Hallo,
ich möchte nochmals auf die Frage der Grubenbenennung des Johannessschachtes als „Grube Wölsendorf“ eingehen.
Zitat: Michael Kommer #6 in diesem Thread:
ab circa 1951 war das nicht mehr die Grube Johannesschacht, sondern die Grube Wölsendorf, sie wurde einfach umbenannt, Johannesschacht macht zu, wird verfüllt, jetzt war der Name wieder frei und ab 01.01.1970 wird aus der Grube Wölsendorf-Marienschacht die Grube Wölsendorf.
Als Quelle nennt Michael Kommer:
Grube Wölsendorf ... und nicht Grube Johannesschacht. ( nachzulesen Jahrbuch des deutschen Bergbaus 1955 Seite 547 und 548 …
Diese Quelle habe ich mir zwischenzeitlich beschafft. Tatsächlich findet sich auf der Seite 548-549 eine „Grube Wölsendorf“ unter der Auflistung der Betriebe der Firma „Flußspatwerke G.m.b.H.“ (gelistet sind der Reihe nach „Grube Lichtenberg“, „Grube Sulzbach I und Sulzbach II“ und „Grube Wölsendorf.“). Es findet sich kein Hinweis, dass die Grube Johannesschacht umbenannt worden wäre. Jedoch ist auf Seite 554 unter der Überschrift „Weitere Flußspatgruben“ für das Bergamt Amberg der Eintrag: „Flußspatgruben Johannes- u. Barbaraschacht in Wölsendorf“ zu lesen.
Die Quelle erscheint damit widersprüchlich. Genauer betrachtet kann diese Unstimmigkeit jedoch erklärt werden. Die Bezeichnung „Grube Wölsendorf“ steht in dieser Auflistung ebenso wie „Grube Lichtenberg“ für den in Wölsendorf bzw. Lichtenberg ansässigen Teilbetrieb der „Flußspatwerke G.m.b.H.“, nicht jedoch für die Benennung für die Schachtanlage. Der Bearbeiter konnte lediglich den Grubennamen Johannesschacht nicht dem Zweigbetrieb „Grube Wölsendorf“ der in Frankfurt ansässigen Flußspatwerke G.m.b.H. zuordnen. Man muss also zwischen (Teil-) Unternehmensnamen und Benennung der Schachtanlage unterscheiden. Klar wird das am Beispiel „Gewerkschaft Wölsendorf“ auf S. 553 in der gleichen Quelle. Hier findet sich unter der Überschrift „Gewerkschaft Wölsendorf“ der Satz: „In Betrieb befindliche Bergwerksanlagen: Marienschacht in Wölsendorf; Heinrich-Kocher-Stollen, Wölsendorf.“.
Nun sind in der Literatur und auf Sammlungszetteln öfters die Bezeichnungen der Schächte (also z.B. „Marienschacht“ statt „Gewerkschaft Wölsendorf“) zu finden oder -leider viel häufiger- eben nur „Wölsendorf“. Im letzten Fall kann die räumliche Nähe zur Ortschaft oder auch nur das Revier gemeint sein. Viele mir bekannte Sammler verwenden allerdings „Wölsendorf“ synonym zum Marienschacht.
Nur der Vollständigkeit halber: In den amtlichen Unterlagen (also Bergamt, Oberbergamt, Bayerisches Geologisches Landesamt) und in der wissenschaftlichen Literatur wird der „Johannesschacht“ durchgängig eben als „Johannesschacht“ bezeichnet. Das ist u.a. deswegen von Bedeutung weil z.B. die Grube Johannesschacht als Typlokalität für das Mineral Wölsendorft genannt wird (das Holotype-Material stammt aus dem Johannes-Gang und die Erstbeschreibung 1957 fällt in den Zeitraum der angeblichen Umbenennung).
Zusammenfassend gibt es meiner Meinung nach keinen Anlass von einer „Grube Wölsendorf“ zu sprechen wenn man den Johannesschacht meint.
Gruß
Berthold