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Autor Thema: Pyrochlor - Staub  (Gelesen 2789 mal)

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Offline Pyrochlor

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Pyrochlor - Staub
« am: 30 Jul 12, 20:32 »
Liebe Mineralienkenner

Bin ich mit meinem Thema richtig hier?

Folgende Situation:

Mineralien und Steine interessieren mich schon seit meiner Kindheit. Vor ca. 5 Jahren, als 35jähriger, war ich beruflich in Südafrika unterwegs. Der dortige Projektleiter zeigte mir beim abendlichen Smalltalk beiläufig ein paar braune Kristallstücke, welche er in der ländlichen Region "gefunden" hatte. Ich outete mich als "Mineralienkenner", indem ich just fachsimpelte, dass es sich um etwas "Granat-ähnliches" handeln dürfte: Relativ hohe Dichte, opak bräunlich, kubisch, ca. 1,5 cm Durchmesser. "Machen wir doch mal den Ritztest", meinte ich damals - und ich raffelte mit der Stahlfeile naiv am Kritall rum. Der Stein war weicher als Granat, das stellte ich sofort fest. Ich roch sogar noch etwas an der angeritzten Stelle. Danach legte ich das gute Stück zurück und es blieb beim laienhaften Befund: "Irgend etwas Exotisches, kein Granat". Ich habe seit damals nie mehr darüber nachgedacht, bis auf heute.

Heute, mehr als 5 Jahre später, immer noch gesund, entdeckte ich auf einer Online-Mineralienbörse einen Zirkonolith. Ich begann zu recherchieren und kam auf das ähnliche Mineral, den Pyrochlor, welcher dem damals angeritzten in Südafrika perfekt entsprach. Der Schock lag tief: Das Ding enthält meistens relativ viel Uran und Throium!

Fazit und Frage: Ich werde meine "Geschichte" auch noch einem Lungenspezialisten auftischen, aber denkt ihr, dass ich mir ernsthaft Sorgen machen muss? Kennt ihr einen Spezialisten, welcher sich einerseits sehr gut mit solchen Mineralien auskennt und andererseits auch noch medizinisch bewandert ist (im Idealfall einen Lungenspezialisten mit einer eigenen Sammlung an radioaktiven Mineralien im Keller :-)? An wen könnte ich mich wenden?

Ich meine, eigentlich könnte ich dich Sache einfach vergessen, es ist mehrere Jahre her und wenn ich noch nicht tot bin, lebe ich noch heute... Aber es beschäftigt mich doch ein wenig, obwohl ich mich nicht als Hypochonder bezeichnen würde.

Herzlichen Dank für eure Antworten - bitte offen und ehrlich, gerne auch als pn oder email.

Marco

Offline Alcest

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Re: Pyrochlor - Staub
« Antwort #1 am: 30 Jul 12, 23:21 »
Hallo Marco,

aufgrund der fortgeschrittenen Zeit poste ich jetzt nur in abgespeckter Form:

- ich denke nicht, dass dies große Auswirkungen auf deine Gesundheit haben wird, selbst, wenn die Kristalle uranhaltig waren

- es gibt bestimmt hunderte Mineralien, die auf deine Beschreibung passen: Uranmineralien zeichnen sich übrigens nicht zwangsläufig durch eine hohe Dichte aus! Mit genug Gewalt lässt sich auch Granat mit einer Stahlfeile ritzen ;-) Zudem wären 1,5 cm nach kurzer Recherche eine ganz schöne Hausnummer für Pyrochlor. Zudem halte ich es für recht unwahrscheinlich, dass der Projektleiter mal eben in die Wüste geht und sowas findet, zumal Südafrika auch nicht gerade der Inbegriff solcher Stücke ist.

Welches Beispiel ich immer gern anführe:

Pechblende, sehr stark radioaktiv
http://www.mineralienatlas.de/VIEWmaxFULL.php?param=1155156203

Hämatit, nicht radioaktiv (gibt es auch ohne die roten Risse)
http://www.a-m.de/images/mineral/haematit1_gr.jpg

Morgen gern ausführlicher.

Viele Grüße

Offline pseudonym

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Re: Pyrochlor - Staub
« Antwort #2 am: 30 Jul 12, 23:50 »
Naja so wild ist das vermutlich nicht , immerhin müssen die Stäube die du da erzeugt hast auch so beschaffen gewesen sein das sie lungengängig gewesen wären , das ist nicht sehr wahrscheinlich und wenn wäre es nur ein kleiner Teil der Gesamtstaubmenge gewesen,kannst ja mal googeln wie solche Stäube beschaffen sein müssen .

Ich denke du wirst schon im Lauf deines Lebens mehr Asbest eingeatmet haben , als mutmaßlichen Pyrochlor .

Ich würde an deiner Stelle mal nen Pulmologen aufsuchen ,ihm den Sachverhalt schildern und bitten die Lunge zu röntgen oder anderweitig zu untersuchen - danach hast du Gewissheit !

Solltest du Raucher sein brauchst du dir deswegen eigentlich gar keine Gedanken machen!


Offline smoeller

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Re: Pyrochlor - Staub
« Antwort #3 am: 31 Jul 12, 12:34 »
Hallo,

Hast du ein paar Fotos von dem Material? Dann ließe sich sicher feststellen, ob es sich um Pyrochlor oder was ähnlich verdächtiges handelte.

Es ist durchaus möglich, dass limonitisiertes Material (Kupferpecherze z.B., oder limonithaltige glasig glänzende Gesteine) vorlagen, die wären dann völlig harmlos. Auch die sehen rotbraun bis schwarzbraun und glasig glänzend aus.

Selbst Pyrochlor ist nicht gleich Pyrochlor! Die Urangehalte schwanken in einem großen Bereich. Ja, es gibt uranreiche Kristalle, z.B. vom Badberg im Kaiserstuhl mit über 11 % Uranoxid. Aber die überaus meisten Pyrochlore aus dem Kaiserstuhl z.B. haben unter 1 %!

Glück Auf!
Smoeller

Offline Pyrochlor

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Re: Pyrochlor - Staub
« Antwort #4 am: 31 Jul 12, 13:13 »
Vielen Dank für eure raschen Antworten.

Ups, Ostafrika, nicht Südafrika meinte ich. Es war in Kenya an der Grenze zu Uganda, in der Nähe des Rift Valleys. Dort werden auch Nb-haltige Gesteine für die Handyindustrie abgebaut. Pyrochlor ist ja auch Nb-haltig. Leider habe ich kein Foto, aber ich schrieb dem Mann vor Ort eine Email. Obwohl das Treffen Jahre zurückliegt, hat er vielleicht noch ein Stück bei sich, das er bei seinem nächsten Besuch mitbringt.

Klar, es kann auch etwas anderes sein, aber glänzend war es nicht. Eher matt.

Nein, Raucher bin ich nicht. Ich lebe, mal abgesehen von solchen menschlichen Missgeschicken, gesund und meine Gesundheit liegt mir am Herzen.

Der Projektleiter erhielt - soweit ich mich erinnern kann - die Stücke von einem Einheimischen (und damit meine ich Einheimische in Ostafrika an der Grenze zu Uganda - das sind mittellose Wandervölker mit abgemagerten durstigen Rinderherden, lokalen Handelsstrukturen, darunter gehören vermutlich auch Kleinminenbetriebe).

Herzlichen Dank für eure Infos und Tipps.

M.