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Autor Thema: Reinigen mit Dithionit  (Gelesen 11839 mal)

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Offline uwe

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Reinigen mit Dithionit
« am: 24 Sep 09, 15:48 »
Noch mal eine Frage zum Thema vom Juni/Juli 2008:

Hallo Blackminer, Wegwerfit und Axinit,

Ich habe jetzt Na-dithionit und Natriumhydrocarbont im Hause. Ich möchte aber Vermeiden noch mal 13,- Eu's für Citras auszugeben. Macht es Sinn, Na-Dithionit nur mit Natriumhydrocarbont zu puffern, oder brauche ich die Säure unbedingt, um die Eisen-2 Ionen zu binden ? Was ist eigentlich das bei der entsprechenden Diskussion im Juni 2005 erwähnte EDTA chemisch gesehen bzw. für was steht diese Abkürzung ?

Der Geruch ist bei mir nicht das Problem, ich arbeite im Freien unterm Carport bei windigem Wetter.

Wie ist Eure Erfahrung mit Pyromorphit ? Ist das wirklich unbedenklich - im Hinblick auf Pyromorphit ? Was ist mit Malachitkristallen ? Oder geht es mit Carbonaten generell nicht ?

... fragt sich
Uwe




Offline Hg

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Antw:Reinigen mit Dithionit
« Antwort #1 am: 24 Sep 09, 16:08 »
Hallo Uwe,
ich bin zwar nicht einer der angesprochenen, aber vielleicht kann ich Dir ja doch helfen.
EDTA ist ein sehr starker Komplexbildner (Ethylendiamintetraessisäure bzw -aceticacid).
Mit EDTA hatte ich vor einiger Zeit ein paar Versuche gemacht, aber sobald die Lösung zu sauer wird, fällt das unlösliche EDTA aus (das Na-EDTA löst sich ganz gut; ist auch in Waschmitteln als Wasserenthärter drin).
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,8440.0.html

Das Citrat ist durchaus sinnvoll. Nicht Citronensäure! Die macht die Lösung nur sauer und vertreibt den Puffer. Siehe auch hier:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,17682.msg154244.html#msg154244
Zitat
Es läuft in der Lösung eine Reduktion von Fe(III) zu Fe(II) ab, wobei das Hydrogencarbonat puffern soll und das Citrat das Fe(II) komplexieren soll.
Wird die Lösung zu sauer kann dir ganz ekelhafter, feinst verteilter Schwefel entstehen, den Du vermutlich nie wieder weg bekommst.

Mit Pyromorphit scheint es ganz gut zu funktionieren. Das ganze Thema nochmal hier: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,17682.0.html
Gruß,
Andreas

Offline Axinit

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Antw:Reinigen mit Dithionit
« Antwort #2 am: 24 Sep 09, 17:51 »
Servus Uwe,

wie Hg schon festgestellt hat, brauchst Du zum Puffern der Natriumdithionit-Loesung sowohl Natriumhydrogencarbonat als auch Trinatriumcitratdihydrat, aber auf keinen Fall Citronensaeure !

Saeure (welche auch immer) und Natriumdithionit sind unvertraeglich; Saeureeinwirkung  kann zu sehr heftiger Zersetzung des Dithionits mit starker Gasentwicklung fuehren ...

Du kannst sicher im Freien arbeiten, erfahrungsgemaess sollte die Temperatur aber nicht unter 20 Grad Celsius liegen, sonst passiert nicht viel oder gar nichts ....

Pyromorphit laesst sich hervorragend mit gepufferter Natriumdithionit-Loesung reinigen (dies habe ich schon oft gemacht), aber es ist ratsam, das Bad/den Pyromorphit regelmaessig (ca alle 30 - 60 min) zu kontrollieren. Sollte sich ein dunkler Niederschlag bilden, ist es besser, die gereinigten Mineralien mit Wasser abzuspuelen und sorgfaeltig zu waessern (Ausprobieren !).

Carbonate lassen sich im Prinzip sehr gut mit Na-Dithionit reinigen. Aber: Stark oxidierter, also braun gefaerbter Siderit, Ankerit etc kann allerdings angegriffen werden, da zumindest teilweise kein Carbonat mehr vorliegt (Pseudomorphose). Calcit wird von der alkalischen Loesung nicht angegriffen.

Malachit (und auch Azurit) sowie  andere Hydroxocarbonate  werden hoechstwahrscheinlich von dem stark alkalischen Bad angegriffen - dies habe ich allerdings noch nicht ausprobiert. Hier ist Vorsicht angebracht.

In diesem Sinne - viel Spass beim Ausprobieren - ich denke die Ausgabe fuer das Natriumcitrat lohnt sich  ;).

GA

Axinit

Offline STRAHLER

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Antw:Reinigen mit Dithionit
« Antwort #3 am: 24 Sep 09, 18:16 »
Hallo allerseits,

wie ist denn die Wirkung, wenn ich nur mit Natrium-Dithionit arbeite, bzw. was kann da passieren?

Grüße Ronny

Offline Axinit

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Antw:Reinigen mit Dithionit
« Antwort #4 am: 24 Sep 09, 19:10 »
Servus,

das kommt auf den pH-Wert des Reinigungs-Ansatzes an: Wasser + Minerale + Verunreinigungen.... .

Wird der pH-Wert zu niedrig, dann zersetzt sich das Dithionit und mit der Reinigung war's nix.

Probier's aus und Du wirst sehen was passiert  :-\

GA

Harald

Offline Xyrx

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Antw:Reinigen mit Dithionit
« Antwort #5 am: 24 Sep 09, 19:37 »
Hallo,

habe an einer großen Malachitstufe Versuche mit Dithionit gemacht. Zu lösen war Eisen und Kluftschlamm. Reines Dithionit, 1,5 Gramm auf einen Liter Wasser, ist ideal. Da muß nicht gepuffert werden. Wichtig ist der Hinweis weiter oben: unter 20°C passiert nix! Der Malachit wurde nicht beschädigt, die gelösten Fremdmineralien liesen sich mit scharfem Wasserstrahl ganz einfach entfernen. Nur Mut. Das Zeugs ist echt jeden Euro wert.

LG Xyrx

Offline uwe

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Antw:Reinigen mit Dithionit
« Antwort #6 am: 24 Sep 09, 21:54 »
Danke an alle für die Antworten. Vor allem der Hinweis auf die Temperatur war wichtig. Interessant ist ferner, daß sehr verschiedene Angaben zur Konzentration gemacht wurden. Ich werde demnächst mal einige Versuche starten, bevor ich mich an die Stücke in der Sammlung wage.

Gruß
Uwe

Offline uwe

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Antw:Reinigen mit Dithionit
« Antwort #7 am: 05 Oct 09, 19:30 »
Nachdem ich die erforderlichen Reagenzien für die Wallersche Lösung im Haus habe, führte ich heute mal einige Versuche aus. Ich habe mal ein Stück mit Malachit, welcher mit teils stark mit Limonit überkrustet war ins Bad gelegt. Die Lösung färbte sich ziemlich schnell dunkel, er Malachit war teilweise gelöst. Dafür fand sich eine kupferrote Schicht auf der Oberfläche. Nun mal eine Frage an die Chemiker unter uns: Dithionit wirkt ja wohl reduzierend. Kann es sein, daß sich metallisches Kupfer gebildet hat ?

Übrigens, üble Gerüche habe ich nicht festgestellt. Die ganze Reaktion - auch bei einer Limonitkruste auf Pyromorphit sowie bei Sulfiden - war trotz hierbei guten Egebnissen eher geruchsneutral.

Uwe

Offline Axinit

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Antw:Reinigen mit Dithionit
« Antwort #8 am: 05 Oct 09, 20:25 »
Servus,

tja - quod erat demonstrandum ! Toll, dass es geklappt hat und Du (abgesehen) vom Malachit zufriedenstellende Ergebnisse bekommen hast !

Dithionit ist in der Tat ein starkes Reduktionsmittel - ob der kupferrote Belag wirklich metallisches Cu oder eher Kupfer(I)oxid Cu2O ist, kann ich Dir per Ferndiagnose und Schnellschuss nicht sagen.

Es wundert mich ein bisschen , dass Du nichts "gerochen" hast - Dithionit riecht immer, daher wuerde ich das Adjektiv "geruchsneutral" nicht gebrauchen. Eine Geruchsbelaestigung sollte allerdings bei korrektem Arbeiten auch nicht auftreten - d.h. man kann die Reinigung durchaus auch ohne Abzug durchfuehren (mache ich mangels Platz auch fast immer so).

GA

Harald

Offline uwe

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Antw:Reinigen mit Dithionit
« Antwort #9 am: 06 Oct 09, 09:14 »
Tja Harald, ich bin selbst überrascht. Ich hatte meine Versuche in einem (selbstverständlich gut gereinigten) verschraubbaren Gurkenglas durchgeführt, welches trotz Spülmaschine noch leicht nach sauren Gurken roch. Wenn ich jetzt meine Nase über das Glas mit der Dithionitbrühe hänge riecht es immer noch leicht nach Gurken und keineswegs nach igend etwas schwefligem. Übrigens, es ist nur derber Malachit angegriffen worden. Kristalliner Malachit blieb unbeeinflußt, soweit ich das unterm Bino beurteilen kann. Linarit wurde komplett rückstandslos gelöst.

Uwe

 

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