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Autor Thema: Varberg-Charnockit  (Gelesen 5067 mal)

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Offline Sprotte

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Varberg-Charnockit
« am: 31 Oct 12, 15:59 »
Hallo,

anbei ein am letzen Sonntag gefundenes Geschiebe aus Varberg-Charnockit. Varberg-Charnockit ist ein Leitgeschiebe, das jedoch aufgrund seines kleinen Liefergebietes nur sehr selten gefunden wird und zudem wohl auch oft übersehen wird (zumal er recht unterschiedlich aussehen kann).

Viele Grüße
Sprotte

Beschreibung: Das feinkörnige Geschiebe von Varberg-Charnockit (Fundort: Ostseeküste nordöstlich von Plön (Holstein), Abmessungen: 7 cm x 5,5 cm x 3 cm) besteht vorrangig aus klaren frisch dunkelgraugrünen und angewittert hellgelbgrünen Kalifeldspäten mit intensiv glänzenden Spaltflächen. (Plagioklas konnte nicht beobachtet werden.) Weiterhin kommen einige, aus dem Edukt stammende, viereckige oder abgerundete, bis 1 cm große Feldspat-Einsprenglinge gleicher Färbung vor (daher auf den Aufnahmen kaum erkennbar). Die dunklen Minerale bestehen aus braunem, seidig-metallisch schimmerndem Pyroxen und schwarzem, retrograd gebildetem Amphibol (Hornblende). Kein Glimmer. Etwas grauer Quarz und winzige rote Hämatitkörnchen. Das Gestein ist durch die dunklen Minerale leicht gneisartig foliert (auf den Aufnahmen nicht erkennbar, da senkrecht zur Folation). Die eine Seite des Geschiebes wird durch eine Kluftfläche gebildet, auf der sich ein rotes xenomorphes durchscheinendes silikatisches Mineral (Granat?) befindet.
« Letzte Änderung: 31 Oct 12, 17:54 von Sprotte »

Offline Jörg

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Re: Varberg-Charnockit
« Antwort #1 am: 31 Oct 12, 20:27 »
Hallo Sprotte,

ein Charnockit scheint unzweifelhaft.
Ich halte das rote Mineral ebenfalls für das Edukt (Feldspat) - Du meinst doch bestimmt die Fotos 3 + 4?
Charnockite sind zwar an granulitfazielle Gebiete gebunden, es gibt allerdings auch Charnockite, bei denen einige der Feldspäte die Metamorphose noch halbwegs gut überstanden haben.
Das trifft insbesondere auf die südnorwegischen Charnockite zu.
Ich habe im Anhang mal das Foto eines Charnockits eingestellt, bei welchem die Feldspäte mit Blick senkrecht gegen die Folationsebene noch ganz gut erhalten geblieben sind. Herkunft allerdings unbekannt.
Allerdings würde ich Deinen Fund ebenfalls als Varberg-Charnockit deuten, alleine schon wegen der ganz typ. Färbung.

Beste Grüsse
Jörg

Offline Sprotte

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Re: Varberg-Charnockit
« Antwort #2 am: 01 Nov 12, 18:16 »
Hallo Jörg,

vielen Dank für deine Antwort. Der Charnockit ist zwar porphyrisch mit einigen Kalifeldspat-Einsprenglingen - diese sind allerdings ebenfalls grün (allerdings sind sie auf den Aufnahmen meist nicht zu erkennen, da sie sich nur durch ihre Spaltflächen bemerkbar machen und nicht durch ihre Färbung; eine einigermaßen gut erkennbare Ausnahme eines vierkantigen Einspenglings habe ich rot markiert).

Das rote Mineral liegt krustig der Kluftfläche auf und ist kein Feldspat (möglicherweise habe ich mich in der Beschreibung nicht klar genug ausgedrückt), aber auch kein Erz (wie Hämatit).

Eine Herkunft aus Schweden ist sehr wahrscheinlich, wobei eine südnorwegische Herkunft nicht vollkommen ausgeschlossen ist, da ich auf dem Strandabschnitt auch einen Rhombenporphyr-Mandelstein gefunden habe.

Viele Grüße  :)
Sprotte

Offline Sprotte

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Re: Varberg-Charnockit
« Antwort #3 am: 02 Nov 12, 09:06 »
Hallo,

grundsätzlich habe ich in diesem Zusammenhang eine Frage, wodurch der Kalifeldspat seine grüne Färbung erhält. Bei alteriertem Plagioklas bekanntlich durch Chlorit und/oder Epidot, auch in Metasomatiten kann Plagioklas teilweise oder vollständig durch Epidot ersetzt worden sein. Aber bei Charnockiten? (Zumal im vorliegendem Beispiel - wenn überhaupt - nur sehr untergeordnet Plagioklas auftritt und die Feldspäte sehr frisch erscheinen).

Viele Grüße
Sprotte
« Letzte Änderung: 02 Nov 12, 12:56 von Sprotte »

Offline Jörg

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Re: Varberg-Charnockit
« Antwort #4 am: 02 Nov 12, 18:00 »
Hallo Sprotte,

ich meine, dass die Grünfärbung durch den hoch metamorphen Prozess entsteht, wobei der Diopsid (das Pyroxen grüner Augit) farbgebend auch für den Feldspat ist.
Soweit ich mich erinnern kann, betrifft die Färbung innerhalb des metamorphen Geschehens insbesondere den Orthoklas. Der Mikroklinperthit kann zu Teilen seine Farbe behalten, insbesondere im Randbereich der Metamorphose.
Dieser stellt sich im Charnockit lachs- bis hellrot dar und ist oftmals stark amorph.
Wäre dann ein Stück aus dem Grenzbereich.

Doch zu Deinem Fund war das nur meine Theorie.
Du schriebst ja, dass das rote Mineral kein Feldspat sei.
Wahrscheinlich könnte dann wohl doch nur Granat in Frage kommen.

Immer schwer, wenn mans nicht vor Augen hat, kannst Du somit besser deuten.
Bei meinen Charnockiten ist es halt der Mikroklin, welcher rot ist, doch Granat findet sich jedenfalls in der Lit. beschrieben.

Beste Grüsse
Jörg


Offline Sprotte

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Re: Varberg-Charnockit
« Antwort #5 am: 14 May 13, 20:30 »
Hallo,

dieses Geschiebe von Varberg-Charnockit habe ich letzten Sonnabend einfach und unvermittelt gefunden, ohne überhaupt nach Geschieben gesucht zu haben. Mein Bruder hatte es wohl an den Rand des Gartens, den er vor kurzem mit Kartoffeln bestellt hatte, geworfen. Im Lexikon ist ein recht ähnliches Geschiebe abgebildet (siehe: http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/RockData?rock=Charnockit). Allerdings sind dort die Kalifeldspat-Einsprenglinge viel besser erkennbar als bei dem hier vorgestellten Stück.

Viele Grüße
Sprotte


Beschreibung: Das fein- bis mittelkörnige, bräunlich angewitterte Geschiebe von Varberg-Charnockit (Fundort: Nordwestmecklenburg östlich von Grevesmühlen, Abmessungen: 8,5 cm x 5,5 cm x 4.5 cm) besteht vorrangig aus Kalifeldspat und Plagioklas. Weiterhin kommen, aus dem Edukt stammende, viereckige oder ovale, bis 2,5 cm große Feldspat-Einsprenglinge gleicher Färbung vor, die vereinzelt als Karlsbader Zwillinge vorliegen. Bei den streifig oder fleckig konzentrierten dunklen Mineralen dominiert schwarzer, retrograd gebildeter Amphibol (Hornblende). Wenige maximal 0,2 mm große rote Körner von Granat, die zumeist innerhalb der Anhäufungen der anderen dunklen Minerale kleine Gruppen bilden. Kein Glimmer. Weiterhin einige 1-2 mm große hellgraue Quarzkörner. Das Gestein wirkt insgesamt leicht gneisartig.
« Letzte Änderung: 15 May 13, 08:58 von Sprotte »

Offline Jörg

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Re: Varberg-Charnockit
« Antwort #6 am: 15 May 13, 12:17 »
Hallo Sprotte,

Glückwunsch zu dem Fund.
Sieht wirklich unzweifelhaft nach Varberg-Charnockit aus.
Die kleinen Quarzkörner sind ebenfalls recht typisch.
Sehr schön  :-)

Beste Grüße
Jörg

 

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