Hallo Popeye,
schön, daß Du Dich der Diskussion stellst. Was die Ausdrucksweise angeht ist es sicher eine Frage des persönlichen Geschmacks, und über den lässt sich bekanntlich nicht streiten. Die Bezeichnung " doof " hat jedenfall etwas beleidigendes. " Langweilig " hätte es auch getan und wäre genau so provokant gewesen. Aber egal, Du hast ja in Deinem zweiten Beitrag klar gemacht, daß Du es auch anders kannst.
Deine Ansichten zum Thema Achat zeigen deutlich, daß Du Dich noch nicht näher mit dem Thema Achat befasst hast. Das ist ja auch nicht schlimm, wenn´s Dich nicht interessiert. Gleichzeitig möchte ich Dich aber auch warnen, dies zu tun. Es könnte nämlich sehr gut sein, daß Du dann nicht mehr davon loskommst. Wenn man die drei Bereiche Mineralien, Fossilien und Achate genauer betrachtet fällt auf, daß die Mineralien hinsichtlich Ihrer Entstehung, Zusammensetzung, Verbreitung etc. sicher am besten erforscht sind. Bei den Achaten liegt noch sehr, sehr viel im Dunkeln bzw. basieren alle Theorien zum Großteil auf Vermutungen. Bernd hat ja schon die Liesegangschen Ringe erwähnt. Sicher ist es Dir aber nicht bekannt, daß die eigentliche Entstehung der Achate noch nicht detailliert wissenschaftlich nachgewiesen ist. Die bisher wahrscheinlichste Theorie stammt von Landmesser und auch zu dieser gibt es eine Vielzahl von Achaten, die damit nicht im Einklang stehen. Du siehst, es gibt zum Thema Achat noch sehr viel Forschungsarbeit zu leisten. Dein größter Irrtum ist jedoch, daß es zu diesem Thema keine scharfen Diskussionen gibt. Lass Dir berichten, daß es über die Entstehungtheorie schon zu Todfeindschaften zwischen rennomierten Spezialisten gekommen ist und sicher auch weiter kommen wird. Dagegen ist Deine " provokante " Meinungsäußerung Liebesgeflüster.
Auch ist das Thema Achat sehr vielschichtig. Es gibt viele verschiedene Achatvarianten. Neben den " normalen " gebänderten Achaten gibts solche mit eingewachsenen Pseudomorphosen ehemaliger Kristalle, es gibt sog. Moose, Plumes, Dendriten, Röhren, Tuben, Lithophysen, usw. Es gibt Geröllachate aus bestehenden oder ehemaligen Flussläufen ( wo war denn bloß die Primärlagerstätte ?? ), Es gibt Rhyolitachate, Polygonalachate, Wegeler und was weiß ich nicht alles für unterschiedliche Varianten. Manche Sammler beschäftigen sich ein Leben lang nur mit einer einzigen dieser Varianten. Oder schau Dir mal einen Achat unter dem Stereomikroskop an. Es ist einfach faszinierend, was die Natur da geschaffen hat. Das Sammeln von Achaten ist mindestens genau so spannend und auch Anstrengend wie das Sammeln von Mineralien. Manchnmal muß man sie nur aufheben ( leider wirklich nur manchmal ), manchmal muß man sie in Tagelanger Knochenarbeit ausbuddeln oder aus massivem Gestein bergen. Manchmall findet man einen ganzen Sack voll, manchmal keinen einen. Und dann ist da noch die Spannung vor dem sägen. Der rohe Achat wird meist schon beim Fund von allen Seiten betrachtet. Wie wird er wohl von innen aussehen? Hier ist ein Auge, da ist etwas von der Bänderung zu erkennen. Hier ein wenig rot, da ein wenig gelb. Man kann es kaum erwarten, Ihn zu Hause zu sägen. Ist wohl am besten mit den Micromounts zu vergleichen, wenn man einen besonders interessant erscheinenden Auswürfling oder einen Erzbrocken aus der Halde findet.
Vielleicht würdest Du es anders sehen, wenn die Achatsammler in Deutschland nicht eine relativ kleine Gemeinde wären, jedenfalls im Vergleich zu den Mineraliensammlern. So finden viele Diskussionen in einem kleineren Kreis statt und dringen nicht so sehr an die Öffentlichkeit. In den USA zum Beispiel ist das völlig anders. Hier sind Achate mindestens so beliebt wie Mineralien. Auch ist es bei uns deutlich schwieriger, Achate zu finden als Mineralien. Die Aufschlüsse sind halt nicht so zahlreich und die Fundstellen eher unregelmäßig verteilt. Leider. Naja, und dann die Ausbeute. Was glaubst Du, wieviele Achat man sammeln und sägen muß, um ein optisch interessantes Stück zu finden? Wieviele Achate haben Risse, was für manche genau so störend ist wie abgebrochene Kristallspitzen. Wie bei den Mineralien sind die fotografierten und veröffentlichten Achate nur die Spitze des Eisberges, genau wie bei den Mineralien.
Ebenfalls eine große Herausforderung ist die Verarbeitung. Mal eben sägen und schleifen is nich. Dazu gehört neben einiger Erfahrung entsprechendes technisches Gerät. Von den drei Gruppen Mineralien, Fossilien und Achaten sind letztere sicher am schwierigsten zu bearbeiten ( ohne das präparieren von Fossilien unterschätzen zu wollen und ohne die Totalpräparation eines Sauriers ). Wer kann es sich schon leisten mehrere 1000€ für das Equipment zu inverstieren ? Klar, es gibt auch selbstgebastelte Maschinen die wesentlich preiswerter sind und mit denen man brauchbare Ergebnisse erzielen kann. Aber wer hat schon die Zeit und das Geschick, sich sowas zu bauen. Dem zur Folge muß doch an Achaten was dran sein, wenn sich trotz aller Hindernisse so viele Menschen dafür begeistern.
Ach ja, der chemisch physikalische Hintergrund oder kurz gesagt, die Wissenschaftliche Seite. Geh doch bitte mal auf eine Mineralienbörse und frage hundert Mineraliensammler nach der chemischen Formel von Fluorit. Was glaubst Du, wieviele Sammler sich dafür keinen Deut interessieren. Na und

? Ich denke die meissten Sammler, egal ob Mineralien oder Achate, scheren sich einen Dreck um die chemisch physikalischen Hintergründe. Das sind immer nur wenige, die sich tief in die Materie einarbeiten. Haben die nun keine Berechtigung zum Sammeln ?? Oder ist eine Stufe in der Sammlung eines nach optischen Gesichtspunkten sammelnden weniger wert ? Sicherlich nicht.
Ich denke Deine Ablehnung gegenüber Achaten ist einfach aus der Unwissenheit geboren. Das meine ich jetzt nicht provokativ, man kann ja auch nicht alles wissen und sich auch nicht für alles interessieren. Es gibt bei uns so ein schönes altes Sprichwort:
Wat de Buur nit kennt, dat frisst dä nit. ( Translate : Was der Bauer nicht kennt, daß isst er nicht )
Lern es kennen und Du wirst es Essen

Gruß
Ralf