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Autor Thema: Woraus resultieren lokale Sammelschwerpunkte?  (Gelesen 3534 mal)

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Offline Tobi

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Hallo Sammlerkollegen,

es gibt hier viele, die lokale Schwerpunkte beim Sammeln haben. Klar, bei vielen sind dies deutsche Fundorte, oft ganz einfach die Heimat derjenigen, womit sich diese lokale Vorliebe recht leicht erklären lässt. Aber es gibt ja auch Sammler mit eher "exotischen" lokalen Schwerpunkten. Mich würde interessieren, wie sich bei euch bestimmte Fundorte/Fundortgebiete/Länder als Schwerpunkt ergeben haben.

Ich selbst sammle ja nicht wirklich mit bestimmten lokalen Schwerpunkten, aber es haben sich in den letzten Jahren bestimmte Länder als Favoriten herauskristallisiert (im wahrsten Sinne des Wortes ;)), namentlich Deutschland, Namibia, China und die USA. Ich bin zurzeit am Überlegen, warum das eigentlich so ist bzw. warum sich genau jene Länder bei mir zu Schwerpunkten entwickelt haben. Im Falle von Deutschland ist es recht einfach: es ist mein Heimatland und hat darüber hinaus sehr viele klassische Bergbaugebiete und viele Mineralien, damit auch eine lange und bedeutende Bergbaugeschichte. Somit habe ich als Deutscher den Vorteil, dass mein eigenes Heimatland viele sowohl schöne als auch klassische und damit sehr begehrte Mineralien hervorgebracht hat.

Nun könnte man sagen, dass Letzteres ja auch auf viele andere zutrifft (z.B. England, Italien oder Frankreich, von denen ich gerade mal jeweils eine Stufe in meiner Sammlung habe), während Namibia ja eher zur "Neuen Welt" gehört und das Sammeln von Mineralien dort eigentlich erst vor etwas mehr als 100 Jahren anfing, als deutsche Kolonisten beim Bau von Bahngleisen ein paar Diamanten im Sand der Namibwüste fanden. Ebenso könnte man argumentieren, dass es eben in Ländern wie Namibia, China oder den USA einfach riesige Mengen an faszinierenden Mineralien gibt. Aber die gibt es in Brasilien, Russland, Pakistan, Mexiko oder Bolivien auch, dennoch faszinieren die mich deutlich weniger. Ich merke, dass der Zusammenhang eher darin zu bestehen scheint, dass Namibia, China und die USA mich auch abgesehen von Mineralien interessieren, vor allem historisch und aufgrund ihrer faszinierenden landschaflichen Schönheit.

Geht das anderen auch so, dass ihre lokalen Schwerpunkte vielleicht gar nicht unmittelbar aus mineralogischen Gegebenheiten resultieren, sondern mehr aus anderen Interessen? Spielen vielleicht persönliche Erlebnisse eine Rolle? Ich war im Leben noch nicht in den USA, in Namibia oder in China, dennoch faszinieren mich diese Länder total, ich sauge jegliche Reportage wie ein Schwamm auf und bin eben auch beim Sammeln von Mineralien total angetan von diesen Ländern. Wäre interessant, wenn andere hier ihre Ansichten teilen. Natürlich spricht das eher jene an, die wie ich ferne Länder als Sammelschwerpunkt haben. Denn wenn jemand in der Oberpfalz aufgewachsen ist, dann liegt der Grund durchaus nahe, warum derjenige vielleicht Wölsendorf sammelt  ;)

Gruß
Tobi

Offline giantcrystal

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Re: Woraus resultieren lokale Sammelschwerpunkte?
« Antwort #1 am: 09 May 12, 13:34 »
Hallöchen

ich denke es liegt daran, das wir alle von den Medien manipuliert werden...

Genauer : über die USA, Namibia, Marokko und einige andere Länder wird viel mineralogisches publiziert, somit wird das Interesse für jene Länder geweckt und die Sammler beginnen sich damit zu beschäftigen...vielleicht einfach nur durch Kauf auf Börsen, vielleicht auch durch die ein oder andere Reise dorthin. Die dort getätigten Funde und Erlebnisse werden wiederum präsentiert, diskutiert und auch zuweilen publiziert, was weiteres Interesse erregt...und so weiter...und so fort.

Andere Länder mit ähnlich guten Fundstellen (!!) werden quasi totgeschwiegen. zum Beispiel Sambia, das ganz excellente Mineralfundstellen für Kupfermineralien, sekundäre Blei - Zinkphosphate und auch Amethyste bietet... viel bessere Fundmöglichkeiten zum Selbersammeln übrigens als Namibia - einfach deshalb, weil (fast) noch keiner da war  !  Die Türkei und der Iran wären andere Beispiele dafür.

Und so kristallisieren sich halt Sammelschwerpunkte heraus....

Glück Auf

Thomas


Offline triassammler

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Re: Woraus resultieren lokale Sammelschwerpunkte?
« Antwort #2 am: 09 May 12, 13:53 »
Hallo,

dürfen sich auch Fossiliensammler dazu äußern? Man kann in dem Fachbereich ja auch die exotischsten Gegenden besammeln...

Natürlich spricht das eher jene an, die wie ich ferne Länder als Sammelschwerpunkt haben. Denn wenn jemand in der Oberpfalz aufgewachsen ist, dann liegt der Grund durchaus nahe, warum derjenige vielleicht Wölsendorf sammelt  ;)
So pauschal würde ich das nicht sagen.
Ich zum Beispiel wohne mitten in einer Region, die Fossilien aus rund 250 Millionen Jahren Erdgeschichte zu bieten hat. Es kann schwer fallen, sich da zu spezialisieren, da Spezialisierung an der einen Stelle immer auch Verzicht an der anderen Stelle bedeutet. Am beliebtesten ist sicherlich der Jura der Schwäbischen Alb, in dem ich auch lange ausgiebig unterwegs war. Der "Wendepunkt" für mich war ein Ausflug mit einem Sammlerkollegen in die heimische Trias, bei dem ich zwei faszinierende Feststellungen machen konnte:
1. Man muss intensiv suchen und findet trotzdem nicht immer etwas
2. Das, was man findet, ist häufig nicht in den "üblichen" Hobby-Fossiliensammlungen vertreten, so dass man sich durchaus eine recht individuelle Sammlung aufbauen kann.

Das war für mich der Ansporn zur Spezialisierung. Dazu kommt dann noch, dass sehr interessante Trias-Fossilien auch in einigen sehr exotischen Weltgegenden (z. B. China, Indonesien, beide Amerikas, Afrika, Australien) zu finden sind - die ich zwar größtenteils nicht selbst besammeln kann, von denen ich aber durch geschickte Kontaktpflege durchaus schöne Belege erhalten kann.
Zuletzt, als besonders interessanter Aspekt, kommt hinzu, dass die Trias in Hinsicht auf Fauna und Flora einen Umbruch vom Paläozoikum zum Mesozoikum markiert und hier wesentliche Entwicklungen, die für die kommenden 100 Millionen Jahre das Bild der Erde prägten, ihren Anfang nahmen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass meine Spezialisierung daher rührt, nicht "die gleiche Sammlung wie alle anderen" zusammentragen zu wollen. Diesem Wunsch kann ich sehr befriedigend einerseits durch Selbersuchen im lokalen Umfeld als auch durch interationalen Tausch und (selten) Kauf nachgehen.

Gruß,
Rainer

Offline Wegschmeißit

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Re: Woraus resultieren lokale Sammelschwerpunkte?
« Antwort #3 am: 09 May 12, 14:12 »

ich denke es liegt daran, das wir alle von den Medien manipuliert werden...


Weniger vor der Glotze und mehr am Bino bzw. im Hobbykeller hängen sind da ein probates Mittel!  ;D

Im Ernst: Ich lasse mich von solchen Dingen nicht manipulieren. Ich sehe mir Beiträge über Fundstellen in anderen Ländern
eher oberflächlich an. Warum? Weil ich da eh nie hinfahren werde und somit dort nicht selber sammeln kann.

Ich sage auch: Ich kenne ja noch nicht mal alles aus meinem Heimatland, was habe ich da woanders zu suchen?
Erholen kann ich mich auch in Deutschland!

Ich bin erst kürzlich ins Lipper Land gezogen. Es gibt hier so viele Fundstellen das ich über Jahre damit beschäftigt sein werde
alles mal gesehen zu haben und eine entsprechende Sammlung aufzubauen.

Ein Spruch ist hier glaube ich ganz angebracht: Warum in die Ferne schweifen wenn das gute liegt so nah?
Ich bleibe Sammeltechnisch gesehen in Deutschland.

Aber natürlich findet sich auch in meiner Sammlung der ein oder andere "Ausländer" und ich kaufe auch zu,
aber ich achte ein wenig darauf dass das selbst gesammelte Material die Oberhand behält.
Darin liegt, für mich zumindest, ja auch der Reiz des Sammelns: nicht auf Börsen "the best of the Rest kaufen",
sonder sich selber die Hände schmutzig machen. Lipper Land, ich komme!  ;D

Glück Auf
Dirk

Offline Jörg

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Re: Woraus resultieren lokale Sammelschwerpunkte?
« Antwort #4 am: 10 May 12, 10:09 »
Hallo,

mein Sammel- bzw. Sammlungsschwerpunkt hat sich im Laufe der Jahre entwickelt. Zuerst war es die Liebe zum Meer, und die Freude an längeren Strandspaziergängen, abseits vom allgemeinen Trubel. Natürlich hat man dabei auch mal das eine oder andere Gestein aufgehoben. Später sind wir dann regelmäßig nach DK in den Urlaub gefahren. Irgendwann ist das Interesse an den Leseteinen einfach gewachsen.
Ich bin also nicht den Sammelmöglichkeiten hinterher gereist, sondern das Interesse kam durch lokale, vor Ort vorhandene Fundmöglichkeiten zustande.

Glück Auf!
Jörg

Offline cmd.powell

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Re: Woraus resultieren lokale Sammelschwerpunkte?
« Antwort #5 am: 13 May 12, 12:34 »
Hi

Die Manipulation durch die Medien ist auch beim Mineraliensammler offensichtlich. Natürlich entzieht sich der Eine oder Andere irgendwelchen mediengesteuerten Trends, aber die Masse wird schon darauf "hereinfallen". Wie sonst kann man sich die völlig überzogenen Preise für z.B. Sweet-Home-Rhodochrosite erklären, sind doch die peruanischen oft schöner, sowohl in Farbe als auch in der Kristallform.

Allerdings würde ich nicht sagen, das man daraus ein Sammelschwerpunkt ableiten kann. Ok, hängt wahrscheinlich auch davon ab, wie jemand sammelt bzw. wie man einen Sammelschwerpunkt definiert. Schaue ich mir meine Sammlung an, so finde ich haufenweise chinesische Mineralstufen. Das ist leicht zu erklären: Ich konnte den Beginn der Mineralienschwemme aus China dank der damals noch reichhaltigen Mineralienbörse Hamburg voll auskosten und auch bei ebay waren diese Stufen preislich noch nicht abgehoben. Trotzdem ist mein Sammelschwerpunkt definitiv nicht China und mir würde es im Traum nicht einfallen, dort meinen Schwerpunkt zu setzen. Ich definiere nämlich meinen Sammelschwerpunkt nicht über Kaufstufen, sondern über selbstgesammelte Stücke. Und hier liegt mein Schwerpunkt bei Grube Glücksrad, Helgoland und, relativ neu, Winterberg.

Die Erklärung hierfür ist einfach und sicher einleuchtend: Die Fundorte liegen in meiner geografischen Nähe (ok, Helgoland ist relativ nahe) und ich kann sie leicht und vor allem regelmäßig aufsuchen. Nur durch regelmäßigen Besuch einer Fundstelle kann man einen guten Schnitt durch die dort vorkommende Mineralvielfalt bekommen und das kann man bei z.B. China nur erreichen, wenn man Multimillionär ist oder dort in einer Grube arbeitet.
Daraus leiten sich für mich folgende Leitkriterien ab: 1. Der Fundort muß geografisch nah sein (nicht weiter als 2h Autofahrt, Helgoland mal außen vor). 2. Der Fundort muß mehr als nur zwei oder drei Mineralarten beherbergen. 3. Am Fundort muß das Sammeln mindestens geduldet werden.
Erst wenn diese drei Kriterien erfüllt sind, könnte ein Fundort zu einem Sammlungsschwerpunkt werden. Ich hab noch zahlreiche "Semischwerpunkte" wie z.B. Holzmühlental-Bruch bei Flechtingen oder Petersberg, ggf. entwickeln die sich nochmal zu Schwerpunktsgebieten, aber das ist noch offen.
Ich weigere mich aber auch, mich auf diese Fundorte zu beschränken, da mein Interesse zu weit gefächert ist und ich auch gerne Schaustufen in meiner Sammlung habe.

Offline Tobi

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Re: Woraus resultieren lokale Sammelschwerpunkte?
« Antwort #6 am: 19 May 12, 18:59 »
Hallo, dürfen sich auch Fossiliensammler dazu äußern?
Nein, das ist absolut strengstens verboten ;)

Nur durch regelmäßigen Besuch einer Fundstelle kann man einen guten Schnitt durch die dort vorkommende Mineralvielfalt bekommen und das kann man bei z.B. China nur erreichen, wenn man Multimillionär ist oder dort in einer Grube arbeitet.
Leider wahr ::)