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Autor Thema: Neues Mineralienportrait - Granate und Granat-Supergruppe  (Gelesen 20615 mal)

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Offline Collector

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Hallo

heute ist das neue Mineralienportrait "Granate" erschienen.  Ein recht umfangreiches Portrait, basierend auf der neuen  IMA-Nomenklatur der Granat (Granat-Supergruppe). Innerhalb dieser 32 telweise sehr exotischen und sogar außerirdischen Spezies die neu definierte "echte" Granatgruppe" , bestehend aus den 6 Klassikern und 8 hinzugekommenen Granaten.  Plus 18 Mineralien mit Granatstruktur, ohne Berücksichtigung, ob diese nun Silikate, Oxide, Vanadate-Arsenate oder Halide sind. Und im Portrait eine detaillierte Beschreibung jedes einzelnen der 32 Granate.

Desweiteren ein Bericht zu authentischen blauen Granaten, die es nach herkömmlicher Auffassung ja garnicht geben darf,  Informationen über Riesen- und synthetischen Granaten und Ausflüge zu den weltweit bekanntesten Granatvorkommen.

Ein Rückblick in die mehrere tausend Jahre alte Geschichte des Edelsteins Granat rundet dieses Portrait so ab, dass nicht nur der mineralogisch-technische Aspekt in Erinnerung bleibt.

Viel Spaß beim Lesen. Kommentare, Kritik und Anregungen sind willkommen.

Das Mineralienatlas Portrait-Team

Offline Klinoklas

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Hallo Peter,

sieht mal wieder nach extrem viel Arbeit aus.
Das sicherlich spannende Portrait zu lesen, wird mir die Weihnachtstage noch versüßen.

Danke für die viele Arbeit.  :)

Gruß
René

Offline Tobi

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Habe auch mal drin geschmökert - Daumen hoch für so viel (gute!!!) Arbeit 8)

Offline stoanklopfer

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Schließe mich den Dankesworten für das gelungene Portrait an! Was mir allerdings fehlt, ist zumindest ein Hinweis auf das Zillertal, das mit seinen Granatvorkommen eigentlich noch vor dem Ötztal (Rauhjoch, Granatenkogel) zu nennen wäre. Immerhin wurden die Zillertaler Granaten zu Schmuck verarbeitet ("Böhmische Granaten" waren z.T. aus dem Zillertal), es bestand ein regelrechter Bergbau auf Granat. Vielleicht mal einen Blick ins Extra-Lapis "Zillertal" werfen, dort gibts viel Informationdazu.

Volkmar

Offline Philip Blümner

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Hallo Peter,
ich habe bisher die Geschichte und die Kristallformen gelesen und muss sagen: SUPER! Der Geschichte-Teil war spannend zu lesen und sehr interessant! Wie auch René werde ich über die Weihnachtstage das Portrait als Literatur hernehmen.

@Volkmar
die Zillertaler Granate werden erwähnt!
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Mineralienportrait/Granat/Geschichte#Almandinex20.ausx20.demx20.Zillertalx20.undx20.vonx20.derx20.Millstxe4.tterx20.Alpe

LG Philip

Offline Jörg

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Hallo Peter,

ich habe schon mal etwas quergelesen und muss sagen: Hut ab!
Da steckt eine Menge Arbeit drin.
Bei uns wird der 1. Weihnachtstag ruhig verlaufen, werde ich mir dann als Schmankerl gönnen.

Glück Auf!
Jörg

Offline stoanklopfer

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Zitat
die Zillertaler Granate werden erwähnt!

...sorry, überlesen...

Offline Moondog

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Hallo Peter,

Ein sehr gelungenes Portrait! Nur einige Kristallographische Bemerkungen:

Ikositetraeder gibt es mehrere, nebst {211} z.B. auch {311}, {433} usw. In Goldschmidt "Atlas der Kristallformen" sind diese und Andere auch für Granat angegeben. Ich nehme aber an das diese ziemlich selten sind.

Zwillinge:
Die abgebildeten Granate sind meiner Meinung willkürlich oder parallel verwachsene Kristalle und keine Zwillinge. Insofern ich weis sind auch keine Zwillingsgesetze bekannt für die isometrische Granate. Der Uwarowit ist laut Unterschrift ein Titanit.
Der allgemeine Definition halte ich für teilweise ungenau.

Gruß, Mark.

Offline Manfred Früchtl

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Hallo Peter
Ein sehr interessantes gutes Portrait, da muss man öfters reinschauen.
Dir und Deinem Team vielen Dank dafür.
Ich kann auch noch was Interessantes zeigen.
Da Granat muschelig bricht, war er eigentlich wenig geeignet in Fibeln und Schmuck, von der Antike bis zur Merowingerzeit verarbeitet zu werden. Es wurde lange von Archäologen nach einem Schleifzentrum gesucht und nicht gefunden. Aber es gibt eine Fundregion in Indien, Rajmahal, in welcher Granate zu finden sind, die sich in dünne Plättchen spalten lassen.
Dies war schon in der Antike bekannt und wurde durch Händler über das Römische Reich bis zu unseren Vorfahren gebracht.
Bei einem sensationellen Fund 2005 in Unterhaching nahe am Hachinger Bach, wurden Familiengräber aus der Zeit um 500 n. Chr. freigelegt. Dies war die Epoche, in der sich der Stamm der Bajuwaren zu formieren beginnt.
In Grab 5, ein Frauengrab wurden neben andern wertvollen Grabbeigaben, auch zwei ca. 6cm große Scheibenfibeln von einmaliger Schönheit gefunden.
Diese zeigen vier Adler deren Flügel aus Granat, die Brust und der Kopf aus Malachit und darin eine Perle, das Auge und der Schnabel sind aus Glas. Das ganze auf einer vergoldeten Bronzeplatte. Durch Untersuchungen konnte die Herkunft der Frau und Ihrer Tochter auf Oberitalien festgelegt werden. Sie war wahrscheinlich eine Tochter oder Enkelin des Ostgotenkönigs Theoderich, welcher gute Beziehungen zum frühbajuwarischen Adel hatte und hierher verheiratet war.
Der Granat aus diesen Gräbern konnte durch Analysen einwandfrei dem Granat aus Rajmahal zugeordnet werden.
Alle Funde sind in der Archäologischer Staatssammlung München untergebracht.
Die nachfolgenden Bilder zeigen.
1.   Eine Scheibenfibel im Original, gereinigt.
2.   Eine Scheibenfibel als Replik
3.   Den Granat aus Rajmahal, der die gleiche ch. Zusammensetzung wie die der Fibeln hat.
 
Schöne Feiertage
Manfred
Neues Mineralienportrait - Granate und Granat-Supergruppe

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Offline Rockhounder

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Die abgebildeten Granate sind meiner Meinung willkürlich oder parallel verwachsene Kristalle und keine Zwillinge.

Da ich auch noch nie etwas von Zwillingen beim Granat gehört habe,würde mich mal interessieren welches Gesetz
da vorliegt bzw.nach welchen Flächen die xx verzwillingt sind.
Gibt es da Literatur oder Links drüber?

Gruß Norbert

Offline kks

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Re: Neues Mineralienportrait - Granate und Granat-Supergruppe
« Antwort #10 am: 26 Dec 12, 19:02 »
Hallo,

Literatur habe ich auch nicht zur Hand, aber als Zwillingsgesetz beim Granat kommt eigentlich nur das Spinellgesetz (111) in Frage. Allerdings gibt es doppelbrechende Granate, bei denen man an Symmetrieerniedrigung und entsprechende Zwillingsbildung denken könnte.

Gruß,
Klaus

Offline Rockhounder

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Re: Neues Mineralienportrait - Granate und Granat-Supergruppe
« Antwort #11 am: 26 Dec 12, 23:17 »
Hallo,

Spinellzwilling klingt schon einleuchtend.Aber Symmetrieerniedrigung und Doppelbrechung bei kubischen xx?
Bei einem Zwilling müsste doch die Symmetrie erhöht sein,oder versteh ich da irgendwas falsch? ;)

Gruß Norbert

Offline Collector

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Re: Neues Mineralienportrait - Granate und Granat-Supergruppe
« Antwort #12 am: 27 Dec 12, 00:37 »
Hallo Mark, Klaus, Holger

Literatur / Referenzen zu Zwillingen bei Granaten (isometrische (besonders Ugrandite)  und tetragonale) gibts in ganz großer Menge im Internet. Dass es solche Zwillingsbildung - per se - gibt, ist seit langem bekannt und ist kein Thema mehr. Ich habe Euch ein paar Referenzen angehängt). Ansonsten könnt Ihr die vielen Seiten googeln, ist aber sehr zeitaufwendig.

Ob es - sagen wir mal - echte, makroskopisch sichtbare und als solche erkennbare  Zwillinge gibt, kann ich nicht beurteilen, da ich mich bei meinen Recherchen auch mit den Angaben "ansonsten" verlässlicher internationaler Sammler und Händler "bediene" (was aber nicht heißt, dass ich mich darauf verlasse). Ob die gezeigten Bilder Parallelverwachsungen zeigen oder ob dies Zwillinge sind,  ist anhand eines 2-dimensionalen  Bildes auch nicht unbedingt beweisbar; hier steht das Wort des Original-Beschreibers (i.d.F. der anbietende Dealer).

Und - bitte vergesst nicht und / oder verzeiht mir - ich bin weder Mineraloge noch Kristallograph - nur ein Mineraliensammler mit Spaß an Mineralien-Journalismus und Freude daran, alle Facetten, die Geschichte und die besten Vorkommen eines Minerals zu entdecken und zu beschreiben.

Referenzen:
*Anthony, E.B., Gemologist; Lets Talk Gemstones; 2006; http://www.attawaygems.com/NMFG/Lets_talk_gemstones_Garnet_Group.html; cited: “…..Twinning occurs frequently in andradite and grossular garnets, and color zoning is the norm.”
*Deer, W.A.,  Howie, R.A., Zussman, J.,  1997; Rock-forming Minerals: Volume 1A : Orthosilicates
*Standish, R.B., 1973; Zoned Garnet from Grested Butte, Golorado ; American Mineralogist, Volume 58, pages 840-842, 1973;   “….Anisotropic andradite from Crested Butte, Colorado, shows oscillatory zoning and
dodechttps://www2.imperial.ac.uk/earthscienceandengineering/rocklibrary/viewminrecord.php?mID=107ahedral twinning...“
*https://www2.imperial.ac.uk/earthscienceandengineering/rocklibrary/viewminrecord.php?mID=107

Hi Mark

".....Der Uwarowit ist laut Unterschrift ein Titanit...."    Ik begrijp niet  ???

Gruß
Peter

Offline kks

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Re: Neues Mineralienportrait - Granate und Granat-Supergruppe
« Antwort #13 am: 27 Dec 12, 12:36 »

Bei einem Zwilling müsste doch die Symmetrie erhöht sein ...

Nicht zwangsläufig. Zwilling heißt zunächst einmal nur, dass (mindestens) ein Symmetrieelement auftritt, das am ursprünglichen Kristall nicht vorhanden ist. Dies bewirkt in jedem Fall eine Änderung der Symmetrie, aber führt häufig, verm. sogar meistens, tatsächlich zu einer höheren Symmetrie (sog. mimetische Zwillinge). Es gibt aber auch Fälle, wo die Verzwillingung die Symmetrie erniedrigt, wie z.B. beim Japanerzwilling des Quarzes.

Weiter ist Symmetrieerniedrigung gerade bei kubischen Kristallen ein Thema, denn diese haben ja bereits eine sehr hohe Symmetrie. Es sind viele Fälle bekannt, wo z.B. bei hohen Temperaturen gebildete kubische Kristalle bei der Abkühlung eine Phasenumwandlung zu einer niedriger symmetrischen Phase erleiden und dann unter Beibehaltung der äußeren, kubischen, Gestalt intensiv verzwillingen, wie etwa Argentit, Perowskit oder Cristobalit, oder auch, nicht kubisch, Quarz.

Symmetrieerniedrigungen können auch etwa durch Einbau von Fremdionen verursacht werden, was man vielleicht für die doppelbrechenden Granate vermuten könnte.

Eine kurze Übersicht über Zwillinge findet sich unter http://www.crystallography.fr/mathcryst/twins.htm

@ Peter:

Da gibt es nichts zu verzeihen, im Gegenteil: Du gibst Dir enorme Mühe, eine umfassende und korrekte Darstellung zu erreichen, die man auch ohne Studium verstehen kann, und es kann bei der Fülle des Materials überhaupt nicht ausbleiben, dass manche Fragen nicht vollständig beantwortet werden, zumal, wenn -wie hier- die Experten selbst nicht so recht Bescheid zu wissen scheinen. Ich danke Dir jedenfalls sehr für Deine wichtigen Beiträge.

Gruß,
Klaus
 
« Letzte Änderung: 27 Dec 12, 12:44 von kks »

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Neues Mineralienportrait - Granate und Granat-Supergruppe
« Antwort #14 am: 27 Dec 12, 13:15 »
Zur Lit. kann ich auch was beisteuern - detallierte Untersuchungen an nicht-kubischen Uwarowit-Mischkristallen:

Andrut, M. & Wildner, M. (2001): The crystal chemistry of birefringent natural uvarovites: Part I. Optical investigations and UV-VIS-IR absorption spectroscopy. Am. Mineral. 86, 1219-1230. 

Andrut, M. & Wildner, M. (2001): The crystal chemistry of birefringent natural uvarovites: Part II. Single-crystal X-ray structures. Am. Mineral. 86, 1231-1251.
[Es gibt trikline, monokline und orthorhombische Proben; die Symmetrieerniedrigung wird hauptsächlich durch Ordnung von Cr3+ und Al3+ auf den Oktaederpositionen verursacht.]


Andrut, M. & Wildner, M. (2002): The crystal chemistry of birefringent natural uvarovites: Part III. Appliction of the Superposition Model of crystal fields with a characterization of synthetic uvarovite. Physicas and Chemistry of Minerals 29, 595-608.     

Andrut, M., Wildner, M. & Beran, A. (2002): The crystal chemistry of birefringent natural uvarovites: Part IV. OH defect mechanisms in non-cubic garnet derived from polarized IR spectroscopy. European Journal of Mineralogy 14, 1019-1026.   


Und Lit. zu Granditen:
Shtukenberg, A. G., Punin, Yu. O., Frank-Kamenetskaya, O. V., Kovalev, O. G. and Sokolov, P. B. (2001): On the origin of anomalous birefringence in grandite garnets. Mineralogical Magazine 65, 445-459. 


Siehe hierzu auch:

Kahr, B. & McBride, J. M. (1992): Optically anomalous crystals. Angewandte Chemie 104, 1-28. (in German.) 

Foord, E. E. and Mills, B. A. (1978): Biaxiality in 'isometric' and 'dimetric' crystals. Am. Mineral. 63, 316-325.             

Foord, E. E. & Cunningham, C. G. (1978): Thermal transformation of anomalously biaxial dimetric crystals. Am. Mineral., 63, 747-749.