Gesteine / Rocks / Rocas > Deutschland / Germany
Bestimmung Massenkalk / Stylolith
triassammler:
Hallo Benjamin!
--- Zitat ---Habe ich das richtig verstanden: Das Gestein ist noch relativ weich. Es kommt zu einer Druckveränderung (stärkerer Druck oder z. B. seitlicher Druck) und das Gestein wird sozusagen verschoben?
--- Ende Zitat ---
Nicht ganz. Das Gestein ist im Gegenteil schon voll verfestigt (sonst würden die Scherflächen "verschmieren" und wären nicht so klar ausgeprägt).
Es kommt entlang von Schicht- oder Kluftflächen zuerst einmal zur Lösung des Kalksteins. Das Gestein im Hangenden drückt nach; beide Flächen pressen sich ineinander, wobei Unebenheiten wie Stempel wirken, die in das jeweilige Gegenstück hineindrücken. Im Bereich dieser Kontakte kommt es zu verstärkter Lösung (sog. Drucklösung, resultierend aus einem im Detail komplizierten Zusammenspiel zwischen CO2-Partialdruck und Umgebungsdruck sowie Wasserzufuhr durch Oberflächenspannung) des Gesteins, womit die Unebenheiten noch stärker herausgearbeitet werden, womit sich dann wieder die Drucklösung verstärkt, usf. Das Ineinanderpressen beider Flächen sorgt gleichzeitig dafür, dass die Ränder von Unebenheiten sauber abgeschert werden - es entstehen die typisch säulenförmigen Stylolithen.
Der Prozess läuft erst ab einer gewissen Gesteinsauflast ab; in Gesteinen, die oberflächlich zu Tage liegen, findet er nicht mehr statt, weil der Auflastdruck fehlt.
Je nach der Dauer, die der Lösungsprozess anhält, können die Teile mehrere Dezimeter lang werden! Sie geben damit ein ungefähres Maß, um wie viel die Lösung die Schichtmächtigkeit reduziert hat. Das ist machmal erstaunlich, wenn einem klar wird, dass auf diese Weise ein massives Gesteinspaket um mehrere Meter zusammensacken kann, ohne dass man das auf den ersten Blick bemerkt.
Gelegentlich bilden Fossilien, die der Lösung etwas besser widerstanden haben als die Kalkmatrix, den "Kopf" eines solchen Stylolithen"stempels".
Außerdem finde ich sehr wohl, dass ein so gut ausgeprägtes Stück wie Deines seinen Platz in einer Gesteinssammlung finden darf. Wie Du richtig bemerkst, eignet sich das auch sehr gut als Anschauungsobjekt.
Ziemlich häufig werden Stylolithen mit fossilem Holz, Knochen und anderem verwechselt. Von daher finde ich es sinnvoll, wenn Sammler darüber bescheid wissen.
Gruß,
Rainer
Goldi85:
Hallo,
mir fällt bei dem Thema gerade ein größeres Gesteinsstück ein, welches ich vor einigen Jahren ebenfalls mal im Massenkalk (Biebertal bei Wetzlar) gefunden habe. Ich konnte mir die Bildung noch nicht erklären und habs noch irgendwo eingelagert- daher schon mal danke für die Aufklärung ;D
Aber meine Frage dazu: können diese Stylolithen auch radial angeordnet sein? Wie ist das dann zu erklären?
Gruß Daniel
triassammler:
Hallo Daniel,
richtig radial können sie nicht angeordnet sein, weil sie immer parallel zur wirkenden Kraft verlaufen und diese in eine Richtung gerichtet ist. Was jedoch möglich ist, ist, dass sie um einen kegelförmigen "Stempel" herum angeordnet sind, nämlich dann, wenn der Auflastdruck bei gegebener Gesteinshärte nicht ausreicht, um exakt senkrechte Abscherungen zu bewerkstelligen. Meinst Du das mit "radial"?
Im Zweifelsfall müsste man das fragliche Stück mal sehen.
Gruß,
Rainer
Goldi85:
Hallo Rainer,
hmm.. nein, die "Strahlen" sind echt radial von einem Zentrum ausgehend angeordnet. Hatte mich auch schon gewundert, da ich mir nicht erklären konnte, wie sich da der Druck aufbauen konnte... müsste ja dann gleichmäßig in alle Richtungen vom Mittelpunkt ausgegangen sein oder anders herum. Was ich irgendwie für nicht möglich halte ;D
Kristalliner Calcit, wie man ihn von Tropfsteinen kennt, ist es auch nicht.
Ich werde das Stück morgen mal fotografieren, liegt noch bei uns im Garten.
Gruß Daniel
triassammler:
Hallo Daniel,
alles klar, wenn ich das Stücke sehe kann ich vielleicht mehr dazu sagen. Bin gespannt!
Gruß,
Rainer
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln