Hallo,
nach über einstündiger Betrachtung unter dem Mikroskop, zahlreichen Überlegungen, Winkelmessungen, Internet-Recherche und Hinweisen (auch hier: Danke) bin ich sicher:
Meine beiden Stücke sind Fälschungen. Ich halte es für möglich dass es auch echte Szepter gibt, die waren aber nur Vorbild für die Fälschungen die scheinbar recht zahlreich auf dem Markt sind. Angeblich hat es eine einzige Druse gegeben - aus der etwa 120 Stück
6) kamen (nur in München habe ich mehr gesehen)
Da diese Fälschungen wirklich gut gemacht sind ist die Erkennung und Beweisführung nicht einfach. Zunächst: Zu vermuten ist ein Produktionsverfahren wie vom Thomas beschrieben.
Als Rohmaterial diente ein -in Wachstumsrichtung farblich verlaufendes- gut kristallines Fluoritstück (Kristall oder Kristallbruchstück). Anhand der noch sichtbaren Bearbeitungsspuren und der kristallographischen Orientierung ist die Formgebung durch mechanische Bearbeitung wie in der Zeichnung im Anhang dargestellt erfolgt. Als letzter Schritt wurden die Kustwerke geätzt.
Schritt 1: Ein längliches Fluoritstück mit Farbwechsel in Wachstumsrichtung wird in
Schritt 2: am oberen Ende durch einfache Spaltung in Oktaeder-Pyramidenform gebracht.
Schritt 3 und
4 Die Verjüngung und den Stiel herzustellen geht ist mit mehr Aufwand verbunden, da hier nicht mehr einfach gespaten werden kann. Folglich sind auf der Pyramiden-Unterseite und am Stiel keine ebenen Flächen und recht eigentümliche Krümmungen zu sehen. Auflösungserscheinungen am Fluorit führen nach zahlreichen Beobachtungen (sehr oft) zu schwer bestimmbaren, hoch indizierten Flächen. In dem Zusammenhang möchte ich an die (731) "Skalenoeder", an die Elmwood Pyramidenwurzeln oder an die Wölsendorfer (830)-Formen erinnern, siehe auch
1)-
4). Indizierbare Flächen liegen bei diesen Fälschungen nicht vor. Deutlich und sicher unter dem Mikroskop am Übergang vom Stiel zur Pyramide erkennbare Schleifspuren (siehe Ausschnitt aus zweitem Foto, unter dem Bino bei geeigenter Lichtführung viel besser zu erkennen) beweisen die Bearbeitung. Einige in
5 rot markierte scheinbare Flächen sind kristallographisch schwer nachvollziehbar (natürlicherweise wären eher (110) Flächen zu erwarten, die sind nicht vorhanden) und nur manchmal vorhanden. Diese in unterschiedlichen Neigungen angebrachte Flächen (einer Pyramide zweiter Stellung) dienten vermutlich zur Abrundung um die "Pilz-Form" zu verstärken. Als lezter Schritt wurden die Pilze geätzt. Dabei kann man feststellen dass die Pilz-Unterseite wesentlich stärker geätzt wurde als die Oktaeder-Pyramide. Zuerst dachte ich, dass die glatten Spaltflächen vermutlich weniger Angriffspunkte für die Säure geben
5) und dass die Ätzung in einem Schritt erfolgt wäre. Erstere Aussage ist wohl zutreffend, doch die vermuteten Kaolin-Lehmrückstände legen eine andere Vermutung nahe: Um die gesamte Form nicht zu sehr durch Ätzung zu beschädigen wurde die Pyramide nach dem ersten Ätz-Vorgang eingekittet um den Stiel möglichst optimal weiterätzen zu können.
Gruß
Berthold
1) WEBER, B. (2009) Pyramidenwürfel: Seltene Kristallformen des Wölsendorfer Fluorits und ihre Bedeutung für die Bildungsbedingungen. Der Aufschluss 60: S. 195-201
2) PREUSS, E., (1981) Skalenoedrische Flußspat-Kristalle mit {731} von Wölsendorf und Zschopau, Lapis 6, Heft 1, München 1981, S. 9-14
3) PREUSS, E. & ZIEHR, H., (1977) Skalenoedrische Flußspatkristalle mit der Form (731) von der Grube Cäcilia/Nabburg, Zeitschrift für Kristallographie, 146, S. 131ff
4) PREUSS, E. & ZIEHR, H. (1962) Eigenartige Flußspatkristalle aus dem Nabburg-Wölsendorfer Revier, Der Aufschluss 14:, Heft 12, S. 313-314
5) J. CAMA, L. ZHANG, G. DE GIUDICI, J.M. SOLER, R.S. ARVIDSON AND A. LUTTGE (2009) Dissolution of fluorite (111) cleavage surface in acid pH: VSI, AFM and Monte Carlo simulations, Goldschmidt Conference Abstracts A189
6)
http://www.trinityminerals.com/tucson2009/specials.shtml (05.11.2009)