diese sind ja auch im Ries mit den hydrothermalen Quellkalken des Goldbergs belegt.
Diese Störungen funktionieren in Verbindung mit später darüber abgelagerten, kohlenwasserstoffreichen Sedimenten (die sich wiederum in solchen Becken besonders mächtig ablagern konnten) als ein System von Erdölmuttergestein und Erdölfallen; daher werden solche Strukturen in den Meeren meist bei der Prospektion von Erdöllagerstätten erkannt.

Ein beeindruckendes Spektakel bot sich über Jahrhunderte oder Jahrtausende aber sicher trotzdem: Untersuchungen an anderen Riesenkratern haben gezeigt, dass in einigen noch über sehr lange Zeit hinweg Seen aus geschmolzenem Krustengestein brodelten. Und die freigesetzte Energie war natürlich gewaltig. Für das Ries wird ein Äquivalent von 250.000 Hiroshima-Bomben berechnet - der Rieskrater hat 25 km Durchmesser, dieser hier das Vierzigfache. Diesen Faktor 40 im Quadrat, dann kommt man auf die 1600-fache Explosionsstärke!

Gruß,
Rainer

Offline heli

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #5 am: 29 Oct 09, 10:27 »
Da hat sich wohl ein Rechenfehler eingeschlichen.
40 km Durchmesser im Verhältnis zu 25 km ergibt eine rd. 2,6 x so große Fläche.


Offline triassammler

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #6 am: 29 Oct 09, 11:15 »
Hallo heli,

ich muss mich selber (aber an anderer Stelle) korrigieren: In dem Artikel wurde ein Kraterdurchmesser von ca. 500 km angegeben. Ich war gestern etwas verpennt und habe das als 40-fachen Durchmesser des Rieskraters (25 km) angegeben. Natürlich ist es "nur" das 20-fache. Diesen billigen Kopfrechenfehler bitte ich zu entschuldigen.
Die beim Einschlag freigesetzte Energie beträgt bei diesem Megaimpakt das 20^2-fache des Riesimpakts, war also 400 mal (und nicht 1600 mal, wie gestern vorgerechnet) so stark.

In Deiner Berechnung setzt Du den vermuteten Durchmesser des indischen Einschlagkörpers (40 km) in Beziehung zum Durchmesser des Rieskraters (25 km) - diese beiden Werte haben ja miteinander nichts zu tun, Deine Berechnung trifft daher ebenfalls nicht zu.

Gruß,
Rainer

Offline joachimotto

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #7 am: 29 Oct 09, 19:42 »
Vielen Dank für diese ausführliche Erklärung!
Sowas kann man sich einfach nicht vorstellen! Naja, ich hätte schon gedacht, das ein Brocken von so einer Grösse die Erdkruste einfach durchschlägt, aber die Kruste ist ja nicht wie eine Eisschicht auf einem See, sondern wird ja nach unten hin immer plastischer oder zäher. Aber das die kinetische Energie hauptsächlich nach oben und zur Seite geht leuchtet mir nicht ein, denn sie müsste doch in Richtung des Impaktes gehen, also nach unten.
Nee, es ist einfach unmöglich sich vorzustellen wie ein VIRZIG KILOMETER grosser Brocken mit einer unglaublichen Geschwindigkeit auf die Erde knallt.

Offline triassammler

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #8 am: 29 Oct 09, 20:29 »
Hallo Joachim!

Aber das die kinetische Energie hauptsächlich nach oben und zur Seite geht leuchtet mir nicht ein, denn sie müsste doch in Richtung des Impaktes gehen, also nach unten.

Die Energie hat keinen bestimmten Richtungsvektor. In dem Augenblick, wo der Asteroid verdampft, entsteht eine kugelförmige Druckwelle, die sich allseitig gleichmäßig vom Explosionspunkt auszubreiten versucht. Der Bewegungsvektor des Asteroiden spielt da keine Rolle mehr. Zu diesem Zeitpunkt ist der Asteroid wie gesagt ein paar wenige km (3, 4 km) in die Kruste eingedrungen. Über ihm befindet sich gar kein Gestein mehr, seitlich ist es bereits stark zerrüttet. Hier hat die Schockwelle einen wesentlich größeren Effekt beim Auswurf von zerrüttetem Material. Unterhalb des Explosionspunkts steht noch mehr oder weniger massive Kruste an, für deren Zerrüttung erst noch Energie aufgebracht werden muss. Die Energie der Schockwelle wird hier rascher verzehrt. und teilweise nach oben reflektiert, wo sie nur noch wenig Schaden anrichten kann. Außerdem verhindert die Schockwelle durch ihren gerichteten Druck selbst, dass viel Material von hier nach oben ausgeworfen wird. Weiterhin setzt schon, noch während die Schockwelle sich in die Tiefe fortpflanzt, das Abrutschen der primären Kraterrandwände und der Rückfall von Auswurfmaterial ein und verfüllt den Krater damit schon wieder.

Zitat
Nee, es ist einfach unmöglich sich vorzustellen wie ein VIRZIG KILOMETER grosser Brocken mit einer unglaublichen Geschwindigkeit auf die Erde knallt.
Naja, als Zuschauer in der ersten Reihe möchte ich bei so einem Spektakel nicht dabei sein. Und auch nicht exakt auf der anderen Seite der Erdkugel (da sich dort die Schockwellen des Impakts nach ihrem Durchlauf wieder fokussieren und beträchtliche Erdbeben auslösen können). Die Überlegung ist aber eher theoretisch: Wenn so ein Brocken in über 100 km Höhe beim Eindringen in die  Erdatmosphäre aufzuleuchten beginnt und dadurch sichtbar wird, hat man gerade noch ein paar Sekunden Zeit, bevor er auf den Boden knallt  ;D Irgendwelche Vorwarnzeiten sind da illusorisch.

Es ist ja auch bei weitem nicht der einzige Riesenbrocken, der in der Erdgeschichte runtergekommen ist...

Gruß,
Rainer

Offline cmd.powell

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #9 am: 06 Nov 09, 03:47 »
Es ist ja auch bei weitem nicht der einzige Riesenbrocken, der in der Erdgeschichte runtergekommen ist...

Genau ! Man denke da mal an den Krümel, dessen Einschlag wir wahrscheinlich den Mond zu verdanken haben. Der hatte etwa die Größe des Mars (ca. 6000 km Durchmesser) und dürfte wohl auch die Erdkruste durchschlagen haben - sofern es die "damals" überhaupt schon gab...

Offline triassammler

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #10 am: 06 Nov 09, 08:41 »
Hallo Markus!

Genau ! Man denke da mal an den Krümel, dessen Einschlag wir wahrscheinlich den Mond zu verdanken haben. Der hatte etwa die Größe des Mars (ca. 6000 km Durchmesser) und dürfte wohl auch die Erdkruste durchschlagen haben - sofern es die "damals" überhaupt schon gab...

Nun, in dem Fall gab es eine komplette Durchdringung beider Körper bei gleichzeitiger kompletter Aufschmelzung. Wahrscheinlich waren beide Körper relativ kühl, und lithologisch gering differenziert. Erst durch diesen "Megarums" und die anschließende Aufschmelzung kam es zu der Differentiation in Kruste, Mantel und Kern mit ihrer charakteristischen Zusammensetzung, wie wir sie heute kennen. Dabei hat die Erde aus dem anderen Planeten wesentlich mehr Metalle übernommen und schlussendlich in ihren Kern verbracht, als ihr für einen Gesteinsplaneten eigentlich zusteht. Das ist mit ein Grund, warum die Wärmefreisetzung durch Radioaktivität in Kern und Mantel auch heute noch für aktive Plattentektonik auf der Erde sorgen kann, während auf Mars und Merkur schon lange das Licht aus ist...

Gruß,
Rainer

Offline Klinoklas

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #11 am: 06 Nov 09, 21:12 »
Alles Quatsch, wenn da so ein großer Asteroid ankommt dann fliegen wir Bruce Willis mit einem Spaceshuttle dorthin und der sprengt den Giganten dann mithilfe einer Atombombe in zwei Teile so daß diese links und rechts an der Erde vorbei fliegen.  ;D

Genauer will ich da jetzt garnicht drüber nachdenken. Allerdings ist die Chance das soetwas während meiner doch recht kurzen Lebensdauer passiert relativ gering.

Gruß
René

Offline cmd.powell

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #12 am: 07 Nov 09, 00:21 »
Das würde ich an Deiner Stelle mal lieber nicht zu laut sagen. Immerhin kommt der Kleinplanet "Apophis" im Jahre 2029 ziemlich dicht an der Erde vorbei fliegen. Nach aktuellen Berechnungen ist die größte Annäherung "nur" 30000 km, was einem Zehntel der Entfernung Erde-Mond entspricht (im Mittel 350000 km !!!!). Bei einem Durchmesser der Erdumlaufbahn von 300.000.000 km entsprechen 30000 km einer Messgenauigkeit von 0.01% oder kurz, wenn die sich um den Betrag verrechnet haben oder sich die Bahn von Apophis durch gravitative Beeinflussung von irgendwas nur um eben diesen Betrag verändert, wird es am 13. April 2029 ziemlich laut - an einer bestimmten Stelle. Die Chancen dafür stehen immerhin bei 2.7 % (laut Wikipedia). Im Vergleich zu einem Sechser im Lotto ist das ja schon fast "Todsicher"  ;) 

Und das wahrscheinlich größte Problem: Bruce Willis ist dann schon 74 ! Ob der als Greis noch Asteroiden zerkloppt bekommt ? Auf der anderen Seite misst Apophis "nur" 270 m im Durchmesser, den bekommt Bruce vielleicht auch mit 74 noch klein...

Offline Klinoklas

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #13 am: 07 Nov 09, 15:53 »
Ist schon eine gruselige Vorstellung. Wenn ich mir die Oberfläche des Mondes so ansehe dann hat er uns wohl schon des öfteren den Hals gerettet.  ;)
Ich hoffe einfach die haben sich nicht verrechnet. Dann kommen ja auch Hobbyaustronomen voll in den Genuss sich so ein Teil mal näher anzusehen.

Gruß
René

Offline Krizu

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Antw:Einschlagskrater vor Indien gefunden
« Antwort #14 am: 07 Nov 09, 18:41 »
Hallo,

was meisnt du was Jupiter und Co uns schon vom Hals gehalten haben ;-)
Der Mond zeigt auch keine Verwitterung, du siehst die ganze Geschichte  8)

MfG

Frank

 

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