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Autor Thema: Welche Gestein?  (Gelesen 8147 mal)

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Offline Darwin

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Welche Gestein?
« am: 18 Sep 11, 13:02 »
Hi,
ich bin mir bei folgender Bestimmung nicht ganz sicher...
Gefunden wurde das Stück im Frankenwald (Frankenwälder Paläozoikum) in der Nähe von Seibelsdorf/Marktrodach.
Mir wurde gesagt, oder der Tipp gegeben, dass es sich um ein gabbroidisches Gestein handelt und er unter Metamorphose stand...also ein "Meta-Gabbro".
Man erkennt ziemlich viele ca 1 mm große Plagioklas-Kristalle, er nicht magnetisch, und die Farbe geht ganz leicht ins grünlich-graue/grünlich-grauweiße.
Wenn dies nun bestätigt wird, warum ist das dann ein "Meta-Gabbro"...also welche Metamorphose unterlag er?
Noch ein Hinweis.
Der Gabbro (wenns denn ein Gabbro ist) steckte als Intrusion zwischen einer Grauwacken-Tonschiefer-Wechselfolge und muss somit dann junger als die Wechselfolge (Oberdevon-Unterkarbon)...könnte die Metamorphose durch die varizstische Orogenese herrühren?

LG


Offline Jörg

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #1 am: 19 Sep 11, 17:36 »
Hallo,

Zitat
warum ist das dann ein "Meta-Gabbro"...also welche Metamorphose unterlag er?
soweit ich weiss, geschieht die Umwandlung auf isochemischem Weg durch Zutritt von Wasser und hohem Druck im Bereich von 8 - 10 Kilobar, wobei die Umgebungstemperatur zw. 500 und 600°C liegen muss.

Quelle: Mineralogy and Petrology, Vol. 19, Nr.4, Die Bildungsbedingungen von alpinotypem Eklogitamphibolit und Metagabbro, erläutert and Gesteinen der Koralpe, Steiermark, H. Heritsch

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Jörg

Offline Darwin

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #2 am: 19 Sep 11, 23:08 »
Hi,
hm...dann müsste nach deiner Definition dies eine Hochgradige Metamorphose sein, aber dieser Stein stammt aus dem Frankenwälder Paläozoikum, genauer gesagt aus der Thüringischen Fazies.
Nach dem Mineralienaltas und anderen div. Regional-Büchern aus diesem Gebiet, unterlagen die Sedimente (und Magmatite) nur unter einer Niedriggradiger oder bis Mitelgradiger Metamorphose (also max ca. 500 °C und 5 Kbar).
Wenn denn die Parameter so hoch sind, wie du meintest, müsste der Gabbro eigentlich Eklogit sein, oder zumindest ein Gestein mit Eklogitischer Zusammensetztung.
Oder denk ich einfach nur zu kompliziert??? >:(
Vllt war das einfach nur eine ganz normale Basalt-Intrusion (also Gabbro) in die Grauwacke-Tonschiefer-Wechselfolge...und die Intrusion unterlag ganz normal der Niedriggradigen Metamorphose, welche durch die varizstische Orogense verursacht wurde...wie zb der Tonschiefer
Zur Zeit des Oberdevons war ja in diesem Gebiet ein massiver (untermeerischer) basischer Vulkanismus.
Wie man dies zb im Stbr.  Hartsteinwerk Heiss und Söhne eindeutig sehen kann.

Macht das Sinn  ;D

LG

Offline smoeller

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #3 am: 20 Sep 11, 10:55 »
Hallo,

Das hier ist ganz sicher kein Hochdruck-Metamorphit, Eklogit erst recht nicht.

Es handelt sich um eine typische grünschieferfazielle Überprägung, wie sie viele basische Vulkanite in ähnlichen Settings erlebt haben. Dabei sind v.a. die Plagioklase (Feldspäte) tw.  zu Epidot/Klinozoisit umgewandelt, Biotit zu Chlorit. Daher die grünliche Farbe, siehe das letzte Bild.

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Smoeller

Offline Darwin

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #4 am: 20 Sep 11, 11:42 »

Das hier ist ganz sicher kein Hochdruck-Metamorphit, Eklogit erst recht nicht.

Ich meinte auch nicht, dass es sich um ein Eklo handelt, ich meinte nur, dass es zumindest ein Gestein mit eklogitischer Zusammensetzung bei den Parametern, die Jörg beshcrieben hatte, handelt.

Aber egal, wurde ja jetzt aufgeklärt, trotzdem...vielen Dank für die Aufklärung, nützt mir viel :)
__________________________

Und hier ist noch ein Gestein, aus dem Gebiet...
Es handelt sich um Knollenkalk, welcher aus dem Oberdevon stammt.
Die Kalke liegen an einigen Punkten um Seibelsdorf (im Frankenwälder Palöozoikum) als Olistholithe zwischen der Grauwacke-Tonschiefer-Wechselfolge.
Wie die da hin kommen, ist recht klar, aber ich find in div. Literatur und Internet keine richtige Erklärung zur Entstehung der Knollenkalke (also bevor sie Olithilithe waren).
Es wird sich sicher um ein chemisches Sediment handeln, aber wie kommen zb die Knollen da drein?

LG

Offline smoeller

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #5 am: 20 Sep 11, 11:52 »
Hallo,

Knollenkalke sind meist Sedimente die im Bereich der CCD lagen, also der Tiefe, bei der Calciumkarbonat in Meerwasser eher in Lösung geht als in fester Form vorzuliegen. In Zeiten schwankender Meeresspiegel kommt es zur Verschiebung der CCD und damit zu einem Wechsel von Auflösung und Wiederfällung von Calcit.

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Smoeller

Offline Jörg

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #6 am: 20 Sep 11, 11:55 »
Hallo,

mit meiner Antwort meinte ich nicht, dass es sich bei Deinem Gestein um einen Hochdruck-Metamorphit handelt, wie Smoeller bereits angeführt hat. Sieht wirklich nicht danach aus. Habe mit meiner Antwort nur Deine Frage beantworten wollen, unter welchen Bedingungen ein Meta-Gabbro entsteht.

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Jörg

Offline Darwin

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #7 am: 20 Sep 11, 12:47 »
Hi Jörg,
ok, dann hab ich das falsch verstanden, bitte um Verzeihung...

Hi smoeller,
ok, wenn ich das richtig verstanden hab, befand sich der Sedimentationsraum der Knollenkalke etwa 4 km Tiefe im Meer.
Oberhalb der CCD fällt das Karbonat in fester Form aus (eben die Knollen) und unterhalb der CCD geht sie in Lösung und sedimentiert nicht, bis dann irgendwann der Meeresspiegel sich ändert...

richtig?

Aber warum sind das Knollen?

Bei Wiki stand zb folgende Def.

"Knollenkalke sind Kalksteine, die uns meist als farbige Gesteine ins Auge fallen. Sie entstehen durch Diagenese (Verpressung und Zementation) von Kalkschlämmen, die in Salzmeeren abgelagert werden und sich zu Knollen verformen"
(http://de.wikipedia.org/wiki/Knollenkalk)

Ich finde das sehr schwammig formuliert...

LG
« Letzte Änderung: 20 Sep 11, 13:01 von Darwin »

Offline smoeller

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #8 am: 20 Sep 11, 13:38 »
Hallo Gordon,

Gewiss sind beide Möglichkeiten gegeben (die von Wikipedia und die mit der CCD). Letztere haben wir für bestimmte alpine Knollenkalke in der Grundvorlesung gelernt. Wenn es sich bei den Gesteinen in der Umgebung deines Fundortes um untermeerische Gesteine handelt, liegt die Sache mit der CCD nahe. In dem Falle ist ein Salzmeer eher unwahrscheinlich, das sind Flachmeersedimente (meist Lagunensedimente) in ariden Gebieten.

Die Form kannst du so erklären: Die Lösung erfolgt von der Oberfläche und Rissen/Sprüngen/Korngrenzen aus. Ungestörte und dichtere Bereiche bleiben am längsten unbeeinflusst und überleben bis zuletzt. Natürlich erfolgt Lösung von allen Seiten, daher entstehen rundliche Formen (leg mal ein kantiges Stück Salz in Wasser und hole es nach einiger Zeit mal raus, ist auch schön rundgelutscht).

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Smoeller

Offline Darwin

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #9 am: 20 Sep 11, 14:51 »
Hi,
ah, ok...wenn du das sagst, erinnere ich mich wieder aus der Petro-Vorlesung...man...das sind eig alles Dinge, die ich hätte wissen müssen :(
Aber ich habs jetzt verstanden...!
Naja... ein Flachmeer war das zu dieser Zeit nicht gerade...aber frag mich jetzt nicht, wie tief das genau war :)
Gibt es für diese Lösung einen Fachbegriff?
Wenn dies in einer Gesteinsschmelze passiert, nennt man das ja Resorption (zb Rhyolit (Hallischer Porphyr))...kann man das auch für die Knollenkalke verwenden?

LG
« Letzte Änderung: 20 Sep 11, 15:05 von Darwin »

Offline smoeller

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #10 am: 20 Sep 11, 18:17 »
Hallo,

Lösung/Fällung bei chemischen Sedimenten, würde ich sagen. Oder Auflösung/Ausfällung.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Darwin

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #11 am: 20 Sep 11, 19:53 »
Hi,
ok, erstmal alle Fragen geklärt, danke nochmals...
Vllt folgen ja noch ein paar ;D

LG

Offline Darwin

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #12 am: 27 Sep 11, 14:54 »
Hi,
nächstes Gestein.

Es handelt sich bei folgendem Stück erstmal um Kieselschiefer, aber man sieht in vielen Stücken, weiße Adern und andere weiße Gebilde...handelt es sich um Quarz bzw. Quarzgänge...wenn ja, wie sind diese entstanden?

lg

Offline triassammler

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #13 am: 27 Sep 11, 16:55 »
Hallo Gordon,

handelt es sich um Quarz bzw. Quarzgänge...wenn ja, wie sind diese entstanden?

Ein Student der angewandten Geowissenschaften verfügt sicher über die Kenntnisse, die Gangart zu bestimmen? In der Regel ist die ja nicht so exotisch.
Entstehung: Durch Scherkräfte mit anschließender Mineralisation der resultierenden Klufthohlräume.

Oder willst Du es ganz spezifisch für dieses Gestein im genetischen Kontext des Vorkommens wissen? Dann wären Angaben zum Fundort vonnöten...

Gruß,
Rainer

Offline Darwin

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Re: Welche Gestein?
« Antwort #14 am: 27 Sep 11, 17:00 »
Hi,
ja, ich wollte das spezifisch wissen...sorry...hätte ich vllt hin schreiben sollen... :(
Der Fund ist Radspitze, bei Seibelsdorf (Marktrodach) in Oberfranken, alle Steine, ide ich vorstelle kommen ungefähr aus diesem Gebiet...

LG