Hallo Jürgen!
sieht man neben dem krater und den seitlich wegtriftenden wellen noch den rücksteigenden berg (fachausdruck?)
Den nennt man "central uplift", auf Deutsch auch "Zentralberg" genannt. Auch die "Wellen" sind als sog. Ringwälle (nicht zu verwechseln mit dem Kraterrandwall, der aus Auswurfmassen besteht) in größeren Kratern zu sehen. Das Nördlinger Ries hat bspw. einen Ringwall.
Es hängt von der Größe des Kraters ab, welche dieser Strukturen ausgebildet werden. Die einfachste Form eines "komplexen Kraters" (also nicht nur eine Schüssel) stellt das Steinheimer Becken mit seinem Zentralberg dar. Die nächst größere Stufe erzeugt einen Zentralberg, der so weit nach oben federt, dass er sofort wieder kollabiert; das seitliche "Wegfließen" der Zentralberg-Masse erzeugt dann einen inneren Ringwall (Nördlinger Ries) ohne Zentralberg. Auf dem Mond mit seiner viel geringeren Gravitation sind komplexe Krater mit mehreren Ringwällen plus Zentralberg keine Seltenheit.
ich bilde mir ein, dass es im steinheimer becken (auch ein krater eines meteoriten), einen solchen berg gibt. was ich aber nicht unbedingt verstanden hatte, waren die fossilienfunde dort oben, die ich anläßlich einer wanderung gesehen hatte. ich dachte immer, der meteorit würde alles zerschlagen.
Du hast schon Recht. Das Steinheimer Becken ist ein Paradebeispiel für einen Krater mit "central uplift" (Klosterberg/Steinhirt).
Die Fossilien, die man am Klosterberg/Steinhirt sieht, stammen einerseits aus der nachfolgenden See-Phase des Kraters (die berühmten Schneckensande), sind also von dem Einschlag ohnehin nicht mehr betroffen. Und in den Kimmeridge-Kalken, die den Zentralberg aufbauen, gibt es ebenfalls Fossilien, und diese sind vom Einschlag meist stark geschockt (zerbrochen) worden, sind aber im Lauf der ca. 15 Mio. Jahre seit dem Impakt in situ wieder diagenetisch verkittet worden. Daneben gibt es in dem Gestein des Zentralbergs die sog. "shatter cones" (Strahlenkegel), Deformationsstrukturen, die durch die Schockwelle des Impakts entstehen. Ein Charakteristikum großer Meteoriteneinschläge ist, dass neben dem Auswurf zertrümmerter und pulverisierter (bei sehr großen Einschlägen auch geschmolzener) Gesteinsmassen auch die in situ verbliebenen Gesteine im Krateruntergrund geschockt und deformiert werden. Diese Bruchdeformation geht aber nicht so weit, dass Gesteinskomponenten wie Fossilien oder Konkretionen völlig zerstört werden. Man muss es sich eher so vorstellen, dass die Gesteine im Untergrund des Kraters sozusagen en bloc zuerst nach unten gedrückt werden und dann wieder zurückfedern. Einfach gesprochen kann man sagen, dass man gerade im Krater selbst eher noch vollständige Fossilien findet, weil die völlig zertrümmerten Fossilien mit den Lockermassen ausgeworfen wurden.
ab und an bleiben vom meteoriten reste übrig, die unsere kollegen so gerne in die vitrine stellen.
wenn die meteoriten aus fester materie sind, haben sie auch die berechtigte chance dazu. wenn die stücke so groß sind, dass sie nicht verdampfen.
nun soll es ja auch schneebälle aus methan, kohlendioxid, wasse ... geben. und die verdampfen.
Auf den ersten Blick paradoxerweise gibt es eine untere und eine obere Grenze, innerhalb der ein Meteorit tatsächlich am Erdboden ankommt, ohne in der Atmosphäre zu verglühen (untere Grenze) oder beim Aufschlag zu verdampfen (obere Grenze). Bei sehr großen Brocken (ab ca. 100 m Durchmesser, auch abhängig von Material und Einschlagsgeschwindigkeit) ist die enthaltene kinetische Energie so groß, dass sie sich bei der fast abrupten Abbremsung, die sie beim Auftreffen auf die Erdoberfläche erfahren, bis zum Verdampfungspunkt erhitzen. Erst diese schlagartige Verdampfung ist das, was für die wirklich gewaltige und im Vergleich zur Größe des Impaktkörpers unverhältnismäßig starke Explosion und entsprechend ausgedehnte Kraterbildung verantwortlich ist. Das verdampfte Meteoritenmaterial vermischt sich dann mit den Auswurfmassen und ist schließlich nur noch in starker Verdünnung nachweisbar, aber nicht mehr makroskopisch zu erkennen. Meist gibt es hier das Problem, dass der Typ des Einschlagkörpers (Eisenmeteorit, Steinmeteorit, Chondrit, Komet) und dessen Größe im Nachhinein nicht genau zu bestimmen ist, weil die Isotopensignatur in den Auswurfmassen nur die qualitative Aussage hergibt, dass es sich um außerirdisches Material handelt, nicht aber, um wie viel. Glück hat man, wenn sich vor dem Impakt kleinere Teile des Körpers abgelöst haben und in der weiteren Umgebung des Kraters zu Boden gefallen sind.
Sicher gibt es auch Kometen ("schmutzige Schneebälle"), die so groß sind, dass sie ohne wesentlichen Masseverlust die Erdatmosphäre durchqueren und einen Einschlagkrater erzeugen können. Eine der Theorien für das Tunguska-Ereignis von 1908 basiert auf dieser Annahme. Aber auch hier haben wir das Problem, dass der Körper beim Einschlag verdampft und seine Bestandteile in höchster Verdünnung über einen weiten Umkreis verteilt werden. Gibt es keine Impaktschmelzen oder Auswurfmassen, die diese Fremdstoffe einschließen und konservieren, gelangen sie nach wenigen Jahren in den Kreislauf der Natur und sind dann bis unter die Nachweisgrenze verdünnt. Es handelt sich ja durchweg um Stoffe, die auch auf der Erdoberfläche vorkommen, hier allerdings teilweise in ganz anderer Konzentration.
Das Thema ist wirklich spannend! Jedenfalls stelle ich mir auch gern shatter cones, Impaktbrekzien und deformierte Fossilien in eine separate "Impakt-Vitrine". Nicht jedes "kaputte" Fossil muss ein uninteressantes Fossil sein...
Anbei noch ein Schmankerl: impaktgeschockte und diagenetisch wieder verkittete Konkretion aus obersilurischen Sedimenten im Siljan-Meteoritenkrater (Schweden, Provinz Dalarna, Impakt vor ca. 377 Ma), Durchmesser ca. 40 cm. Leider zu groß für die Sammlung, deswegen noch vor Ort zu bewundern

Analog dazu findet man in diesen Sedimenten auch gelegentlich zerbrochene Kopf- und Schwanzschilder von Trilobiten, deren Teile gegeneinander versetzt wurden, sozusagen das paläozoische Gegenstück zu den Ries-Belemniten.
Gruß,
Rainer