Also, liebe Leute. Ich habe ca. 10 Festkörperphysiker an diversen europäischen Universitäten auf Dr. Professorenstufe angeschrieben und inzwischen drei Antworten auf meine Frage erhalten, welche ich euch nicht vorenthalten möchte:
1. Antwort: mit bezug auf Ihre Frage ob durch Bohrvorgänge erzeugte akustische bzw. mechanische Wellen die auf atomarer Ebene die Strukturen verändern und Defekte in Ihren gelagerten Quarz bzw. Topaskriostallen generieren kann ich Sie beruhigen, dass der Energieeintrag ziemlich sicher weiter unterhalb dessen liegt wo mechanisch-induzierte Änderungen der Kristallstruktur auf atomarer Ebene erfolgen. Gerade bei Quarz kennen wir derartige Defektbildungen eigentlich nur im Zusammenhang mit Meteoritenimpakten oder Nukleardetonationen, also ganz anderen Grössenordnungen von Energieeinträgen. Geringfügige mechanische und auch akustische Belastung wie z.B. durch Schallwellen im Zusammenhang mit Bohrvorgängen, liegen für Silikatminerale wie Quarz und Topas ganz sicher im sogenannten "elastischen Regime", innerhalb dessen die chemischen Bindungen des bestehenden Strukturverbundes die mechanische Verschiebung der Atome tolerieren können, und damit die Struktur unverändert bleibt. Es durchläuft also die Schallwelle den Kristall ohne Auswirkungen auf die Kristallstruktur, und sollte auch Ihre Topase, die bekanntlich relativ leicht senkrecht zu c-Achse spalten, diesbezüglich unbehelligt lassen. Sollten Ihre Kristalle als Sammlerobjekt keine Einzelkristalle sein sondern Bestandteil einer Mineralstufe, so können jedoch mechanische Belastungen in dieser Grössenordnung durchaus dazu führen, dass die Korngrenzen zwischen einzelnen Kristalliten als Schwächezonen zum Adhäsionsverlust führen und einzelne Kristalle damit nicht mehr im Verbund stehen, quasi lose werden. Aber das betrifft eben nur den Verbund zwischen Kristallen, und nicht die mechanischen Eigenschaften des Kristalles selbst, nach denen sie nachgefragt haben.
2. Antwort: durch Schall werden in Kristallen in der Regel nur Bindungsschwingungen hervorgerufen, aber keine Bindungbrüche, die höhere Energien von ca. 1 eV erfordern.
3. Antwort: Ich moechte Sie gleich beruhigen, dass es keine Gefahr fuer Ihre Mineralien beim Duebeln in Ihrem Haus gab. Die Schallwellen, die bei einem solchen Prozess entstehen, haben eine zu niedrige Energie, um Veraenderungen wie eine Abfederung zu verursachen. Fuer das Entstehen von Stosswellen muss man mit Ueberschallgeschwindigkeit zu tun haben. Bei der gegebenen Vibration koennten die schwache Kristallen oder Drusen mechanisch beschaedigt wurden, aber Sie schreiben, dass es nicht der Fall ist.
Beste Grüsse,
Paul