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Autor Thema: Noch so ein Rätsel / Bohrmuschelspuren  (Gelesen 4148 mal)

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Online Kilo

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Noch so ein Rätsel / Bohrmuschelspuren
« am: 08 Jul 10, 16:54 »
Hallo, wenn schon, denn schon..

In der Kiesgrube Meierei Friedland haben wir dieses Ding gefunden:

Durchmesser 14 cm, Höhe 7,5 cm. Was könnte das sein? Bemerkenswert ist die seitlich zu sehende Schichtung.

Gruß Kilo

Online Kilo

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Re: Noch so ein Rätsel
« Antwort #1 am: 08 Jul 10, 16:55 »
Hier nochmal die Seitenansicht mit der Schichtung

Offline triassammler

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Re: Noch so ein Rätsel
« Antwort #2 am: 08 Jul 10, 17:27 »
Hallo Michael,

sieht nach einem angebohrten Geröll aus. Stell das zweite Pic auf den Kopf, und Du hast die ursprüngliche originale Lage auf dem Meeresgrund. Der obere Teil ragte über das Sediment und wurde fleißig von bohrenden Organismen bearbeitet, während der Rest weitgehend unbeeinträchtigt blieb. Dass auch die Unterseite ein paar Bohrlöcher hat wird daran liegen, dass der Brocken mal durch Wellengang umgedreht wurde.

Gruß,
Rainer

Offline doe

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Re: Noch so ein Rätsel
« Antwort #3 am: 08 Jul 10, 18:31 »
Hallo,
1227 sieht aus wie Hochofenschlacke,in der Brandung abgerollt,ehemals im Küstenschutz verbaut.Die Blaseninnenräume sehen irgendwie nicht nach bohren aus.
Gruß Günter

Offline triassammler

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Re: Noch so ein Rätsel
« Antwort #4 am: 08 Jul 10, 20:46 »
Hallo,

von Johannes Kalbe habe ich folgende Information zu dem Fund erhalten, mit der Bitte, sie wegen dessen Seltenheit hier einzustellen:

Zitat
Es handelt sich entweder um ein Silurisches Gestein (Grünlichgraues Graptolithengestein, wahrscheinlich) oder, viel seltener um eine Konkretion aus dem Lias, die im Dogger (wahrscheinlich Bathon, unwahrscheinlicher Callovium oder Oxfordium, da müßte man sich die Füllung der Bohrungen ansehen) aufgearbeitet wurde. Die Bohrungen sind ziemlich sicher lithophagen Muscheln zuzuordnen.
Die Herkunft ist vermutlich nicht das am meisten genannte Gebiet der Odermündung, sondern vermutlich wesentlich östlicher (Litauen oder so)....
Alternativ könnte es auch eine aus dem Callovium stammende Konkretion sein die im Oberoxford aufgearbeitet wurde (ebenfalls selten!)

Ist nicht sonderlich häufig so ein Geschiebe, deshalb meine Hilfestellung, bevor es im Garten landet.


Gruß,
Rainer

Offline Jochen1Knochen

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Re: Noch so ein Rätsel
« Antwort #5 am: 08 Jul 10, 21:11 »
Hallo!
Das mit dem umdrehen iet o.k.,aber aufgrund der Seitenstruktur ist darauf zu schließen,daß das gute Stück längere Zeit mehr oder weniger zur Hälfte im Schlick lag.Dann wäre allerdings auch ein Uferbereich nicht ausgeschlossen,mit natürlicher Erosion des freiliegenden Oberteils, unterstützt von Algen oder Moosen und Bakterien.
Gruß Jens

Offline triassammler

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Re: Noch so ein Rätsel
« Antwort #6 am: 09 Jul 10, 00:32 »
Hallo Jens,

es lag mit Sicherheit die längste Zeit mit der einen Seite nach oben, da stimme ich Dir zu.
Ich gehe aber mit Johannes' Interpretation konform, dass es sich salopp gesagt um Muschel-Bohrlöcher handelt. Abiotische Erosion spielte hier wahrscheinlich insofern eine Rolle, als dass sie den Schweizer Käse, der durch die Bohrungen entstand, weiter beschädigt hat: teilweise sieht man längs aufgebrochene Bohrlöcher. Chemische Erosion z. B. durch Algen, Flechten, Bakterien sieht aber anders aus; diese Organismen lösen das Gestein oberflächlich an, um sich Nährstoffe zu verschaffen, daraus resultieren höchstens sehr flache, unspezifisch geformte Lösungsspuren, aber keine tiefen und genau begrenzten Löcher. Auch Bohrschwämme scheiden aus - oberflächlich treten ihre Wohnhöhlen nur als feine Siebstruktur in Erscheinung, und nach dem Kollaps der durchlöcherten Gesteinsdecke zeigen sich die darunter liegenden Hohlräume als regellos geformt.

Viele Bohrmuscheln fühlen sich im Gezeitenbereich und auch noch im Supralitoral (Spirtzwasserzone) wohl, solange sie hinreichend Feuchtigkeit vorfinden. Und dort sind sie ein nicht zu unterschätzender Faktor als Beschleuniger der Erosionsrate.

Gruß,
Rainer

Online Kilo

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Re: Noch so ein Rätsel
« Antwort #7 am: 09 Jul 10, 14:59 »
Hallo,

Danke schön für die vielen hilfreichen Hinweise. Keine Angst, es landet nicht im Garten, sondern im Regal. Kleiner Hinweis zum FO noch: Meierei Friedland stimmt natürlich nicht, es handelt sich um das Kieswerk Rubkow, zu dem bei der Meierei Friedland zwischen Fr. und Altentreptow abgebogen wird. Ortsansässige werden die Ecke kennen.

Gruß Kilo

 

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