https://fossilsworldwide.de/https://www.edelsteine-neuburg.dehttps://edelsteintage-bremen.de

Autor Thema: Rhyolith vom Rehberg ...  (Gelesen 11762 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Achim

  • ***
  • Beiträge: 480
Rhyolith vom Rehberg ...
« am: 23 Oct 10, 17:10 »
Hallo,

der Rhyolithsteinbruch Rehberg im Spessart ist nach meinem Kenntnisstand mineralogisch nicht gerade ergiebig. Bei meinem Besuch vor ca. 4 Wochen sind mir einige wenige rundliche Einschlüsse /Verfärbungen aufgefallen.

Anbei Bilder eines Stücks (ca. 80 * 55 * 50mm) welches ich geschnitten und anpoliert habe. Der Rhyolith im oberen Bereich des Bruchs ist relativ porig, die Farbe geht merklich in Lila.



Um was könnte es sich hierbei handeln?

Glück auf

Achim

Offline uwe

  • ******
  • Beiträge: 4.421
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #1 am: 23 Oct 10, 18:26 »
Könnte es sich hier um einen sogenannten "radioaktiven Hof" handeln ?

Uwe

Offline Goldi85

  • ******
  • Beiträge: 1.177
  • go ahead, make my day!
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #2 am: 23 Oct 10, 18:36 »
Hallo,

ich würde (rein vom Aussehen her) auf eine Rhyolithkugel im Muttergestein tippen. Der Steinbruch war doch für Achate im Rhyolith bekannt?

Gruß  Daniel

Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #3 am: 25 Oct 10, 11:12 »
Hallo,

sicher kein radioaktiver Hof. Ich vermute eher dass das ein Xenolith ist.

Gruß
Berthold

Offline Erik

  • ******
  • Beiträge: 2.156
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #4 am: 26 Oct 10, 23:08 »
Hallo,

J.Lorenz erwähnt auf seiner Seite von der Hartkoppe alterierte Partien/Flecken bzw. Reduktionshöfe, wo der Hämatit der Grundmasse (der dem Gestein die rötliche Farbe gibt) entfernt wurde. Vgl.: http://www.spessartit.de/32gestei.htm (etwa Mitte der Seite). Ich vermute dass es sich dabei darum handelt.

Ich sehe gerade dass er auch vom Rehberg diese Bleichungshöfe erwänht: http://www.spessartit.de/286.htm

Gruß, Erik

Offline Jan89

  • *
  • Beiträge: 18
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #5 am: 26 Oct 10, 23:57 »
Würde gegen die Xenolith-These nicht sprechen, dass innerhalb des Bereiches Einsprenglinge vorhanden sind - so wie im restlichen Gestein?

Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #6 am: 27 Oct 10, 08:33 »
Hallo,

Zitat
Würde gegen die Xenolith-These nicht sprechen, dass innerhalb des Bereiches Einsprenglinge vorhanden sind - so wie im restlichen Gestein?

Mir scheinen in der Kugel die dunklen Bestandteile (Biotit ?) des umgebenden Gesteins zu fehlen (das ist recht gut auf dem zweiten Bild zu erkennen). Eine einfache "Bleichung", Reduktion oder Nicht-Oxidation von Fe würde anders aussehen. Ich vermute einen Xenolith der entweder bei weitgehender oder kompletter Aufschmelzung resorbiert wurde und ursprünglich einen ähnlichen Mineralbestand hatte. Oder einen Xenolith aus einer Differenzierung der Schmelze.

Gruß
Berthold

Offline openpit

  • Globaler Moderator
  • *****
  • Beiträge: 598
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #7 am: 27 Oct 10, 15:30 »
Hallo,

ich denke auch, dass es sich um einen Bleichungshof handelt. Auf der von Erik verlinkten Seite werden zwar auch Xenolithe erwähnt, und gezeigt, jedoch handelt es sich laut Text um Gneis, welcher auf den Bildern keinerlei Reaktionssäume mit dem umliegenden Rhyolith zeigt.
Falls die Verfärbung durch einem Xenolithen (als Hof um diesen) geschuldet ist, denke ich, dass dieser nicht aufgeschmolzen wurde, sondern noch weitgehend intakt vorliegt. Lediglich durch Anschnittseffekte ist dieser nicht sichtbar. Dafür sprechen die von Jan erwähnten Einsprenglinge in der gebleichten Zone, welche ebenfalls in den unveränderten Bereichen zu erkennen sind. Die von Berthold genannten dunklen Bestandteile kann ich nicht von den Quarzen unterscheiden.

Glück Auf!
openpit

Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #8 am: 27 Oct 10, 16:03 »
Hallo,

im Anhang ein vergrößerter Ausschnitt vom zweiten Bild. Ich denke man kann zwei Dinge deutlich sehen:

1. Eine scharfe Grenze zwischen heller Kugel und Gestein
2. Eine dunkle Komponente im Gestein, die in der Kugel fehlt (im Schnitt länglich, ich halte das für Biotit)

Ich bleibe dabei: resorbierter Xenolith
 
Gruß
Berthold

Offline Achim

  • ***
  • Beiträge: 480
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #9 am: 04 Nov 10, 10:16 »
Hallo,

ich habe mich an den Spessartspezialisten direkt gewendet. Die Auskunft:

"es handelt sich einfach um einen Reduktionshof, wie diese in dem Rhyolith sehr häufig vorkommen.
Glück auf!
Joachim Lorenz"

Dumme Frage: was ist ein Reduktionshof? Googlen hat mir hier nicht (unmittelbar) weitergehofen

Glück auf

Achim

Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #10 am: 04 Nov 10, 17:19 »
Hallo

Der "Reduktionshof" ist ein Bereich, in dem durch bestimmte chemische Bedingungen einige Elemente ihre Oxidationszahl ändern. Viele Elemente können in verschiedenen Oxidationszahlen vorkommen, bestes Beispiel ist hier das Eisen, welches zweiwertig (Fe2+) oder dreiwertig (Fe3+) sein kann. Fe2+ ist blassgrün und bildet besser wasserlösliche Verbindungen als Fe3+, welches rotbraun ist (Rost oder Limonit z.B.). Wenn die Oxidationszahl von Eisen von 3+ auf 2+ reduziert wird, entfärbt sich scheinbar das Mineral und so entsteht dann ein solcher Hof (eine Erhöhung der Oxidationszahl heißt "oxidation"). Begrenzt wird dieser durch die Reichweite der reduzierend wirkenden Lösung im Gestein.

P.S.: Mit bloßem Auge sichtbare Entfärbungshöfe durch radioaktive Strahlung gehören übrigens ins Reich der Legenden, da die Ionisierenden Strahlen nur wenige µm Reichweite in fester Materie haben - die kommt ja schon in der Luft nicht sonderlich weit. Mit dem Mikroskop lassen sich solche Entfärbungshöfe jedoch in vielen Mineralen beobachten - aber eben nur mit dem Mikroskop. Alle makroskopischen Erscheinungen, auch um radioaktive Minerale, gehen auf chemische Prozesse (Reduktion oder Oxidation) zurück.

Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #11 am: 04 Nov 10, 17:35 »
Hallo,

in dem Beispiel sehe ich aber nach wie vor keinen Reduktionshof. Die dunklen Bestandteile des Gesteins (Biotit ?) sind ja nicht entfärbt (sondern in der Kugel einfach nicht vorhanden). Mittels Dünnschliff könnte man die Sache sicher klären. 

@ cmd.powell: "die Ionisierenden Strahlen nur wenige µm Reichweite in fester Materie haben" Soweit Du nur die alpha-Strahlung betrachtest ist das richtig. Jedoch kann auch gamma-Strahlung farbverändernde Wirkung (z.B. Fehlstellen aktivieren) auf Mineralien haben.

Gruß
Berthold

Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #12 am: 04 Nov 10, 17:51 »
@Berthold

Es ist richtig, das auch die gamma-Strahlung färbt/aktiviert. Aber die gamma-Strahlung sollte keinen so scharfen Rand hinterlassen, da sie sicherlich nicht exakt zwei-Zentimeter weit kommt. Hier sollte also ein eher difuser, weitläufiger Hof entstehen, der mit der quadratischen Regel des Abstands übereinstimmt. Die typischen "Strahlungshöfe" in z.B. Glimmern sind teilweise so scharf, das man anhand der Entfernung zum Ursprungsort (im Falle der Glimmer meist Zirkon) sogar aussagen über das Element aus der Zerfallsreihe treffen kann, welches die Strahlung emittiert hat (siehe z.B. "Lehrbuch der Mineralogie" von Prof. Rößler, Seite 135).

Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #13 am: 04 Nov 10, 18:04 »
Hallo Markus,

Zitat
Aber die gamma-Strahlung sollte keinen so scharfen Rand hinterlassen, da sie sicherlich nicht exakt zwei-Zentimeter weit kommt.

richtig. Ich sage zur der Bildung ja nach wir vor Xenolith.

Zitat
... sogar aussagen über das Element aus der Zerfallsreihe treffen kann, welches die Strahlung emittiert hat (siehe z.B. "Lehrbuch der Mineralogie" von Prof. Rößler, Seite 135).
auch richtig, da hättest Du auch mich zitieren können  ;D: WEBER, B. (2010) Halos und weitere radioaktive Erscheinungen im Wölsendorfer Fluorit. Der Aufschluss 61: (Heft 2, März-April 2010), S. 107-118. Darin habe ich einen Vergleich von (in Fluorit-Dünnschliffen) gemessenen mit berechneten alpha-Reichweiten in CaF2 für alle Isotope der U238-Reihe gegeben.

Gruß
Berthold

Offline Erik

  • ******
  • Beiträge: 2.156
Re: Rhyolith vom Rehberg ...
« Antwort #14 am: 04 Nov 10, 18:16 »
Hallo,

ich kenne den Rhyolith aus Sailauf ziemlich gut und behaupte auch, dass das Reduktionshöfe sind. Biotit ist in dem Gestein nur sehr untergeordnet vertreten. Die dunklen länglichen Bestandteile sind einfach durch Hämatit gefärbte schlierige (= Fluidalgefüge), glasige Matrixpartien. Der vorhandene Biotit, den ich auf den Bildern aber nicht sehe, existiert auch in diesen entfärbten Bereichen - allerdings ist er dort (wie die Matrix) auch völlig ausgebleicht und nur dann zu erkennen, wenn man auf die Spaltflächen blickt.

@ Achim - hast Du das 2. Bild in der Originalversion da?

Gruß, Erik