Hallo Jens,
es gibt verschiedene Mechanismen der Entstehung von Kalksteinen:
1. biogene Kalkproduktion (kalkhaltiges und -schaliges Plankton, Meso- und Makroorganismen)
2. abiogene Kalkfällung (durch Übersättigung des Meerwassers)
Mechanismus 2 ist Teil des Evaporitzyklus' (genauer: steht an dessen Beginn), aber nicht darauf beschränkt. Es gibt auch nichtsalinare Zonen, in denen das Meerwasser übersättigt ist und Kalk ausfällt. Rezent findet das z. B. an manchen Stellen der Bahamas statt.
Dann kam aber die Frage vom Dozenten
Ihm war dabei hoffentlich bewusst, dass er ein unglaublich umfangreiches Themengebiet anreisst? Das geht von den Ablagerungsbedingungen der Sedimente bis zur Diagenese derselben und umfasst viele Teilaspekte.
Na gut, versuchen wirs mal kurz und knackig:
Schichten von Kalkablagerungen ohne eingeschlossenen Fossilien
1. Evaporite: Leben fühlt sich in übersalzenen Becken nicht besonders wohl. Kalk in einer salinaren Sedimentfolge stammt aus abiogener Kalkfällung (s. o.) oder ist als Kalkschlamm aus belebteren Meeresbereichen durch Strömungen verfrachtet worden. Bei Stürmen können so auch größere Organismenreste in das Becken gelangen, das geschieht aber eher nur bei besonderen Beckengeometrien und ist häufig auf die meerwärtigen Teile des Beckens beschränkt, während das Beckenzentrum fossilfrei bleibt.
2. Die Diagenese (Umwandlungs- und Verfestigungsvorgänge des Sediments nach seiner Ablagerung) hat alle Spuren von Organismenresten zerstört. Dies geschieht bspw. dann, wenn durch Kristallisation des Kalkschlamms zu Calcit das ursprüngliche Gefüge (zu dem auch enthaltene Schalenreste) aufgelöst wird. Man erhält dann einen homogenen Kalkstein.
3. Aragonitlösung: Die Kalkschalen vieler Meerestiere bestehen ganz oder teilweise aus der Calciumkarbonat-Modifikation Aragonit. Die Gehäuse von Ammoniten z. B. vollständig. Aragonit ist leichter löslich als Calcit (aus dem in der Regel der Kalkschlamm des Sediments besteht) und wird häufig während der Diagenese aufgelöst, so dass von den Schalen im besten Fall ein Hohlraum, im schlechtesten gar nichts übrig bleibt (wenn sich das Sediment noch weiter setzt und die Hohlräume verschwinden).
Kalkablagerungen mit wenig Fossilien geben kann die dann aber dafür sehr artenreich, sein können
"Sein können". Artenreichtum bei relativer Individuuenarmut ist eher die Ausnahme im paläontologischen Beleg. Artenreichtum entsteht in Zonen hoher Bioproduktivität, das sind per se Zonen hoher Individuendichte.
1. Es könnte sein, dass euer Dozent auf das Beispiel der Oberjura-Plattenkalke der Fränkischen Alb ("Solnhofener Plattenkalke") abzielte: Die Kalke kamen in Lagunen mit ungünstigen Lebensbedingungen zur Ablagerung. Es handelt sich dabei um Kalkschlamm, der außerhalb der Lagunen in hoch produktiven Schwammriffen entstand und bei Stürmen in die Lagunen verfrachtet wurde. Zusammen mit dem Schlamm wurden auch immer wieder einige Riffbewohner (Fische, Krebse, Ammoniten etc.) in die Lagunen gespült, verendeten dort im zu warmen und übersalzenen Wasser und wurden im Sediment konserviert. Die Anzahl der bekannten Arten aus diesen Plattenkalken ist sehr hoch, die Individuendichte im Volumen aber sehr gering. Dass man trotzdem viele Arten kennt liegt daran, dass die Plattenkalke seit Jahrhunderten im ganz großen Maßstab und per Hand (!) abgebaut werden und auf jedes Fossil akribisch geachtet wird.
Das Milieu der Plattenkalke und das Sediment selbst boten beste Bedingungen für die Erhaltung von Organismenresten. "Viele Arten, relativ wenige Individuen" ist hier ein taphonomischer (nachschlagen!) Effekt und hat wenig mit der Sedimentologie des Kalksteins zu tun.
2. Es kann vorkommen, dass durch diagenetische Vorgänge (s. o.) z. B. die Reste aller Aragonit- und/oder Kalkschaler aufgelöst werden, stabilere Hartteilsubstanzen wie Knochen (Hydroxylapatit) oder Krebspanzer (Chitin) aber bestehen bleiben. Der fossile Beleg ist dann um diese aufgelösten Organismengruppen ärmer. Wirbeltiere und Krebse stehen weiter oben in der Nahrungspyramide und kommen deswegen allgemein im fossilen Beleg zahlenmäßig seltener vor als Invertebraten, können aber trotzdem in einer einzigen Schicht viele Arten stellen. Ein Beispiel hierfür wären manche Bänke des Muschelkalks (Mitteltrias) im Germanischen Becken, die, obwohl aus Kalkschlamm und Muscheltrümmern entstanden, nur noch Wirbeltierknochen/-zähne und Krebsreste als erkennbare Fossilien führen, während alles andere diagenetisch ausgelöscht ist.
Das war jetzt mal nur ein grober Abriss. Wenn noch Fragen sind - bitte nachhaken!
Gruß,
Rainer