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Rätselhafte Schnecke / Tertiär

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doe:
Hallo Michael,
beim Anblick des ersten Bildes dachte ich,die Dame hat brandungstechnisch eine schwere Jugend gehabt,da sie aber reversseitig auch völlig profillos (strukturlos) daherkommt,bin ich der Ansicht,daß es sich um eine "Baryspira sp."handeln könnte ?
Gruß Günter

Kilo:
Hallo Günter,
Danke für die Antwort. Leider habe ich nicht die große Ahnung im Fossilienbereich, bin eigentlich eher bei den Mineralien zuhause. Da hat mich halt einfach mal besonders interessiert, wie diese Schnecke die ganzen Beeinträchtigungen überstanden haben könnte. Wenn man sich die ganzen anderen Fossilien ansieht, z.B. Seeigel und Austern, die ja nicht so fragil sind, dann wundert es einen schon, wieso die Schnecke einigermaßen heil geblieben ist.
Gruß Kilo

doe:
Hi Michael,
das Schneckerl hatte es ja überstanden als sie vor ca 25 Mill.Jahren im Sand eingegraben wurde,mußte sich nur vor Säuren schützen und auf den Bagger warten.Die arme Kreideauster mußte rund 100 Mill.Jahre warten und dann eiszeitlicher Transport oder auswittern in der Ostseebrandung,beides ein auf,nein abreibendes Geschäft.So sehen viele Austern dann auch aus wie abgelutschte Kandis.
Gruß Günter

triassammler:
Hallo,

Schneckengehäuse sind aufgrund ihrer Konstruktionsweise - natürlich je nach Gattung etwas unterschiedlich - an sich sehr stabile Gebilde. Die gewölbten Windungen verteilen punktuell auftretende Kräfte über eine große Fläche und schwächen sie somit stark ab. Zusätzlich wirkt die Spindel im Inneren des Gehäuses, die aus dem Verschmelzen der einzelnen Windungen entsteht, wie ein massiver Stützpfeiler. Bei berippten Formen liefern die Rippen (analog z. B. zu Wellpappe) eine zusätzliche Verstärkung. Das ganze gleicht sehr dem Bauprinzip gothischer Kathedralen, wo ja auch große Belastungskräfte dadurch entschärft werden, dass sie an zentralen Stellen aufgefangen und auf eine Vielzahl von Stützstrukturen und -pfeilern verteilt werden, wobei jede einzelne Stützstruktur für sich genommen durchaus recht filigran sein darf, solange es nur genügend davon gibt, dass sie in der Summe den Kräften standhalten.
(Woran man auch mal wieder sieht: Der Mensch kommt selten auf Ideen, die die Natur nicht schon vor ihm hatte...)

Seeigel: Die sind an sich recht fragil! Ich behaupte mal, im Vergleich zu Schnecken werden Seeigelgehäuse wesentlich seltener komplett überliefert. Hauptsächlich liegt dies daran, dass sie aus einzelnen Platten zusammengesetzt sind, deren Nähte ausgezeichnete Sollbruchstellen sind. Dem Seeigelgehäuse hilft aber auch seine Form: Ähnlich wie bei einer Schneckenwindung werden bis zu einem gewissen Ausmaß punktuell einwirkende Kräfte über die gesamte "Kugel"oberfläche verteilt und damit (hoffentlich, vom Standpunkt des Seeigels aus) unter ein kritisches Maß abgeschwächt. Genauso funktioniert das mit Eiern, deren Schale ja auch nicht so viel dünner ist als die der meisten Seeigel.

Und Austern: Die machen es sich einfach und zementieren einfach Schalenschicht über Schalenschicht, bis sie so massiv sind, dass sie kaum mehr kaputtbar sind. Die Schichtbauweise sorgt hier zusätzlich dafür, dass Kräfte besser verteilt und abgeschwächt werden, als es bei einer voll massiven Konstruktion der Fall wäre.

Gruß,
Rainer

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