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Autor Thema: Fundstellenangaben bei Geschiebe  (Gelesen 4553 mal)

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Offline Kluftknacker

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Fundstellenangaben bei Geschiebe
« am: 09 Oct 09, 20:42 »
Hallo Sammlervolk!

Während bei den Mineralien die exakte Angabe des Fundortes das A und O ist, am besten noch mit Steinbruchetage, Fundtag usw., sollte es bei Geschiebefunden (meist aus Kiesgruben) laxer sein. Oder?

  • Wie wichtig ist der genaue Fundort? Manchmal liegen die Kiesgruben nur 500 m auseinander. Reicht da nicht eine Ortsangabe, auch wenn die Stücke aus unterschiedlichen Kiesgruben stammen?
  • Ist das Fehlen eines Fundtages/-jahres "wertmindernd"?

Mir ist bekannt, das jede Information wertvoll sein kann - bei Mineralien. Auch bei Geschiebe?

LG
Kluftknacker

Offline trommeln

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Antw:Fundstellenangaben bei Geschiebe
« Antwort #1 am: 10 Oct 09, 09:36 »
Hallo Kluftknacker
Bei Geschiebe gibt es eine Eigenart: Das Leitgestein..
Wenn du also irgendwo Allalingabbro findest, dann weisst du, dass der Rhonegletscher hier durchging.. so hat jeder Gletscher sein "eigenes" Gestein mitgebracht. Ich war letzthin wieder einmal an der Emme und konnte mühelos den Juliergranit, Prasinit und Radiolarit erkennen. Also ist in der Region der Emme einmal ein Gletscher durchgegangen, der vom Julierpass herkam.. nur beim Radiolariten war ich mir nicht sicher, der könnte von der Napfregion herkommen, das Gestein ist von einem älteren Gebirge als die Alpen und der Radiolarit war von besserer Qualität als der aus dem Graubünden. Also ev. älter...

Wenn du nun die Kiesgrube kennst, wo du den Stein gefunden hast (und nicht den Feldweg wo gekiest wurde), dann suche dir doch mal eine Gletscherkarte, ev. gibt dir das Aufschluss über das "Woher" des Geschiebes.
Ich würde also beim Geschiebe sagen: Es stammt aus dem Einzugsgebiet des ....Gletschers


In D gibt es dann noch die Urflüsse
Bei Klewe wird Kies gebaggert am Rhein, der aus der Urmaas stammen soll, dort findet man dann die Maaseier.
Auch bei Heilbronn sind solche Urflüsse gewesen und haben (inzwischen versteinertes) Holz in den Kurven abgelagert (kommen in der Qualität an die amerikanischen heran, also achatartig)
« Letzte Änderung: 10 Oct 09, 09:41 von trommeln »

Offline smoeller

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Antw:Fundstellenangaben bei Geschiebe
« Antwort #2 am: 10 Oct 09, 10:10 »
Hallo,

zu 1.: Wenn die Kiesgrube enen Namen hat (auch der Name des Betreibers), sollte man diesen angeben. Also z.B, Kieswerk abc nördlich xyz, nicht unbedingt hilfreich ist eine Angabe Kiesgrube nördlich xyz oder bei xyz, dann besser mit Entfernungsangabe (Kiesgrube ca. 300 m nördlich xyz).

Bei Strandfunden von der Ostsee gebe ich in der Regel den nächsten Hof oder Campingplatz an.

zu 2.: Fast alle Mineralien und Fossilien werden ohne Angabe des Funddatums verkauft. Einige Sammler geben dieses an. Oft ist das genaue Datum nicht bekannt. Auch werden die Funde oft jahrekang im Keller gesammelt, bis sie formatiert und gereinigt werden. Wer da nicht überall Zettel mit Funddatum dran hat, kann das nicht mehr recherchieren. Ich gebe grundsätzlich bei Eigenfunden Monat und Jahr an. Bei seltenen oder sehr interessanten Stücken kann die Angabe eines Funddatums hilfreich sein. Dann ist aber auch die Angabe von Fundbereich innerhalb einer Kiesgrube von Interesse.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Kluftknacker

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Antw:Fundstellenangaben bei Geschiebe
« Antwort #3 am: 10 Oct 09, 11:32 »
Hallo Sebastian!

zu 1.: Wenn die Kiesgrube enen Namen hat (auch der Name des Betreibers), sollte man diesen angeben. Also z.B, Kieswerk abc nördlich xyz, nicht unbedingt hilfreich ist eine Angabe Kiesgrube nördlich xyz oder bei xyz, dann besser mit Entfernungsangabe (Kiesgrube ca. 300 m nördlich xyz).
soweit klar;

Bei Strandfunden von der Ostsee gebe ich in der Regel den nächsten Hof oder Campingplatz an.
macht das Sinn?
Meine Frage sollte eher akademisch verstanden werden. Wir sprechen nicht vom "Anstehenden" im klassischen Sinne, bei dem auch fazielle Gegebenheiten (bei Mineralien: lagerstättenspezfische G.) eine wichtige Rolle spielen können. Wir haben es (meist) mit einem ungeschichteten Haufen Steine zu tun, die zum größten Teil mit dem Saugbagger nach oben gefördert werden und dann auf Halde liegen. (Siehe hierzu auch meine Anmerkung zum Thema Funddatum unten). Wenn z.B. mehrere Kiesgruben nebeneinander die selbe Grund-/Endmoräne abbauen, dann sollte der Kiesgrubenname eigenlich völlig unwichtig sein. Jeder Kiesgrubenbetreiber pickt sich quasi sein Stein aus einem regellosen Haufen. Wer (=Kiesgrubenname) derjenige ist, sollte dann nebensächlich sein. Also, meine Frage: Reicht nicht der Ortsname aus?
Andererseits, das stelle ich selber fast jedes Wochenende fest, bemerkt der aufmerksame und fachkundige Sammler durchaus feine Unterschiede im Gesteinsangebot auf den Halden. Also doch feinst säuberlich trennen? Das macht bei Leitgeschiebe eigentlich keinen Sinn, es sei denn, man möchte Metergenau die Verbreitung eines Gesteines von seinem Ursprung (dem Anstehenden) dokumentieren. Das macht ja keiner, oder?
Wäre es dann nicht sinnvoller, nur den Ursprung zu vermerken? Es sollte doch eigenlich egal sein, ob ich z.B. ein Rapakiwi aus Lellainen/Finnland an der Ostseeküste oder bei Bremen oder bei Hildesheim oder im Berliner Raum gefunden wurde. Wir wissen alle, der Fundort ist dann "zufällig" entstanden.

zu 2.: Bei seltenen oder sehr interessanten Stücken kann die Angabe eines Funddatums hilfreich sein. Dann ist aber auch die Angabe von Fundbereich innerhalb einer Kiesgrube von Interesse.
Bitte weiter erläutern. Die Kiesgruben haben meist recht kurze Betriebsperioden, entstehen manchmal ganz kurzfristig (Sandgewinnung für Straßenbau). Man kann also nur dokumentieren, dass in einem gewissen Zeitraum dort Kies abgebaut wurde. Eine tageweise Dokumentierung macht meines Erachtens keinen Sinn, denn kein Betreiber führt genau Buch, in welchem Bereich der Grube er seinen "Schnorchel" ansetzt. Bei einem regellosen Haufwerk ist diese Information für Sammler/Wissenschaftlich Interessierte "akademisch".
Auch am Strand: z.B. Brodtener Ufer. Ist es wichtig zu wissen, wann man den Stein dort aufgelesen hat? Welche zusätzlichen Erkenntnisse lassen sich daraus gewinnen?

Ich betrachte hier den häufigsten Fall der Kiesgrube: Naßgewinnung mit Saugpumpe, Klassierer und Halden. Meine Frage läßt sich auch auf die Ostseeküste übetragen, weniger ins Alpenvorland.

Schönes WE
Kluftknacker

Offline Helmi

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Antw:Fundstellenangaben bei Geschiebe
« Antwort #4 am: 10 Oct 09, 15:09 »
Hallo,
Ich bin der gleichen Meinung was den den Strand anbelangt. In meiner Gegend (Ausgleichsküste) macht es überhaupt keinen Sinn einen Fundort genauer als 10km Genauigkeit und das Funddatum anzugeben. Es kann innerhalb eines Tages geschehen, daß die Geschiebe komplett durchmischt werden und damit eine neue Zusammenstellung bzgl. der Gesteinsarten  haben, komplett von Sand bedeckt werden oder von der See wieder ins Wasser befördert werden und dann irgendwo anders wieder an Land zum Vorschein kommen.  Sinnvoll wäre es lediglich bei Funden, die noch  im Sediment des Kliffs eingebettet  waren.
Gruß Helmi

Offline smoeller

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Antw:Fundstellenangaben bei Geschiebe
« Antwort #5 am: 10 Oct 09, 17:46 »
Hallo,

Ich meine, bei sehr seltenen oder außergewöhnlichen Stücken, z.B. Eklogite (sind im Geschiebe sehr selten) oder größerem Resten von Wirbeltieren (Mammutskelett im Sand) kann eine genaue Dokumentation schon was bringen, denn da besteht gegenbenenfalls wissenschaftliches Interesse. Ansonsten kann man das Funddatum halt auch weglassen.

Die Sache ist sicher auch Ansichtssache. Als Wissenschaftler suche ich zu einem Stück möglichst genaue Informationen, und da gehört ein möglichst genauer Fundort dazu. Das behalte ich halt auch als Sammler bei. Bei Strandfunden nehme ich immer den nächsten Campingplatz oder Hof/Ort. Das kann dann auch schon mal 1 km vom tatsächlichen Fundort abweichen.

Grundsätzlich sollte sich eine Angabe eines Fundortes an nachvollziehbaren Angaben (Campingplatz, Hof, Ort, Name der Kiesgrube, größere Straße, Erhebung, Fluß, Funkturm o.ä.) orientieren.

Glück Auf!
Smoeller
« Letzte Änderung: 01 Apr 13, 23:56 von oliverOliver »

Offline RonnyNisz

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Antw:Fundstellenangaben bei Geschiebe
« Antwort #6 am: 11 Oct 09, 12:05 »
Fundortangaben bei Kiesgruben sind generell etwas problematisch. Einige Beispiele:

Oft werden Gruben mit Fremdmaterial wieder verfüllt
In einigen Fällen werden Gleisschotter etc mit verarbeitet und durch die Sortieranlagen geschickt
Zur Erntezeit werden von den Bauern Steine angeliefert, die z.B. bei der Kartoffelernte anfallen
Zwischen mehreren Gruben des selben Betreibers herrscht oft reger Austausch des Materials, wg wirtschaftlichen Anforderungen und verschiedener Sortiertechnik.

Insoweit kann eine Grube durchaus Material enthalten, das aus einigen Dutzend km Entfernung kommt.

Gruß Ronny

 

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