Hallo Thomas,
Möglicherweise, weil Erze in Skarnen in der Regel an Zonen sog. Sekundärskarne gebunden sind, d.h. von Restlösungen beeinflusste Bereiche. In den Primärskarnen, d.h. den direkt durch die Beeinflussung des Karbonates/Mergels durch die Intrusiva, entstehen in der Regel Ca-(Mg,Fe)-Silikate wie Granat, Klinopyroxen (Diopsid-Hedenbergit, meist intermediärer sog. Salit oder Ferrosalit), Amphibol (meist Aktinolith/Tremolith), Vesuvian, Wollastonit, Epidot/Klinozoisit/Zoisit. Erst im nächsten Schritt entsteht die Vererzung aus Restlösungen (pneumatolytisch-hydrothermal).
Möglicherweise ist das Mg bereits bei der Bildung der Silikate (insbesondere Amphibole/Pyroxene) verbraucht. Es ist ja viel weniger Mg im System als Ca.
Zudem: Scheelit ist offensichtlich die stabile Wolframverbindung schlechthin. Während Scheelit sogar in Bachsedimenten erhalten bleibt, verwittert Wolframit langsam oder wird in den Gängen unter Bildung von Scheelit und Hämatit zersetzt.
Ich weiss leider nichts über die Stabilität von Huanzalait, aber offensichtlich ist diese auf einen bestimmten Bereich beschränkt, während die Stabilität von Scheelit von pneumatolytischen Bedingungen (überkritische Fluide) bis zu Atmosphärenbedingungen reicht. Die Bildungsbedingungen werden generell durch das Angebot der Bestandteile (Ionen, Moleküle, Komplexe), die Stabilität gegenüber Druck, Temperatur und Lösungszusammensetzung und die Kristallstruktur limitiert. Hier könnte der unterschiedliche Ionenradius von Ca2+ und Mg2+ zum Tragen kommen. In der Wolframitstruktur liegt das A-Kation (Fe2+ oder in dem Falle Mg2+ von 6 Sauerstoffen in Form eines deformierten Oktaeders vor (laut Kleber), während bei der Scheelit-struktur Calcium von 8 Sauerstoffen umgeben ist (andere Kristallstruktur). Offensichtlich werden in die Wolframitstruktur Fe und Mn gegenüber Mg bevorzugt eingebaut.
Fazit: Offenbar ist neben dem Angebot an Mg-Ionen das Wolframat der limitierende Faktor. Wolframat bevorzugt offensichtlich Ca unter Bildung von Scheelit, ersatzweise Wolframit unter Einbeziehung von Fe und Mn und nur in dem Falle, dass Mg in Überschuss vorhanden ist, während Ca, Fe und Mn weitestgehend gebunden sind, wird Mg-Wolframat gebildet. Die ungewöhnliche Paragenese des Huanzalaites (Talk als Mg-Mineral = Mg-Überschuss, Apatit und Tremolit als stabile Ca-Minerale = "Sinks" für Ca und Pyrit als Fe-Mineral) könnte die Tatsache erklären, warum hier ausgerechnet Mg-Wolframit gebildet wurde (-> es war einfach keine andere Möglichkeit da). Sobald Ca oder Fe/Mn zur Verfügung gestanden hätte, wäre es zur Bildung von Scheelit und/oder Wolframit gekommen.
Genaueres würde aber nur das Studium der beim Huanzalait angegebenen Primärliteratur ergeben. Die habe ich leider nicht.
Glück Auf!
Smoeller