Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals
realgar und auripigment
Lapislazuli:
Mir ist durchaus bewusst, das der letzte Beitrag hier aus dem Jahr 2009 ist. Da ich aber gerade über das Thema gestolpert bin, dachte ich mir, ich kann hier noch etwas dazu beitragen, falls jemand mal wieder auf der Suche nach Antworten ist und hier mal wieder liest. Ich habe selber einige Jahre Pause hinter mir, bin hier auch schon viele Jahre angemeldet und hab es nun endlich im Weihnachtsurlaub geschafft, meine Mineralien und Fossiliensammlung zu entstauben und bin gerade dabei das was man die letzten Jahre dazu gekauft hat zu Nummerieren und Einzusortieren und meine Vitrinen mit weiteren Glasböden auszustatten.
In meiner Sammlung habe ich auch Realgar, Pararealgar und Auripigment. Es sind auch neue Stücke dazu gekommen, die bisher seit Jahren in Zeitung gewickelt im Keller lagen. Und nun wollte ich gerne meine Beobachtungen dazu Teilen. Die Glasvitrinen stehen in der Diele im Halbschatten, wo sich generell keiner auf hält. Große Fensterscheibe aber Nordseite also kein Sonnenlichteinfall. Die Vitrinen werden von außen mit kleinen Halogenstrahlern (bald LED) beleutet. Die Beleuchtung wird aber nur eingeschaltet wenn mal wirklich jemand das anschauen will. Also seltenst außer jemand vertut sich mal wieder mit dem Lichtschalter. Ist die normale Raumbeleuchtung an, sind die Mineralien im Halbschatten, das Licht der Raumbeleuchtung trifft nicht direkt auf die Realgare.
Nun hab ich begonnen alles zu reinigen und hab eben fest gestellt, das die Realgare sich ganz schön zersetzt haben. Und das eben ohne Sonnenlichteinfall und ohne das sie oft direktem Licht ausgesetzt gewesen wären. Ich kann jetzt nicht mehr genau sagen, wann ich mich das letzte Mal mit der Sammlung beschäftigt habe, das ist schon ein paar Jahre her. Aber man kann jetzt schon ganz gut erkennen, wie der Zerfall voran schreitet. Auf Bild 1 Mitte oben ist eine Realgarstufe zu sehen. Diese ist etwa 10 cm breit. Die Kristalle waren einmal alle schön rot und wunderbar ausgebildet. Hatte ich auf der Mineralienmesse München gekauft. Nun ist das ganze Stück mit einem gelben Pulver überzogen. Ich hab mit einem Pinsel vorsichtig versucht etwas davon runter zu bekommen, ein Teil ist dabei dann abgebröckelt und darum sind stellenweise wieder schöne rote Anteile sichtbar. Die Zeitung auf der ich das gemacht habe wurde natürlich sofort entsorgt und der Pinsel ausgewaschen. Ist aber traurig, was von dem schönen Stück über geblieben ist. Bild 2 Mitte unten zeigt einen Realgar, welcher auch vor ein paar Jahren gekauft wurde, aber eben im Keller in Zeitung eingewickelt verbracht hat und heute ausgepackt wurde. Der sieht noch richtig schön aus, da ist auch nirgends Pararealgar entstanden. Bild 3 zeigt gleich 4 gelbe Mineralien. Eins Mitte links, zwei in der Mitte und eins Mitte rechts. Der Mitte links ist etwa 6 cm x 6 cm, der Bild mitte oben 1,5 cm x 1,5 cm. Beide Stücke waren einst schön rot gefärbte Realgare, sind jetzt auch komplett gelb bepulvert. Der Pararealgar Bild Mitte unten mit 1,5 cm x 3 cm war schon immer so. Bild 3 Mitte rechts zeigt einen kristalinen Auripigment, besser zu sehen in Bild 4. Dieser hatte schon immer diese Farbe und wenn man sich das Pulver um sämtliche der Stücke anschaut, hat er am besten durchgehalten. Aber auch er hat trotz allem das er nicht viel gebröselt hat an Farbe eingebüßt. Auf Bild 5 sieht man seine total beschattete Rückseite und wie schön er einst farbgesättigt ausgesehen hat. Da die Vitrine recht dicht ist, ist auch nicht wirklich viel Staub auf den Stücken, das wird also nicht mehr groß besser werden nach der Reinigung. Was ich jetzt doch interessant finde ist die Tatsache, das um die Stücke die Brösel teils bis zu 30 cm weit weg liegen, obwohl dort keine Bewegung statt gefunden hatte. Das einzige was ich tat war das ich jetzt zum Reinigen die Vitrine einen Meter aus der Ecke gezogen habe um auch dahinter zu reinigen, aber die Brösel waren soweit ich meine auch vorher schon so verteilt gelegen. Ob beim Zersetzen der Kristalle Spannungen auftreten die das zur Folge hätten kann ich so leider nicht sagen. Normal müsste man ja meinen, das Bröselt halt langsam ab und liegt direkt darunter bzw. daneben was es aber ja nicht tut.
Bild 6 bis Bild 8: Es zeigt eine Auripigmentstufe die auch ein paar Jahre im Keller in Zeitung verbracht hat und nun einsortiert wird. Diese Stufe ist etwa 25 cm x 12 cm und von kugeliger Strucktur. Auch diese Stufe kam ohne Brösel aus der Zeitung, ist also noch so orginal wie beim Kauf. Könnte auch von der Mineralienmesse München gewesen sein.
Wie es jetzt mit meinen Realgaren, Pararealgaren und Aurigigmenten weiter geht weiß ich noch nicht. Vielleicht tu ich sie jetzt auch alle weg. Inzwischen hab ich Kinder, die auch mit Interesse da mit zuschauen wenn ich da was mache und dieses bröselige Zeug zu haben ist irgendwie schon sehr riskannt (bisher hatte ich die Vitrinen mit Klebeband zugeklebt das sie keiner aufmachen kann). Das andere ist, das diese neue schöne rote Realgarstufe vermutlich in einem Jahr auch beginnen wird so zu zerfallen, das Resultat sieht man ja. Bei mir lagert alles in Vitrinen weil ich schöne Mineralien sammel weil ich es eben faszinierend finde was die Natur so zustande bringt und es eben sichtbar haben will. Etwas in einer Schachtel einzulagern und es alle 5 Jahre mal heraus zu holen ist halt in meinem Fall eher nichts. Den schönen roten hab ich also eher schon abgeschrieben, bei dem Auripigment am Ende bin ich mir noch nicht so sicher. Vielleicht würde er tatsächlich besser durchhalten, wird aber vermutlich auch etwas an Farbe verlieren und etwas bröseln wird er wohl irgendwann auch, da am Gestein darum herum auch kleine Teile von rotem Realgar sind. Ich würde grad den gerne behalten aber bin eben hin und her gerissen was mehr Sinn macht. Vielleicht doch abgeben und es hebt jemand in einer dunklen Kiste auf und freut sich mal daran wenn er es auf ner Ausstellung ausstellen kann. Mal sehen.
Ich hoffe ich konnte die Zersetzung jetzt einmal etwas veranschaulichen, vielleicht sucht ja mal wieder jemand nach dem Thema. Und nochmal Entschuldigung das ich ein so altes Thema nochmal ausgegraben habe. Ich dachte halt, das passt vielleicht noch zum Abrunden hier ganz gut dazu.
Lapislazuli:
Hier noch die anderen Bilder:
Lynx:
Hallo Edgar
vielen Dank für Deinen sehr ausführlichen und anschaulichen Bericht. Vielleicht kennst Du in diesem Zusammenhang auch diesen Thread https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,53405.0.html
Inzwischen gibt es zu den Mechanismen der lichtinduzierten Umwandlung von Realgar einige wissenschaftliche Untersuchungen, die - soweit ich sie verstehe - zeigen, dass zwar der Prozess durch Licht initiiert wird, aber dann eben sich selbst erhaltend weiterläuft. Eine Beschreibung dazu gibt es im Mineraliensteckbrief von Realgar, und zwar weiter unten in der "ausführlichen Beschreibung". Da lege ich auch gleich noch einen Link auf Deinen Beitrag hin, nachdem Du ja sehr deutlich beschreibst, wie sich das auswirkt.
Danke und Grüße,
Martin
P.S: Kurze Nachfrage in eigener Sache: Ist Dir die ausführliche Beschreibung zu Realgar schon aufgefallen oder muss man da zu weit nach unten scrollen, sodass der Teil dort eigentlich garnicht gesehen wird? Gegebenenfalls müsste nämlich der Steckbrief sonst etwas umorganisiert werden.
Stronkolo:
Hallo Edgar,
bist du sicher das es sich bei dem prächtigen, gut erhaltenen Stück um Realgar handelt ?
Ich halte es für ein künstliches Produkt.
Diese Kreationen, speziell mit dieser Matrix, gab es vor längerer Zeit nicht nur in München.
Wurden als Realgar verkauft. Einfach mal mit Wasser testen.
Grüße
Andreas
Ich glaube es handelte sich um Kaliumdichromat welches zur Züchtung verwendet wurde
heli:
Ich kann mich Andreas bezüglich des angesprochenen Stückes nur anschließen.
Meine Erfahrung mit diesen Mineralien - die sich bei mir allerdings aus Vorsichtsgründen alle in Plastikdosen in Laden befinden - zeigt, dass neben Licht auch die Feuchtigkeit einen deutlichen Einfluss auf die Entwicklung der Stücke haben dürfte.
Das sich abgesprungene Teile in einem gewissen Umfang um die betroffenen Stufen verteilen, ist nicht untypisch. Markasit ist z. B. ein gutes Beispiel dafür.
Grüße
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln