Hallo,
Jürgen,ein sehr guter,inspirierender Beitrag,der aber auch gemischte Gefühle auslöst.
Das ist ja wie selbst ein Bild malen !
Zunächst zum Technischen:
Das detaillierte Freistellen mit Photoshop hat bei filigranen Strukturen seine Grenzen und ist
nicht immer anwendbar.Bei meinem Byssolith-Beispiel ginge es nicht.
Die Gestaltung des Hintergrunds ist hervorragend beschrieben.Die Tricks mit den Verlaufsfarben
und Schlagschatten kannte ich noch nicht,werde es aber mal ausprobieren.
Hatte solche Ergebnisse schon öfters gesehen und hatte mich gefragt,wie das gemacht wurde.
Aber mir war sofort aufgefallen,daß hier massive Veränderungen am Foto vorgenommen waren.
Ist das noch authentische Fotografie oder ein Kunstprodukt?
Bis jetzt habe ich fast nur Beiträge aus der hightech-Ecke gelesen.
Da Du im header auch zu anderen Erfahrungen aufrufst und nicht jeder Forum-Leser über ein
entsprechendes hightech-equipment verfügt,ein paar provokante Sätze über
LOW-BUDGET-FOTOGRAFIE:
Beruflich dokumentiere ich zuweilen Mikroskop-Präparate.Dazu stehen mir Spiegelreflexkameras,
teuerste Zeiss-Mikroskope und -Kameras,div.Kaltlichtstrahler mit Schwanenhals und
professionelle AxioVision-software zur Verfügung.
Als ich mich für Mineralienfotografie zu interessieren begann,dachte ich ohne dieses Zubehör
nicht anfangen zu können.
Nach einigen Recherchen konnte ich feststellen das es auch anders geht.Die entscheidenden Hinweise
habe ich von der von mir sehr geschätzten Christiane David bekommen,deren Mineralien-Fotografien ihr
u.a. in der Medienbibliothek/Fotogalerien findet.
Sie verwendet -soviel sei verraten- eine simple DigitalKamera der Powershot-Serie (8MP),benutzt
farbige Hintergrund-Pappen,die zu einer Hohle gebogen sind und macht die Bilder bei seitlichem
Tageslicht -NICHT direktes Sonnenlicht- mit einem diffusen Reflektor von der anderen Seite,
natürlich mit Stativ,kleiner Blende wegen der Tiefenschärfe und entsprechend langen Belichtungszeiten.
Die abgebildeten Stücke bewegen sich ebenfalls -wie auch bei mir- im 2-10cm-Bereich.
Ich verwende noch eine kleine Panasonic fx9(6MP),habe die technischen Möglichkeiten allerdings
ausgereizt und wäge die Vor- und Nachteile verschiedener möglicher Nachfolger ab.
Für jedes Objekt variiere ich Belichtungseinstellungen und Empfindlichkeit,Weißabgleich.
Bildregulierung nur über Standard,NICHT vivid,was Kanten künstlich schärfer zeichnet.
Wenn schon Autofokus,dann Punktmessung und nicht Mehrfeldmessung.Den Autofokus kann man austricksen:
Den Bildschwerpunkt anvisieren,den Fokus leicht gedrückt halten (einfrieren),die Kamera kann
seitlich bewegt werden,auslösen.
Zur gleichmäßigen Ausleuchtung nehme ich als Reflektor einen kleinen Spiegel.
Lichtreflexe sind meistens störend,können aber z.B. bei Einzelkristallen in Maßen erwünscht sein,
um eine Räumlichkeit zu betonen.
Zum Ausrichten des Minerals benutze ich kleine Haushaltsgegenstände,Knetmasse nur selten.
Hintergrundfarben schwarz,grau,weiß,manchmal dunkelblau haben sich bewährt,Versuche
mit grün und orange fand ich schauderhaft.
Ausschnittsvergrößerungen vom großformatigen Original,nicht von der Verkleinerung.
Das geht mit Irfanview oder GIMP (beides freeware),
Wenn nötig auch für Farbe,Kontrast,Helligkeit einsetzbar.
für Bilderverwaltung ist Picasa (freeware) gut geeignet.
Mit Photoshop entferne ich bestenfalls Fussel oder Krümel auf der Hintergrundpappe,
das Mineral ist für mich tabu,auch die Ränder!
Unten noch als Kontrast zu den oben abgebildeten ein Bild von meinem "Fototisch" auf dem Balkon...

Mein Appell an die Einsteiger:
Man kann auch mit ganz einfachen Mitteln vorzeigbare pics machen,wenn man sich mit allen Möglichkeiten
der kleinen Kameras und Grundregeln der Fotografie auseinandersetzt und viel ausprobiert.
Ich lerne auch mit jedem Bild dazu.
Technisch aufrüsten kann man bei Bedarf immer noch.
Gruß
Embarak
P.S.:Für HDR-Experimente habe ich Photomatix 3.1.3 aufgetrieben,ist aber auch nicht viel komfortabler
als Combine ZP(freeware)