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Autor Thema: Mineralien fotografieren - Erfahrungsbericht - andere Erfahrungen!  (Gelesen 100981 mal)

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Offline jayjay

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Hallo
Nachdem der ein oder andere nachgefragt hat, wie ich die Mineralienbilder bearbeite, habe ich mir überlegt mal ein kleines Tutorial zu bauen.
Ebenso dachte ich diesen Thread allgemein als Diskussionsthread zum Thema fotografieren aufzubauen.

Die Grösse meiner Stücke bewegt sich im Bereich zwischen 2 - 10 cm. Also Thumbnail über Miniaturen bis zu kleineren Kabinettstücken.

Setup:

Ich benutze eine Nikon D80 Spiegelreflex mit einem Tokina 100mm 2,8 Lichtstärke Makroobjektiv. Dazu nutze ich meist ein weisses Lichtzelt, welches von
drei HQI 70 Watt Strahlern beleuchtet wird. Die Belichtungszeiten sind meist relativ lange, so dass Stativ unbedingt notwendig ist, weil ich mit möglichst
grosser Schärfentiefe fotografiere. Auch hier probiere ich verschiedene Positionen des Stücks, Beleuchtung teilweise mit Hilfe kleinerer Reflektoren zu lenken etc.
Also viel probieren, um ein brauchbares Foto zu bekommen.
« Letzte Änderung: 04 Oct 09, 13:27 von jayjay »

Offline jayjay

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Anschliessend gucke ich mir das beste Rohbild aus. Ich bearbeite die Bilder in Photoshop. Dies ist eine
relativ komplizierte Bildbearbeitungssoftware. Es gibt eine leichtere Version Photoshop Elements, ich
weiss allerdings nicht, welche Funktionen hier enthalten sind und welche nicht.

Dieses Rohbild ist dann der Ausgangspunkt. Man sieht den Kit der das Stück in Position hält und die schwarze Samtunterlage im Lichtzelt.
« Letzte Änderung: 04 Oct 09, 13:28 von jayjay »

Offline jayjay

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In der ersten Stufe geht es darum, das Stück freizustellen. Dies mache ich über den Zauberstab (grob) und denn mit Hilfe der (magnetischen) Lassofunktion (fein), indem ich den Hintergrund komplett markiere. Dies ist leider teilweise sehr aufwendig. Wenn es dann aber fertig ist, habe ich das Stück komplett umfahren. Das sieht dann so aus.

Offline jayjay

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Nun kehre ich die Auswahl um, so dass das Stück selbst markiert ist, kopiere es mit Crtl (oder Strg) C und Crtl V in eine neue Ebene (siehe kleiner roter Pfeil).

Offline jayjay

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Nun kann man die Hintergrund Ebene löschen (mit der Maus anklicken und geklickt halten auf den Mülleimer unten rechts in dem kleinen Fenster ziehen).
Dann hat man nur noch das Stück selbst, der Hintergrund ist quasi "leer".

Offline jayjay

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Im nächsten Schritt markiere ich nun wieder den leeren Hintergrund, erweitere die Auswahl um 2-3 Pixel und wende dann den Gausschen Weichzeichner an (Radius um die 3-4 Pixel). Dies dient dazu, dass die Kanten der ausgeschnittenen Stufe nicht ganz so hart erscheinen, sondern etwas weicher. Dazu habe ich kein Bild.

Im nächsten Schritt geht es dann darum, den Hintergrund zu erzeugen. Dazu muss eine neue Ebene erzeugt werden. Diese ist die Ebene für den Hintergrund (im Bild A).
Am einfachsten ist ein schwarzer Hintergrund. Dazu einfach das Füllwerkzeug nutzen (im Bild B) und die Fläche schwarz ausfüllen. Etwas komplexer ist diese Form des Hintergrundes. Dazu nehme ich das Verlaufswerkzeug (B) und Stelle die Form mit dem Spot (C) ein. Unter D kann ich dann die Verlaufsfarben einstellen. Ich nehme einen dunklen Braunton ins schwarze. Anschliessend etwa mittig in die Stufe klicken und nach links oder rechts ziehen, um den Hintergrund mit Verlauf zu erzeugen.
Auch hier gilt tüfteln und probieren, bis man eine Stimmung hat, die gefällt.

Offline jayjay

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Um das schöne Stück nun noch plastischer wirken zu lassen, nutze ich dann (auf Ebene des Minerals - Ebene 1 - siehe rechts im kleinen Kasten) die Schlagschatten Option. Diese stelle ich auf 90 Grad ein und dann muss man mit den Reglern für Distanz, Überfüllen und Grösse etwas probieren, bis man einen schönen Schattenwurf dazu hat. Die Deckkraft kann man auch noch etwas reduzieren, um einen weicheren Schatten zu bekommen.

Offline jayjay

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Nun noch Ebene auf Hintergrundebene reduzieren und als jpg. speichern.
Und eins zwei fix ist man fertig.
Dann ab in die Bildergalerie.




Offline jayjay

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Ich hoffe es erscheint nicht zu komplex und dem ein oder anderen hilft es bei seiner Tüftelei. Ich freue mich über JEDEN Verbesserungs-/Vereinfachungsvorschlag.

Wo ich mir bisher die Zähne ausbeisse ist der Versuch den Hintergrund von Anfang an fotografisch zu erzeugen. Ich habe dazu bereits mit sattiniertem Plexiglas probiert, mit Tonerpaper als Untergrund und und und. Bisher komme ich da aber noch nicht auf einen grünen Zweig. Vielleicht weiss ja der ein oder andere was.

Viel Spass beim Fotografieren und noch viel wichtiger, beim Sammeln.

Offline loismin

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Hallo Jürgen.

Wirklich anschaulich erklärt und auch das Ergebnis ist sehr schön .
Ich weiß nur für mich nicht, ob ich so viel Geduld aufbringen werde das auch zu machen.
Das ist ja wie selbst ein Bild malen !
Aber wenn ich mal viel Zeit und Geduld habe vielleicht trau ich mich da auch drüber.
Mal sehen !


Gruß
Loismin


Offline joy

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Hallo jayjay,

ein wirklich toller Beitrag, der einerseits Einblick in dein Fotosetting gibt, andererseits aber auch noch eine gelungene Anleitung für den Umgang mit Photoshop und das Freistellen von Mineralien darstellt.

Mein Fotosetting besteht aus einem selbstgebautem vertikalem Stativ, welches Einstellungmöglichkeiten im Zehntelmillimeterbereich hat. (siehe Bild 3). Als Lichtquelle verwende ich mit Gleichstrom betriebene Niedervolt-Halogenlampen (35W). Zur schattenfreien Darstellung und Vermeidung von starken Reflektionen dient das an den Lampen angebrachte Pauspapier (siehe Bild 4). Die Lampen sind an einem selbstgebauten (40cm)³ messenden Holzgestell festgeklemmt. Manchmal verwende ich auch noch die Energiesparlampen um eine gleichnmässige Ausleuchtung bei grösseren Mineralien erzielen zu können.
Ich verwende eine Canon EOS 350D und ein Canon EF-S 60mm USM Objektiv zur Aufnahme. Wird ein kleinere Bildbreite benötigt, so kommt zusätzlich die Raynox Vorsatzlinse MSN-202 zum Einsatz. In diesem Fall zahlt sich die Einstellungsmöglichkeit am Stativ in Zehntelmillimeterschritten aus. Ich verwende beim Fotografieren insgesamt einen kleinen Blendenwert (3.5-4.5). Hierdurch bin ich zwar gezwungen mehrere Aufnahmen zu machen, die ich dann als Stapelaufnahme verarbeite. Die Vorteile hiervon sind aber, dass der Hintergrund (weisser oder schwazer Stoff) nicht im Schärfebereich liegen und die Bildschärfe meiner Meinung nach am grössten ist. (Huygenssches Prinzip, Brechung)


Zur Bildbearbeitung:

Um die Schärfebereiche der Bilder miteinander zu verrechnen, benutze ich die Software CombinZP. Führe erst den Schritt "Align and Balance" aus und dann "Do Stack"
Bei der Verwendung eines dunklen Hintergrunds hat man grundsätzlich weniger/keine Probleme mit dem Schattenwurf des Lichts an den Mineralien. Anders sieht es mit einem weissen Hintergrund aus. Hier muss man schon ein wenig tüfteln, damit das Licht relativ gleichmässig den zu fotografierenden Bildausschnitt ausleuchtet.
Hierbei hilft es die Lichtquellen so zu orientieren, dass sich immer ein Paar gegenübersteht. Kommt man hiermit nicht zu dem gewünschten Erfolg muss man sich mit Photoshop (und andere) Abhilfe schaffen. Ich verfahre hierbei so wie jayjay, indem ich entweder mithilfe des Zauberstabwerkzeugs in Photoshop das Mineral umfahre und dann die Auswahl umkehre und den weissen Hintergrund aufhelle oder indem ich zunächst das Mineral umfahre, die Option Kante verbessern nutze, dann die Auswahl umkehre und die Option Fläche füllen benutze. Jenachdem wie es einem persönlich gefällt, kann man zusätlich Lichteffekte oder Ähnliches hinzufügen.






« Letzte Änderung: 04 Oct 09, 19:05 von joy »

Offline joy

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Bild 3 + 4

Offline joy

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So hier die Ergebnisse:

Bild 1: Pyromorphit Mechernich
Deutschland/Nordrhein-Westfalen/Köln, Bezirk/Euskirchen, Kreis/Mechernich, Stadt/Bleibuir, Ortsteil/Grube Gute Hoffnung
Mineralien fotografieren - Erfahrungsbericht - andere Erfahrungen!


Bild 2: Natrolithaggregat Ortenberg
Deutschland/Hessen/Darmstadt, Bezirk/Wetteraukreis/Ortenberg/Steinbruch am Gaulsberg
Mineralien fotografieren - Erfahrungsbericht - andere Erfahrungen!

Offline joy

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so und hier noch eine Aufnahme von mit Originalhintergrund.

Offline Donat

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Hallo,
Toller Bericht.
Ich selbst  fotografiere nicht so aufwendig. Aber ich habe die Erfahrung gemacht das sich zum Freistellen von Mineralien ein blauer oder grüner Hintergrund am besten eignet. Was auch in der Filmindustrie so praktiziert wird.
Und zum Freistellen benutze ich das Programm "Play With Pictures". Ein reines Freisteller-Programm.
Gruß
Donat

 

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