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Steinzeitliche Artefakte - aber aus welchem Material?
Gye:
Hallo!
Ich bearbeite für meine Magisterarbeit ein altsteinzeitliches Fundinventar aus einer Kiesgrube bei Barbing, Lkr. Regensburg. Der Großteil der dort zur Werkzeugherstellung verwendeten Rohmaterialien stammt aus den Donauschottern oder ist Jurahornstein aus naheliegenden Lagerstätten. Nur aus einem Material bin ich nicht schlau geworden. Es ist honigfarben und sehr durchscheinend, besitzt eine sehr verrundete Gerölloberfläche und jede Menge Klüfte und patiniert weiß mit violetten Flecken. Die ursprüngliche Größe der Knollen war wohl recht gering (im Verhältnis zu den anderen, besser geeigneten Materialien), sie hatten wahrscheinlich einen Durchmesser von 5-10cm. Die rötliche bzw. schwarze Verfärbung der Stücke auf dem zweiten Bild ist vermutlich auf Hitzeeinwirkung zurückzuführen. Es sieht so aus, als würde es aus Flussschottern stammen, ich konnte es allerdings in den Donauschottern nicht finden und es wird auch bei Beschreibungen der Schotterzusammensetzung der Donau nirgendwo ein ähnliches Material erwähnt.
Das Rohmaterial, dessen Herkunftsgebiet am weitesten von der Fundstelle entfernt ist, ist ein Jurahornstein vom Typ Abensberg-Arnhofen, der in ca. 30km Entfernung zu finden ist. Der Rest stammt, wie erwähnt, aus den Donauschottern oder Lagerstätten im Umkreis von 10km um die Fundstelle. Es ist also mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, dass sich auch das Herkunftsgebiet dieses Materials etwa in dieser Gegend befindet.
Ich würde mich tierisch freuen, wenn mir jemand einen Tip geben könnte, um was für ein Material es sich hier handelt, und wo man es finden kann. Auch über einen Literaturhinweis, wo ich Infos finden könnte, wäre ich glücklich.
Im Voraus herzlichen Dank :)
Mark77:
Hallo,
das zweite Material sieht sehr nach Keuperhornstein aus. Bislang sind mir nur wenige Stücke bekannt, der derartig bunten Variante in den Donauschottern.
Das erste Material könnte genauso Keuperhornstein sein. Die Farbe gepaart mit der Opazität spricht dafür. Allerdings gibt es auch ein paar wenige Aufschlüsse an Jurahornsteinen, die so in der Art aussehen können.
Wo schreibst du denn? Habt ihr dort eine Rohmaterialvergleichssammlung? Ansonsten kannst du mir mal mehr Photos schicken oder auf flintsource.net oder auf www.praehistorische-lithothek.de nachschauen.
Schöne Grüße,
Markus
Gye:
Hallo,
danke, da werd ich mich auf jeden Fall mal weiter informieren (hab schon einen Aufsatz namens "Keuperhornstein und seine natürlichen Vorkommen" herausgesucht :)). Ich studiere in Erlangen, wo wir zwar eine Vergleichssammlung haben, in der ich auch schon einige Tage verbracht habe, aber eben kein vergleichbares Material gefunden hab. Flintsource und die Prähistorische Lithotek hab ich auch schon oft und erfolglos durchwühlt. Meine restlichen xtausend Rohmaterialvarianten konnte ich alle problemlos bestimmen, nur das Zeug eben nicht... Und bei uns sagt man "Wenn du nicht weißt, was es ist, nenns Keuperhornstein". Deswegen möchte man seine Rohmaterialien eigentlich nie so bezeichnen :D Werde dem Keuperhornstein aber auf jeden Fall eine Chance geben, die schlechten Schlageigenschaften würden auch dazu passen.
Herzlichen Dank, jetzt bin ich schlauer :D
Mark77:
Hallo,
also, ich habs mir nochmal angeschaut. Das zweite material ist defintiv Keuperhornstein. Das material kommt auch, wie du sicherlich anhand der Knolle feststellen konntest, aus Flussschottern. Was Keuperhornsteine dabei auszeichnet, ist, dass sie dann von Aussen gänzlich unscheinbar wirken und dadurch nicht als solches erkannt werden können. Ihre Farbenpracht zeigen sie erst durchs Öffnen.
Hier noch zwei Links zum Thema Keuperhornsteine:
* http://www.hohenloher-feuersteine.de/
* http://www.achatikas.de/?doc=Mittelfranken (bissl runterscrollen^^)
Das erste Material könnte übrigens rein Äusserlich auch Kreidefeuerstein sein. In Bayern nennt man das ja Kreidehornstein. Aber rein optisch siehts auch so aus. Würde dadurch aber auch wieder für den keuper sprechen, das das Material da sehr chalcedonartig ist.
Was meine Seite angeht, muss ich endlich mal den Keuper auffrischen!
Schöne Grüße,
Markus
Gye:
Vielen vielen Dank, dann mach ich mich jetzt mal dran, rauszufinden, wo das nächste Keuperhornsteinvorkommen zu meiner Fundstelle ist. Wahrscheinlich tatsächlich in den Donauschottern, obwohl ich die Dinger bisher net da drin gefunden hab. Und "chalcedonartig" triffts echt gut, meine vorläufige Bezeichnung für das Material war auch Chalcedon.
Viele Grüße,
Gye
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