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Autor Thema: "hitec" Öl - und doch kein Ende?  (Gelesen 7514 mal)

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Offline Wasserhund

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    • Wasserhund
"hitec" Öl - und doch kein Ende?
« am: 11 Mar 10, 13:37 »
Öl - und doch kein Ende?

Stammt Erdöl wirklich aus Millionen Jahre alten Zersetzungsprozessen von Meeresfossilien - oder entsteht der Rohstoff möglicherweise ganz anders?

Aus dem russischen Romashkino-Ölfeld, dem größten Ölfeld Europas, wurde Ende der 1990er Jahre nur noch Wasser gepumpt. Mit einigen Jahren Abstand förderten die Maschinen im Jahr 2002 plötzlich wieder Erdöl. Wie kann das sein? Mehr noch: Es war ein anderes Öl, als das ursprünglich geförderte - das kann man mit einem sogenannten isotopischen Fingerabdruck feststellen.

Doch woher stammt dieses Öl? 90 Prozent aller Materie der Erde entsteht im Erdmantel unter hohem Druck und Hitze, wo sich Moleküle fortdauernd neu arrangieren. Russische Wissenschaftler folgen nach dem Romashkino-Vorfall dieser Spur: Könnte es sein, dass unter hohem Druck in 120 bis 240 Kilometern Erdtiefe aus Wasserstoff und Kohlenstoff zusammen mit Eisenoxid Erdöl entsteht? Die Ergebnisse der russischen Forscher aus dem Hochdrucklabor scheinen plausibel zu sein - immerhin hat sie die Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht.

Stimmten ihre Resultat, würde Erdöl ständig neu entstehen und die Ölindustrie müsste mit der Suche nach dem Rohstoff erst richtig anfangen. Aber wer hat ein Interesse, diese Ergebnisse überhaupt weiter zu erforschen? Seit Jahrzehnten wird angekündigt, dass das Öl nun bald zur Neige geht. Der Gewinn im Ölgeschäft hängt unmittelbar daran, dass ein - unberechenbar - knappes Gut gehandelt wird. Alles andere verdirbt die Preise.

hitec bohrt nach, was an dieser und an anderen irritierenden Nachrichten aus Wissenschaft und Wirtschaft rund ums Erdöl dran ist.


Sendedaten von 3Sat:
15.03.2010, 21.30 Uhr
21.03.2010, 16.00 Uhr


Im Forum gab es auch schon eine Diskussion zum Thema:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,23891.0.html

Grüße,

Offline berthold

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Antw:"hitec" Öl - und doch kein Ende?
« Antwort #1 am: 11 Mar 10, 14:10 »
Hallo,

Zitat
Die Ergebnisse der russischen Forscher aus dem Hochdrucklabor scheinen plausibel zu sein - immerhin hat sie die Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht.

Das habe ich jetzt schon mehrfach gehört - aber den betreffenden Artikel im Science.Magazin konnte ich bislang trotz längerer Suche nicht finden. Gibt es den Artikel wirklich oder ist der auch nur eine Erfindung der Erdöl-Kreatonisten? Über eine genaue Literaturangabe würde ich mich freuen.

Gruß
Berthold

Offline Doc Diether

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Antw:"hitec" Öl - und doch kein Ende?
« Antwort #2 am: 11 Mar 10, 16:22 »
das mit dem Erdöl, was sich auch anders bilden kann, ist ein uralter Hut. Einer meiner Studienkollegen hat in seiner Doktorarbeit 1975 Erdöl "synthetisiert" aus Klärschlamm und Hausmüll mit Hilfe eines Katalysators, Druck, Hitze etc.
Gruß
Doc Diether

Offline triassammler

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Antw:"hitec" Öl - und doch kein Ende?
« Antwort #3 am: 12 Mar 10, 00:54 »
Hallo,

da die geologischen Strukturen, in denen sich Erdöl bildet und ansammelt, nicht nur in Jura und Kreidezeit zustande kamen, sondern sich auch in nachfolgenden Perioden gebildet haben und teilweise ihre Bildung bis heute nicht abgeschlossen ist, entsteht natürlich auch nach wie vor laufend neues Erdöl (wenn auch bei weitem nicht in der Menge, wie es die Produktivität der Biomasse während der Treibhauszeit in Jura und Kreide erlaubt hat). Der Knackpunkt ist nur, dass Erdöl nicht gleich Erdöl ist. Um für den Menschen technisch verwertbar zu sein, muss es in einem bestimmten Reifegrad (man spricht hier von der Maturität des Erdöls) vorliegen - die Kohlenstoffketten müssen in einer bestimmten Länge vorliegen, komplexe organische Restverbindungen müssen abgebaut sein, und Spurenelemente wie Schwefel sollten weitgehend entfernt sein. Ansonsten würde die Renigung und Raffinierung der geförderten Substanz mehr Energie erfordern, als die Endprodukte später wieder freizusetzen in der Lage sind. Und um diesen erforderlichen Maturitätsgrad zu erreichen, sind geeignete geologische Bedingungen und viel Zeit erforderlich. Es geht einfach nicht, dass eine Lagerstätte innerhalb eines Menschenlebens flux neues Erdöl "nachproduziert".

Das Verhältnis zwischen der zur Gewinnung und Raffination aufgewendeten Energie und dem Energiegehalt des Endprodukts ist übrigens DER Faktor, der mehr noch als die grundlegende Kapazität der derzeit bekannten Lagerstätten das Ende des Erdölzeitalters definiert: Wenn wir Erdöl bzw. seine Produkte überwiegend zur Energieerzeugung nutzen, kommen wir schneller an den Punkt, dass uns zwar nicht das Öl, wohl aber die Energie zu seiner Gewinnung ausgeht, nämlich dann, wenn wir mehr Erdöl-erzeugte Energie benötigen, um es zu gewinnen, als die gewonnene Menge anschließend an Energie freizusetzen in der Lage ist.
Wie Doc Diether sagt, ist es im Prinzip keinerlei Problem, quasi beliebige Mengen "Erdöls" in ganz kurzer Zeit künstlich zu synthetisieren, solange die benötigte Menge an Biomasse vorhanden ist. Dies ist seit Jahrzehnten bekannt. Das Problem ist nur, dass enorm viel Energie in diese Synthese gesteckt werden muss, was sie völlig unrentabel macht, und "unrentabel" ist nicht in pekuniärer Hinsicht gemeint. Was Erdöl und seine Produkte als "Spezialanwendungen" in der Pharmazeutik, Technik, Chemie etc. angeht: Die in diesen Zweigen benötigten Mengen wären mit entsprechendem Energieaufwand aus Klärschlamm, Mist, Gülle, Biomüll, Pflanzenabfall usw. herstellbar - aber nicht, wenn wir Erdöl verbrennen müssen, um diese Energie zu erzeugen!

Zitat
Stimmten ihre Resultat, würde Erdöl ständig neu entstehen und die Ölindustrie müsste mit der Suche nach dem Rohstoff erst richtig anfangen.
"Stimmten die Resultate" muss zuerst einmal untersucht werden, von welchen Mengen ausgegangen werden kann. Und bei allem Respekt für die Fortschritte in der Bohrtechnik - wir kratzen bisher mit den tiefsten Bohrungen gerade einmal an der Oberfläche der Erdkruste! Wer glaubt, dass es vor dem Peak Oil (oder jemals) möglich sein wird, in 120 bis 240 km Tiefe (!) vorzudringen, ist ein hoffnungsloser Utopist. Die dazu benötigten Werkstoffe, die in der Lage wären, den dort herrschenden Drücken und Temperaturen standzuhalten, wären so grandios, dass sie uns ohnehin bspw. den Bau von Fusionsreaktoren oder riesigen Solarkraftwerken in der Erdumlaufbahn erlauben würden - das ist auch nicht utopischer als das andere. Alles andere wäre so, als hätte der Mensch den Laser und den Computer nur erfunden, um einen möglichst ebenmäßigen Faustkeil aus einem Stück Stein schneiden zu können, um damit optimal auf die Jagd gehen zu können...

Ich kann nur eindringlich davor warnen, das "Ende des Öls" sowohl überdramatisch als das Ende der Menschheit zu fürchten, als auch überoptimistisch sich an jeden Strohhalm zum Thema "anorganisches Erdöl", "Erdölneubildung" oder "künstliche Synthese" zu klammern, sondern sage einfach, dass jeder allmählich erkennen muss, dass Erdöl nicht mehr sinnlos in unvorstellbaren Mengen durch Automotoren und Kraftwerke gejagt werden kann, und dass hierfür schnell Alternativen gefunden und ausgebaut werden müssen. Alles andere erinnert fatal an den Ackerbau in der Wüste nach dem Motto: "Das Wasser wird weniger - macht nix, dann machen wir den Brunnen tiefer - und wenn der irgendwann nicht mehr tief genug ist? - dann machen wir ihn noch tiefer - dann brauchen wir aber Zugtiere, die das Wasser fördern, und die brauchen Wasser - kein Problem, dann bauen wir noch ein paar neue Brunnen um sie zu versorgen"  ::)

Gruß,
Rainer

PS: Was ist eigentlich aus der Kalten Fusion geworden?  ;)

Offline berthold

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Antw:"hitec" Öl - und doch kein Ende?
« Antwort #4 am: 12 Mar 10, 08:41 »
Hallo,

Zitat
Was ist eigentlich aus der Kalten Fusion geworden?

Nichts. Jeder angebliche Erfolg hat der Überprüfung nicht Stand gehalten. Zuletzt:

http://www.faz.net/s/Rub163D8A6908014952B0FB3DB178F372D4/Doc~E30AC4CCC7CBA405C88726FDE528EAFAB~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Aber warum eigentlich Öl? Fahren wir doch mit Wasser (1 Liter Wasser auf 80 Kilometer): http://www.wasserauto.de/ und Energie erzeugen wir mit Magent-Generatoren: http://www.wfg-gk.de/freieenergie6.html

Das Internet ist voll von Seiten der Energie-Kreatonisten. Nicht immer ist das so offensichtlich wie beim Wasserauto. Was mich nur wirklich ärgert: Immer wieder stammeln unsere Medien diesen Unfug ungeprüft nach. 

Oh Herr, lass Hirn vom Himmel fallen!

Gruß
Berthold

PS: auf das Science-Literaturzitat ware ich noch.

Offline triassammler

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Antw:"hitec" Öl - und doch kein Ende?
« Antwort #5 am: 12 Mar 10, 10:57 »
Hallo Bethold,

schöne Beispiele hast Du da angeführt  ;D Ich bin immer wieder begeistert, wie zwar jeder Mensch sich von früh bis spät in seinem Alltagsleben auf die stete Gültigkeit der Gesetze der Thermodynamik verlässt, manche aber offensichtlich keinerlei Probleme damit haben, sie zu ignorieren, wenn es ihnen opportun erscheint. Der Permamagnet-Motor hat mich richtig betört, und dass sich bei seinem Betrieb lt. Darstellung auf der von Dir referenzierten Website anscheinend die Magnete bzw. ihre Feldstärke auch noch "verbrauchen"...  ;) Spätestens hier sollte jeder, der in der Schule aufgepasst hat, ins Grübeln kommen, jedenfalls bedarf es nicht erst einiger MIT-Absolventen oder Nobelpreisträger, um skeptisch den Zeigefinger zu heben.

Dass die Medien so etwas unreflektiert nachbeten... Nun ja, bei Medienberichten über mineralogische oder paläontologische Entdeckungen ist es doch dasselbe: Dem Journalisten bleibt mangels detaillierter Ausbildung in dem jeweiligen Fach eigentlich gar nichts anderes übrig, als das wiederzugeben, was ihm der "Fachmann" in die Feder diktiert.
Es ist ja nicht so, dass die großen Wissenschaftszeitschriften nicht auch von der herrschenden Lehrmeinung abweichende Artikel akzeptieren würden - schließlich ist das die Methode, mit der Fortschritt in den Wissenschaften erzielt wird. Grundsätzlich gilt aber immer, dass die Datengrundlage und die Ergebnisse nachvollziehbar und vor allem unabhängig reproduzierbar sein müssen. Wenn es also das "Wasserauto" oder der "Permamagnet-Motor" nicht auf die Seiten von "Science" oder "Nature" schaffen, dann nicht, weil irgendein Mitglied des Kontrollgremiums seinen Lehrstuhl bedroht sieht (ein gern geäußertes Totschlagargument der Technik-Kreationisten, "Schuld sind immer die anderen"), sondern weil die "Erfinder" solcher Technologien nicht in der Lage sind, reproduzierbare Daten zu liefern. Dass sich Firmen um Lizenzen für solche Produkte bemühen, ist auch noch lange kein Beweis für ihre Realisierbarkeit - schließlich gab es im 19. Jahrhundert auch Bergwerksgesellschaften, die sich nur zu dem Zweck gegründet hatten, im Kalkstein der Schwäbischen Alb nach Gold zu suchen  ::) Will sagen: Doofe gab und gibt es überall und zu allen Zeiten, auch in der freien Wirtschaft.

Gruß,
Rainer

 

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