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Autor Thema: Fluorit Skalenoeder ??  (Gelesen 2888 mal)

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Offline Stefan

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Fluorit Skalenoeder ??
« am: 27 Oct 09, 10:26 »
Wie kommt denn sowas zustande? Skalenoeder sind sehr außergewöhnlich  :o

Deutschland/Bayern/Oberpfalz, Bezirk/Schwandorf, Landkreis/Wölsendorf, Revier/Freiung/Grube Cäcilia
Fluorit Skalenoeder ??


Besten Gruß
Stefan

Offline Collector

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Antw:Fluorit Skalenoeder ??
« Antwort #1 am: 27 Oct 09, 10:51 »
Skalenoeder (Zeichnungen 25 – 27a)

Ungewöhnliche Ausbildung von Fluoritkristallen als Produkt von Laugungsvorgängen, welche dem Kristallisationsprozess vorausgegangen sind. Die charakteristische Fläche ist 731, welche zu einem nicht vollständig ausgebildeten Hexakisoktaeder gehört. Da nur etwa 3/4 der Flächen ausgebildet sind, erscheint ein (langgestreckter), skalenoedrischer Habitus. Die Kristallflächen sind manchmal gebogen (konvex), undeutlich, auch rauh oder gestreift. Weitere Flächen sind: 730, 713, 371, 317, 173, 137, 001, 010, 100. Die bekanntesten skalenoedrischen Kristalle stammen aus der Grube Cäcilia (Wölsendorfer Revier, 1963), Grube Heilige Dreifaltigkeit bei Zschopau (Sachsen, 1796) und von Elmwood (Tennessee, 1982). Unechte Skalenoeder sind in der Regel Pseudomorphosen von Fluorit nach skalenoedrischen Kristallen, meist Calcit.


> s.a. Mineralienportrait/Fluorit/Kristallformen und Aggregate

Gruß
collector

Offline berthold

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Antw:Fluorit Skalenoeder ??
« Antwort #2 am: 27 Oct 09, 13:46 »
Hallo,

die wohl beste Arbeit über diese Form liegt mit dem Aufsatz von Prof. Ekkehard Preuss im Lapis 6/1981 "Skalenoedrische Flußspat-Kristalle von Wölsendorf und Zschopau" 1) vor. Dort sind auch - neben zahlreichen Fotos - Kristallzeichnungen und genetische Betrachtungen anschaulich ausgeführt. Weitere Beschreibungen finden sich in 2) und 3). Mein Foto oben zeigt "Skalenoeder" einer Stufe der ehem. Sammlung Preuss (jetzt in meiner Sammlung) anhand der die ersten Messungen und Beschreibungen vorgenommen wurden.

Im Sommer 1963 wurde von H. Ziehr und E. Preuss in einer Lauggungszone der Grube Cäcilia in 190 Meter Teufe diese weingelben Fluoritkristalle mit eigenartiger Gestalt gefunden. Goniometrische Messungen ergaben, daß die Flächen als {731} zu einem Hexakisoktaeder (48-Flächner) gehören, diese Tracht aber in der Regel nicht vollständig ausgebildet ist. Es fehlen 3/4 der Flächen, so daß eine "Skalenoeder-artiger" Habitus erscheint. Oft sind noch kleine (gerne stark glänzende) Würfelflächen erhalten, die 731-Flächen jedoch unscharf, manchmal  gebogen und rauh oder mit Kombinationssteifung gerieft. Weiterhin auftretende 730-Flächen erschweren eine Indizierung.

Wie ich in meinem Aufsatz 4) ausgeführt habe führen bei Fluorit besonders Lösungsvorgänge zu "chaotischen" Kristallformen mit hohen Indizes und oft nicht vollständiger oder/und unausgewogener Trachtentwicklung (da zeige ich eine Tracht mit (830)-Flächen). "Chaotische" Formen durch Lösung sind übrigens nicht nur bei Fluorit sondern bei kubischen Mineralien ganz unterschiedlicher Natur immer wieder festzustellen. Die neurdings in den Handel gekommenen pilzförmigen Fluorite aus Namibia dürften (wo es keine Fälschungen sind) ebenfalls auf Lösungsvorgänge zurückzuführen sein.

Gruß
Berthold

1) PREUSS, E., "Skalenoedrische Flußspat-Kristalle mit {731} von Wölsendorf und Zschopau", Lapis 6, Heft 1, München 1981, S. 9-14
2) PREUSS, E. & ZIEHR, H., "Skalenoedrische Flußspatkristalle mit der Form (731) von der Grube Cäcilia/Nabburg", Zeitschrift für Kristallographie, 146, S. 131ff, 1977
3) PREUSS, E. & ZIEHR, H., "Eigenartige Flußspatkristalle aus dem Nabburg-Wölsendorfer Revier", Der Aufschluss 14 1962, Heft 12, S. 313-314
4) WEBER, B. (2009) Pyramidenwürfel: Seltene Kristallformen des Wölsendorfer Fluorits und ihre Bedeutung für die Bildungsbedingungen. Der Aufschluss 60: S. 195-201