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Autor Thema: Unterschied zwischen „selber sammeln“ und specimens mining  (Gelesen 10816 mal)

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Offline endeavour-minerals

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Hallo,
ich möchte meine Frage aus einem anderen thread übernehmen um einen neuen thread zu öffnen.
Wo liegt der Unterschied zwischen „selber sammeln“ und specimens mining??

Uwe hatte an einer anderen Stelle, schon darauf geantwortet
Zitat:
 Der Unterschied zwischen selber sammeln und specimens mining ist echt einfach. Ersteres ist Hobby, zweites Beruf bzw. Sicherung der Lebenshaltungskosten.

Diese Antwort scheint mir doch etwas kurz gefasst. Das würde nämlich bedeuten dass einiges was heute mit specimens mining in Verbindung gebracht wird, in Wahrheit nur „selber sammeln“ ist.

Bin mal auf eure Meinung gespannt.

Gruß Ingo

Offline couchmolch

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Hallo,

endeavour-minerals

"Das würde nämlich bedeuten dass einiges was heute mit specimens mining in Verbindung gebracht wird, in Wahrheit nur „selber sammeln“ ist."


Was wird denn damit in Verbindung gebracht? Ich finde die Antwort in deinem Thread schon zutreffend.

Was meinst du genau?

Gruß

Couchmolch Peter

Offline uwe

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"Mining" bedeutet im Englishen Bergbau und Bergbau ist kommerziell.  Selber sammeln kann natürlich auch kommerziell sein, aber ein temporärer Schurf an einer Lagerstätte kann wohl kaum als Bergbau bezeichnet werden. Außerdem werden wohl die wenigsten Menschen, welche in einer specimens mine arbeiten selbst eine Sammlung besitzen.

Ich denke aber, die im thread "Epidot Pakistan" (oder so ähnlich) gestellte Frage war eher so gemeint: Was ist der Unterschied zwischen selber sammeln und die Beschaffung von Stufen, welche im specimens mining gewonnen werden. Hier ist der Unterschied der Inhalt der Brieftasche.

Uwe

Offline cmd.powell

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Ich denke mal, zunächst muß zweifelsfrei geklärt werden, was wir hier unter dem Begriff "specimens mining" verstehen sollen. Die Übersetzung ist recht einfach und eigentlich auch recht eindeutig. Nach meinem Verständniss (und damit schließe ich mich meinen Vorrednern an) ist "specimens mining" ein mehr oder minder ausgeprägter Bergbau mit dem Ziel, Mineralienstufen für Sammlungen zu gewinnen und diese gewinnbringend zu veräußern. Nimmt man diese Definition zu Grunde, wurde der Unterschied ebenfalls schon von den Vorrednern erläutert: "specimens mining" ist zum Geldverdienen/Lebensunterhalt beschreiten, "selber sammeln" just for fun (man bemerke den gekonnten Anglezismuswechseln im letzten Satz  ;D ).

Offline endeavour-minerals

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Ok, dann möchte ich es mal mit Fallbeispielen Versuchen. Diese sind aber nur als fiktiv zu verstehen.

1 Beispiel:
Wenn jemand in Sachsen unter Tage geht um schöne Fluorite zu finden und zu bergen, um dann im Anschluss die größere Menge davon wieder zu verkaufen, dann ist das…….

2 Beispiel:
Harjo, schrieb an einer anderen Stelle etwas von seinen Freunden die in England ein „Bergwerk“ auf Fluorit betreiben. Da geht es um die Rogerley Mine, das dürfte ja jeden klar sein. Nun ist die Frage, machen die das nur aus Jucks und Dollerei oder müssen die davon Leben. Ich denke diese Frage kann Harjo sicher besser beantworten, ob Jesse Fisher und Co noch einen „nochmalen“ Job haben.

3 Beispiel:
Wenn jemand in einen bekannten Steinbruch im Harz, eine interessante Vererzung findet und alles mitnimmt, also mehrere Schubkarrenladungen voll, mit dem Ziel den größten Teil davon wieder zu veräußern, dann ist das…………….

4 Beispiel:
Auch ein bekanntes Beispiel ist der Mimetesit Fund aus Baden Weiler. Wie ist dieser dann zu werten?

Ich könnte sicher noch mehrere Fallbeispiele nennen, aber das sollte doch erst einmal reichen um sich ein Bild über die Sache zu machen. Es geht mir jetzt nicht um eine „Moralische“ Wertung, sondern nur darum, festzustellen was davon „spicimens mining“  ist und was davon „selber sammeln“ (Hobby) ist.
Bitte keine Moralische Wertung, das ist nicht Sinn dieses Themas.

Gruß Ingo

Offline guefz

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    • GüFz aus MYK
Hallo,

unter "specimen mining" verstehe ich den systematischen und regelmäßigen Abbau über einen längeren Zeitraum an einer Fundstelle (über/unter Tage) zwecks Verkauf der Stufen. Dazu passt von deinen Beispielen nur das zweite.

Für die anderen würde ich eine dritte Kategorie aufmachen: "selber sammeln (Händler)". Hier wird offensichtlich kurzfristig an einer Fundstelle gesammelt um anschließend Stufen verkaufen zu können. Die Stufen für die eigene Sammlung treten dabei in den Hintergrund.

Bei der Kategorie "selber sammeln (Hobby)" sammelt man primär für den Eigenbedarf und nimmt auch nicht wesentlich mehr mit als man für die eigene Sammlung braucht. Überzählige Stücke werden dann verschenkt, getauscht oder verkauft. Das Verkaufen tritt hier aber in den Hintergrund.

Wenn jemand genauso viel für die eigene Sammlung sammelt wie für den Verkauf, dann darfst du die Kategorie auswürfeln...

Günter

Offline Krizu

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Hallo,

my 2 cts:
Zum Mining gehört Sicherung (Wasserhaltung, Gelände, Ansprüche) und Planung bzw. Erkundung...
Erkundung unterscheidet sich nicht vom Sammler, Rest schon eher.

Mfg

Frank

Offline endeavour-minerals

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Frank, mmmm ich weis nicht recht.
In Brasilien mag es Bergwerke geben bei den es nur um das Mineral geht, meist Turmalin. Achso da ist ja auch noch Columbien, nein mir geht es rein um "normale" Mineralien, nicht Edelsteine oder Edelmetalle.  Ansonsten denke ich nicht das irgendwo eigens ein Bergwerk angelegt wurde um banale Mineralien zu bergen. Meist wurden dafür vorhandene Bergwerke oder Aufschlüsse genutzt. Ich denke das sich ein Wayne A. Thompson, beim Abbau der bekannten Red Cloud Wulfenite, keine Gedanken um Wasserhaltung usw gemacht hat. Letztendlich muß auch dabei mit den sogenannten Kosten Nutzen Faktor gerechnet werden. Und wenn dann schon eine Halbe Million an Kosten auflaufen, dann muss man einiges "finden" um wenigsten die Kosten zu denken. Bis dahin ist es in meinen Augen nur Hobby oder Spaß an der Sache, egal wie umfangreich ein einzelnes Projekt ist.

Ich würde sagen das die Grenzen doch ehr fließend sind.

Gruß Ingo

Offline Jochen1Knochen

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  • In meinem Brunnen ist ein Quarzgang
Hallo!
Das ist nur Weiterentwicklung ;D
Stufe1: Sammeln für die eigene Sammlung-überflüssige Sachen werden nicht mitgenommen,verschenkt,weggeworfen
Stufe2: Sammeln für die eigene Sammlung-überflüssige Sachen werden auf Börsen vekauft
Stufe3: Sammeln für die eigene Sammlung-aufgrund von Erfahrung und Wissen wird gezielter Abbau betrieben,mit dem Ziel Unkosten zu decken
Stufe4: Sammeln für die eigene Sammlung-aufgrund von Erfahrung und Wissen wird gezielter Abbau betrieben,mit dem Ziel von Profit
Stufe5: Handel mit Mineralien-die eigene Sammlung bietet eine Rücklage,wenn schlechte Zeiten kommen sollten
Gruß Jens

Offline Krizu

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klar,

die Grenzen sind fliessend. Nicht jede Mine braucht sich Gedanken um Wasserhaltung zu machen. Ich habe die Angaben in Klammern als unvollständige Oder-Liste gesehen. Damit war Mining. Mit Specimen sind "Steine" gemeint, die an Sammler gehen. Zu den REd Clouds kann ich nichts sagen, ich kann dir aber sagen, war machen Minen für dusseliges Erz machen :-I)

Mfg

Frank

Offline uwe

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Hallo Jens,

ab Stufe 3 ist es schon dem specimens mining recht nahe und dabei sollte man sich in Deutschland vom Bergamt oder Grundstücksbesitzer nicht erwischen lassen. Nimm mirs bitte nicht übel, aber ihr wart doch damals sicher schon bei Stufe 4, gelle?

Uwe

Offline cmd.powell

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  • Calcit vom Winterberg, Harz
Naja, ich würde "specimens mining" schon so sehen, das ein Abbau primär oder gar ausschließlich zur Gewinnung von Mineralstufen genutzt wird. Das die dann zumindestens Kostendeckend veräußert werden müssen, ist fast eine zwingende Folgeerscheinung. Der bekannte Steinbruch im Harz wirft ja auch nur gelegentlich gute Stufen ab und wenn betreffende Person mit den Schubkarren von Funden nicht rein zufällig gute Kontakte hätte, würde der auch nur zufällig mal was gutes finden - so wie ich auch.
So definiere ich persönlich für mich den Unterschied. Somit werden natürlich die wenigsten Gruben zum "specimens mining", aber das trifft auch ganz gut die Realität, oder ? Tsumeb wurde ja auch nicht nur für Mineralstufen betrieben, sondern wegen dem Erz - so wie tausende andere Gruben auch. Nur gelegentlich gab es gute Stufen, die dann allerdings geborgen wurden.
Ich will gar nicht wissen, was noch vor der großen Sammelzeit, in der wir ja leben, alles an "Traumstufen" durch den "Brecher" gegangen ist. Die Silberminerale aus dem Erzgebirge oder Harz gingen doch nahezu zu 100% in die Verhüttung, Stufengewinnung war da schlicht uninterressant. Klar, damals gab es ja auch vergleichsweise wenige Menschen, die sich überhaupt mit Sammeln beschäftigen konnten.

Offline endeavour-minerals

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@Uwe
verstehe deine Frage nicht???????????

Tsumeb wurde wegen des Kupfers betrieben, alles andere war Beiwerk.
Es kam damals nur etwas aus dem Harz heraus wenn die großen Händler der damaligen Zeit etwas geordert haben, wie z.B. Kranz. Aber in den 70er Jahren wurden noch viele Mineralien dort herausgeholt. So mancher Calcit z.B. aus St. Andreasberg ist aus dieser Zeit.

Gruß Ingo

Offline Collector

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Hallo

ganz kurz auch mal meinen Senf zum Thema.

"Specimen mining" ist

*1. ganz einfach privat organisierter und finanzierter Bergbau auf Sammlermineralien, welche dann mit dem Ziel der Gewinnerbringung verkauft werden. Nichts anderes also, als was ein Obstbauer, Schafzüchter oder Fischer tut.  "Mining" im allgemeinen ist der kommerzielle Abbau von Erzen, Steinen und Erden, Kohle, Salz, Schwefel etc.

*2. Wenns ganz ehrlich ist und Steuern auf die Umsätze entrichtet werden, ist "specimen mining" ein pures Gewerbe - im westlichen Sinne.
*3. Aber das sind wohl nur die offensichtlichen Spielregeln in Ländern mit entsprechender Gesetzgebung und dementsprechender Kontrolle

Typische specimen mining operations sind die privaten Fluoritgrabungen in England (Fluorit, Jesse Fisher), Dioptas (Namibia),  Turmaline in Kalifornien, Red Cloud Wulfenite (soweit ich weiß, beendet und nur noch auf Sparflamme). Eine der wohl spektakulärsten specimen mining operations war der fast 10 Jahre anhaltende Abbau von Rhodochrosit in der alten, aufgelassenen Home Sweet Home Mine (Bryan Lees, Gene Meieran, Martin Zinn, John Lucking).
In Deutschland hat, soweit ich meinen Gerüchten traue, auch mal ein bekannter deutscher Mineralienhändler versucht,  specimen mining auf Krokoit (Callenberg) zu betreiben, ist jedoch wohl an den Hürden der Bürokratie geschietert.

"Specimen mining" ist auch der in großem Stil betriebene Abbau der Pegmatite in Nord-Pakistan, der Basalte in Maharashtra in Indien, der Pegmatite in Afghanistan und die Förderung von tausenden Vanadiniten in Marokko. Dies sind keine Gewerbe nach unserem Verständnis, sondern (staatlich) unkontrollierter Abbau von Sammlerstufen für den Mineralienmarkt.

"Specimen mining" ist jedoch nicht der Abbau von Edelsteinen, wie die Smaragde in Kolumbien, Tansanite in Tansania, Rubine in Myanmar, Topase und Berylle in Brasilien und  der Edelsteine in Sri Lanka.

Wie schon Markus schrieb, sind die wenigsten erz-steine- oder salzfördernden Gruben auch "specimen mining" - Betriebe. Das eine schließt das andere aus.
mit bestem Gruß
collector




Offline endeavour-minerals

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Hallo,
und ich dachte bis her, das man die "Steinbrüche" in Indien des Gesteines, also des Baumateriales wegen betreibt.
Also wenn ich mal von Indien absehe, muss ich also "specimens mining" so verstehen, das es sich ausschließlich auf Untertage gewonnene Mineralien handelt. Diese Aktivitäten müssen demnach noch nicht einmal einen Gewinn erzielen, es reicht die Kostendeckung.
Denn das währe ja dann im falle der Rogerley Mine in England der Fall.
Zitat Harjo:
Einige Freunde von mir betreiben ein schlammiges Loch im Norden Englands ;-) , und die jährlichen kosten laufen in die
fünf bis sechsstelligen Zahlen. Die verkaufte Stufen sollen es ermöglichen die Grube zu betreiben, also sind sie nicht gerade billig, denn das eine Jahr ist gut aber das andere Jahr ist die Ernte gering.


Dies ist also der Unterschied.

Gruß Ingo

 

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