Hallo Benjamin!
Selbst ein richtig gewaltiger Impakt kratzt ein bisschen am Gestein herum. Er erzeugt Drücke von ein paar Gigapascal und Temperaturen von max. um die 10.000 Kelvin. Das ist... gar nichts, verglichen mit den Kräften, die einen Atomkern zusammenhalten. In extremis kommen bei einem großen Impakt ein paar Tonnen Diamanten heraus, und das war es schon.
Hätte ein Megaimpakt Auswirkungen auf die atomare Struktur der Materie, würden die entsprechenden Krater von exotischen Isotopen nur so wimmeln. Dem ist aber nachweislich nicht so.
Man muss zwischen den Kräften, die die Komponenten des Atomkerns zusammenhalten, und denen, mit denen die Atome untereinander wechselwirken, differenzieren. Ein Impakt kann Atome gegeneinander verschieben (Stichwort: planare Elemente in Kristallen), aber er kann
nicht die Kerne beeinflussen.
Während man mit dem Fingernagel die Bindung der Kohlenstoffatome in einem Stück Kohle untereinander aufheben kann, werden zur Beeinflussung der Kerne unvorstellbare Drücke und Temperaturen (mehrere Zehnermillionen Grad) benötigt.
Das heisst aber das es durchaus Parameter gibt, die eine Beeinflussung ermöglichen.
Ja, bspw. der theoretisch postulierte Protonenzerfall. Angeblich sind Protonen langfristig nicht stabil und unterliegen selbst einem Zerfall. Dadurch würde sich der Atomkern und damit seine radioaktiven Zerfallseigenschaften verändern. Das wurde bislang experimentell nicht nachgewiesen, weil die berechnete Halbwertszeit so hoch ist, dass das Universum an sich noch nicht alt genug ist, um bisher überhaupt einen einzigen Protonenzerfall erlebt zu haben.
Auch die extreme Krümmung der Raumzeit (gemeinhin als Gravitation bezeichnet) in der Nähe der von Frank erwähnten Neutronensterne oder Schwarzen Löcher hat bisher nur theoretisch errechnete Auswirkungen auf Atomkerne und damit deren radioaktiven Zerfall. Nun beschäftigen wir uns aber mit der Radioisotopen-Datierung von nur max. 4,5 Milliarden Jahre alten Gesteinen (etwas Älteres ist in unserem Sonnensystem leider nicht geboten), und dies eben im Bezugsrahmen unseres Sonnensystems, für das die hundsnormale Raumzeitkrümmung einer stinknormalen Mittelklassesonne gilt.
Die Esoteriker haben aber mit der Orgonenergie (hat einer in München die große Pyramide im Eingangsbereich der "Wellness-Halle" gesehen? Die dient zu deren "Fokussierung"

) ein unfehlbares und von ihnen wissenschaftlich bewiesenes Mittel zur Beschleunigung des Kernzerfalls gefunden. Das ist auch der Grund, warum momentan mirakulöser Weise täglich Tausende Tonnen radioaktiver Abfälle aus den Zwischenlagern verschwinden und in Form harmlosen, nichtaktiven Baustahls die chinesische Bauindustrie beflügeln

Nein, ganz im Ernst, eine auf der Erde praktikable Methode, die Halbwertszeit eines Elements zu beeinflussen, wäre genauso viel wert wie eine Maschine zur Goldherstellung aus Plastiktüten.
Es gibt noch die Möglichkeit, Isotopen radioaktiv zu bestrahlen, um durch Kernspaltung andere Elemente zu erzeugen ("Schneller Brüter"). Dies muss in einem Kernreaktor gemacht werden, womit sich mülltechnisch die Katze in den Schwanz beisst, denn als Strahlenquelle wird weiteres radioaktives Material benötigt, das anschließend dann ebenfalls...
In der Natur kommt es nicht vor, dass zu datierende Proben neben hoch angereichertem Uran (HEU) oder Plutonium liegen und dadurch beeinflusst werden. Beide Substanzen sind künstlichen Ursprungs, bzw. Plutonium entsteht nur bei Supernovaexplosionen und zerfällt anschließend so rasch, dass es in später aus den Explosionsüberresten entstandenen Planeten nicht mehr vorkommt.
Insgesamt gibt es im Rahmen der Bedingungen auf der Erde und im Sonnensystem keinen Mechanismus, der die Radioisotopenuhr geologischer Proben verfälscht.
Gruß,
Rainer