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Autor Thema: Verschiedene Kristallformen auf einer Stufe.  (Gelesen 3484 mal)

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Offline Hammerfaust

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Hallo zusammen und noch ein frohes neues Jahr,

da hier so eifrig über Kristallformen diskutiert wird, habe ich gleich noch eine Frage dazu.
Kann es sein, dass auf einer Stufe 2 Kristallformen eines Minerals vorkommen?
Z.B. das auf tafeligem Baryt noch Baryt Kristalle (z.B. Meiselspat) aufgewachsen sind oder bei Calcit, Skalenoeder auf Rhomboeder?
Welche Umstände erfordert dies?
Kann es auch in einer Generation vorkommen oder müssen es mindestens 2 sein?
Ist es überhaupt möglich?

Danke und Glück auf

Hammerfaust


« Letzte Änderung: 05 Jan 12, 21:52 von slugslayer »

Offline Krizu

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Re: Verschiedene Kristllformen auf einer Stufe.
« Antwort #1 am: 05 Jan 12, 19:20 »
Hallo,

ich bitte um Verzeihung für die Fremdverlinkung:
http://www.physik.uni-osnabrueck.de/kristall/kristalle/BaTiO3.JPG

Der Kristall unten rechts, ein Perowskit, hat einen parasitäten hexagonalen Kristall. Das ist die dünne Tafel. der Oktaeder darunter ist kubisch. Beide warenim gleiche nTiegel bei der gleichen Temperatur. Aber in der Regel muss sich was am Wachstum ändern, damit sich die Trcht ändert.

MFg

Frank
« Letzte Änderung: 05 Jan 12, 21:54 von slugslayer »

Offline smoeller

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Re: Verschiedene Kristllformen auf einer Stufe.
« Antwort #2 am: 05 Jan 12, 22:04 »
Hallo,

Gibt es durchaus, und zwar gar nicht so selten. Zum Baryt: Ich hatte mal eine Stufe von der Grube Clara, da waren graue Meißelspäte und gelbe Honigspäte in tafeliger Ausbildung drauf. In Seifersdorf bei Freiberg in Sachsen war ein Calcitgang aufgeschlossen, der reich an Drusen war. Da kamen in räumlicher Nähe sowohl Rhomboeder als auch Skalenoeder als auch prismat. xx vor, allerdings teilweise von derbem Calcit getrennt. Das zeigt aber, dass sich in einer zusammenhängenden Gangfüllung die Verhältnisse relativ rasch geändert haben dürften, wenn nebeneinanderliegende Drusen/Klüfte unterschiedliche Ausbildungen beinhhalten.

So etwas kann unter anderem  durch Veränderung der Lösungszusammensetzung (z.B. neue Zufuhr oder Verarmung an bestimmten Komponenten) geschehen, oder durch Veränderung von Druck oder Temperatur.

In manchen Fällen entstehen Skelettkristalle oder Szepter, in anderen Fällen verändern sich Tracht, Habitus, Farbe etc. ganz, es entstehen mehrere Generationen (so wie das Beispiel mit den Baryten).

Häufig sind bei Fluoritoktaedern die Flächen hinterher von kleineren Würfeln überwachsen. Das wäre ein Beispiel für einen Sonderfall der orientierten Verwachsung, bei dem Gast und Wirt das gleiche Mineral sind (müsste dann wohl Homotaxie oder Homöotaxie heissen im Gegensatz zur Epitaxie). Das ist in dem Falle eine Generation (gleiche Farbe, keine Trennschicht oder Einschlüsse im Grenzbereich).

@Krizu: Auf dem Foto sehe ich einen plattig verzerrten Oktaeder neben einem normalen Oktaeder. Die Tracht ist damit dieselbe, nur der Habitus ist ein anderer (wennn man das auf kubische Kristalle mit identischen Achsenlängen in allen 3 Raumrichtungen so anwenden kann). Ja, beide waren im gleichen Tiegel, aber entweder gab es einen Temperaturgradienten oder die Diffusion war nicht gleichmäßig (schnelleres Wachstum in a und b, langsameres in der vertikalen.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Krizu

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Re: Verschiedene Kristallformen auf einer Stufe.
« Antwort #3 am: 05 Jan 12, 22:14 »
Hi,

die Beiden wurden gut untersucht, glaube mir ;-) der Oktaeder hat den tetragonalen Phasenübergang durchlaufen, die hexagonale Platte nicht und ist daher klar.

Der Unterschied könnte der Sauerstoffgehalt der Schmelze sein, aber unwahrscheinlich. Die Lösung wurde während des Wachstums durch eine sehr effiziente Technik durchmischt. Der Temperaturgradient war ohne Durchmischung kleiner als 1K/cm.

MfG

Frank

Offline Hammerfaust

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Re: Verschiedene Kristallformen auf einer Stufe.
« Antwort #4 am: 06 Jan 12, 08:22 »
Hallo ihr beiden,

das war sehr aufschlussreich und interessant. Danke für die schnellen Antworten.
Dann muß ich bei mancher Stufe doch nochmal etwas genauer hinschauen und an der Fundstelle die Umgebung genauer untersuchen.


Glück auf Hammerfaust

Offline cmd.powell

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Re: Verschiedene Kristallformen auf einer Stufe.
« Antwort #5 am: 10 Jan 12, 04:07 »
Hi

Zu dem Thema kann ich noch einen Linarit von der Grube Glücksrad "beisteuern". Auf der einen Seite des Hohlraums fanden sich eher blockig, kurzprismatische Kristalle und zu der anderen Seite des Hohlraums hin werden die Kristall immer dünner und plattiger. Grade bei Sekundärmineralien findet man recht häufig unterschiedliche Ausbildungen auf der selben Stufe und gelegentlich auch im selben Hohlraum. Das ist also nichts Ungewöhnliches und grade bei den Sekundärbildungen auf Bergwerkshalden ändert sich der Chemismus relativ schnell.

@Frank: Wenn der eine Kristall wirklich kubisch ist und der andere hexagonal: Wo liegt den die Umwandlungsgrenze von der einen Modifikation in die Andere ? Könnte es sein, das ihr bei eurem Experiment im Bereich dieser Grenze wart, wodurch die gleichzeitige Existenz beider Phasen nebeneinander erklärbar wäre ?

Offline Krizu

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Re: Verschiedene Kristallformen auf einer Stufe.
« Antwort #6 am: 10 Jan 12, 07:01 »
Nein, hexagonal-kubisch liegt irgendwo bei 1580°C (? ca) Danach folgt ein zerstörerischer Phasenübergang in die kubische, dann bei 120°C in die tetragonale Phase. Daher wird BaTiO3 aus Lösungen gezüchtet. Imho waren es Spuren an Sr im ppm-Bereich, die die hexagonale Phase stabilisieren können. Nein  8) - die Lösungen waren gut durchmischt, sonst kannst du keinen Kristall aus einer TiO2-Lösung züchten.

MFG

Frank

Offline cmd.powell

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Re: Verschiedene Kristallformen auf einer Stufe.
« Antwort #7 am: 12 Jan 12, 02:52 »
Imho waren es Spuren an Sr im ppm-Bereich, die die hexagonale Phase stabilisieren können.

Mag sein. Sowas ähnliche hatte mir mein Prof. mal im Zusammenhang mit - ächtz - Christobalit auf Tridymit, oder andersrum (?), also so, wie es eigentlich nach Phasendiagramm nicht funktionieren sollte, von der Eifel erzählt. Naja, die Spurenelemente beeinflussen nicht nur die Tracht von Kristallen sondern auch gleich das ganze Gitter. Das ist - etwas weiter gedacht - ansich nicht verwunderlich.