Hallo,
Ich habe das durchaus schon gemacht. Allerdings handelte es sich da um Material, das von einem Privatsammler abgegeben wurde. Und das, weil er das Material nicht mehr selber verarbeiten wollte. Das Material war durchmischt und hatte durchaus eine ganze Reihe verschiedener Mineralarten zu bieten. Ich kaufe sogar lieber eine ganze Menge solchen Rohmaterials als bereits gedoste Ware. Erstens gibt es dann einfach mehr zu entdecken (auch wenn man manchmal etwas enttäuscht wird). Zweitens sind da manchmal auch die unauffälligeren Minerale drin, die evtl. wegen ihrer Seltenheit von höherem Interesse sein können als die auffälligen Arten, zumal, wenn man auch systematisch sammelt.
35 Euro für 1 kg halte ich für recht teuer, wenn es sich nicht um die von franksch bereits angesprochenen Paragenesen handelt. Leider angesichts der heute zu zahlenden Eintritts-/Mitnahmepreise an der Mineralienhalde ist der Preis schon eher verständlich.
Meines Erachtens lohnt sich der Kauf von Rohmaterial am ehesten, wenn man eine große Menge (sagen wir 100 kg) für einen Kilopreis von 1-3 Euro bekommen kann. Da bleibt trotz der im Moment hohen Anschaffungskosten immer genug für die eigene Sammlung über und auch genug zum Tausch/Verkauf an Sammelkollegen. Ein paar Überraschungen und wirklich gute Stücke sind da schon fast garantiert.
Wichtig ist in dem Fall, dass es sich jedoch wirklich um Übermengen handelt, die vom Verkäufer allenfalls nur grob vorsortiert, aber nicht bereits stark vorselektiert und -zerkleinert wurden, Gegebenenfalls, wenn möglich, eine kleinere Menge (10-15 kg) kaufen und erstmal schauen, Wenn alles OK ist, kann man immer noch die größere Menge ins Auge fassen.
Vorsicht ist bei eBay geboten. Allzu leicht lässt man sich von den blumigen Versprechungen des Verkäufers ("besonders selten", "seltener Fundort", "interessante Mineralien", "besonders wertvoll" etc.) und dem eigenen Erwartungsdruck zu einem hohen Gebot auf tatsächlich weitestgehend wertlose 08/15-Ware hinreißen. Wichtig ist hier erstmal ein aussagekräftiges (vor allem klares) Bild. Zumindest eines sollte dabei den gesamten Umfang des zur Auktion stehenden Angebotes umfassen, wenn möglich mit erkennbarem Maßstab. Ein gut einschätzbarer Gegenstand (gängige Pralinenschachtel, Obstkiste) reicht erstmal aus, besser jedoch ein eindeutiges Merkmal (MM-Dose, noch besser Zollstock). Wichtig ist ferner ein wenig Kenntnis der vorkommenden Mineralarten beim Käufer. So kann z.B. für einige Fundorte das Vorkommen von Sekundärmineralien typisch sein. Gutes Material erkennt man dann daran, dass die Stücke reichlich grüne, gelbe oder rosa Flecken, evtl. sogar Drusen zeigen. An anderen FO, bei denen es um die primären Erze geht, kann das reichliche Vorhandensein grauer oder silbriger oder goldfarbiger Adern einen hohen Erzgehalt anzeigen. Rein weißes Material ohne farbige Flecken/Kristalle oder graue Adern ist meist minderwertig (sieht man mal von wenigen Ausnahmen (etwa Borate oder manche Silikate)) ab. Man sollte sich einen Kilopreis (oder bei fehlender Gewichtsangabe Gesamtpreis) als "Schmerzgrenze" setzen, bis zu dem man bereit ist, mitzubieten. Besonders bei unbekannten Anbietern nie höher gehen, sonst ist meist Enttäuschung und Frust vorprogrammiert. Im Zweifelsfall den Anbieter kontaktieren und um weitere/bessere Fotos bitten. Wird dem nicht nachgekommen oder nicht einmal eine weitere Auskunft zum Artikel erteilt, kann man das Angebot gering einstufen. Im Zweifelsfall ein Gebot eher lassen. lieber eine Frage mehr stellen als zu wenig. Seriöse Verkäufer bemühen sich meist um die Beantwortung aller Fragen, sofern sie nicht "unter die Gürtellinie zielen" ( Fragen etwa nach der genauen Schicht/Stelle innerhalb einer Halde/Grube vor einem Kauf können manchmal problematisch sein; ebenso Fragen nach der Privatadresse/Mail des Verkäufers (etwa wegen Anfrage wegen Verkaufs außerhalb eBays), oder der Quelle, aus der die Stücke kommen). Manche seriösen Verkäufer geben manches bereits in der Artikelbeschreibung an (Eigenfund, aus Sammlung XY, von der Halde AB, aus dem Stollen/Schacht YZ etc.).
Bei Revieren sollte aber zumindest die Grube angegeben sein, wenn das nicht klar ersichtlich ist (z.B. "Alter Schmiedestollen, Wittichen" anstelle von "Wittichen"). Wird dies nicht einmal auf vorsichtige Nachfrage genannt, will der Verkäufer etwas verschleiern (etwa, dass es sich um Funde aus geschützten Bereichen oder von "geheimen" Fundstellen handelt. Dies muss nicht unbedingt unseriös sein, nur wird der seriöse Sammler im Angebot meist mit nachvollziehbaren Argumenten wie "Fundstelle wird dem Käufer auf Wunsch mitgeteilt" oder "genaue Fundortangabe auf dem mitgelieferten Etikett" darauf hinweisen. Für Geheimniskrämer und unseriöse Händler zählt bereits die Anfrage bzgl. der Grube, von der das Material stammt, zu den "Fragen unter der Gürtellinie".
Glück Auf!
Smoeller