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Autor Thema: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?  (Gelesen 11394 mal)

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Offline ElDjem

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Ihr seid doch Profis bzw. hier sind viele echte Profis, wie zu erkennen ist.

Wie findet Ihr dieses Rumgesuche nach einem atomarem Endlager? Sind die Wissenschaftler tatsächlich noch nicht so weit, dass die nicht wissen, welche Geologie geeignet ist oder geht es hier nur um "Gelder an Gutachter geben" und drum darf es nie feststehen?

Hat Deutschland geeigneten Boden für so ein Endlager oder ist eine europäische Lösung das einzig Sinnvolle?
Wie geeignet ist Nordzypern geologisch?

Ich meine die Frage wirklich ernst - weil es wohl doch Zeit ist, dass wir und unsere Kinder wissen, wohin damit. Danke

Offline Krizu

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #1 am: 04 Jan 13, 22:58 »
Ich meine die Frage wirklich ernst - weil es wohl doch Zeit ist, dass wir und unsere Kinder wissen, wohin damit. Danke

Lol - Kinder :-) Du redest von etlichen Generationen!

MfG

Frank

Offline carsten slotta

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #2 am: 04 Jan 13, 23:02 »
Wie kommst du auf Nordzypern?....wohnt da jemand, den du loswerden willst? ;-)
....wie wärs mit Export in Schurkenstaaten...lol ;-)

Offline FrankBL

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #3 am: 04 Jan 13, 23:19 »
Hallo Gudrun,

wenn dich das Thema auf wissenschaftlicher Basis interessiert, kann ich das im Anhang gezeigte Buch empfehlen. Gibt es für kleines Geld z. B. bei ZVAB:

http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=6547349&b=1


Gruss
Frank

Offline Hg

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #4 am: 04 Jan 13, 23:22 »
Das ist ein recht sensibles Thema, in dem sich hoffentlich wirklich die Leute mit dem entsprechenden Fachwissen zu Wort melden.
Bitte aus einem geologischen Thema kein politisches Thema machen!

Offline ElDjem

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #5 am: 04 Jan 13, 23:42 »
Danke Frank. Falls Du es gelesen hast - und WO sind dann diese Stellen in Deutschland - die so sind - wie das Buch empfiehlt dass die sein müssen?

Nur in Granit oder eher in Tonschichten?


Offline openpit

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #6 am: 04 Jan 13, 23:50 »
Hallo,

weltweit existieren meines Wissens vier ernsthaft verfolgte Optionen für "Endlager":
1. Evaporite (z. B. Gorleben, Asse, Morsleben, ...):
- Wasserdicht, da 250 Ma und älter (sofern der Diapir nicht ausgebeutet wurde, wie eben in der Asse)
- hohe Wärmeleitfähigkeit des Salzes
- selbstständige Versiegelung der Lagerstätte durch duktiles Verhalten der Salze unter Druck (Problem bei Rückholung)
aber: Diskussion über Entstehung hochreaktiver Gase (Chlor) durch Radiolyse
2. Rhyolithe/rhyolitishce Tuffe (z. B. Yucca Mountain/USA):
- Tonanteil, der mit Verwitterung noch steigt soll die Lagerstätte abdichten
soweit ich weiß, schon unter Bush eingestellt
3. Tonsteine (z. B. Bure/Frankreich)
- Ton ich fast wasserundurchlässig
- einige Tone (Smektite?, sofern diese überhaupt vorhanden sind...) sollen freigesetzte Stoffe absorbieren
4. Plutonite (z. B. Olkiluoto/Finnland)
- Gesteine sind sehr alt und auch nur arm an Klüften, damit nur wenig Wasser (davon aber immer noch genug)

Um Andreas folge zu leisten, belasse ich es dabei.

Glück Auf!
openpit

Offline FrankBL

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #7 am: 05 Jan 13, 00:01 »
In Ergänzung zu Michaels Aussagen empfehle ich die Seiten 365-369 des genannten Buches, dort finden sich detaillierte Aussagen zu vielen geeigneten und aktiv genutzten Gesteinen. Eine pauschale Antwort, ob nun Granite oder Tone dafür besser geeignet sind, kann ich nicht geben. Dazu ist das Thema einfach zu speziell und "hochwissenschaftlich". Daher kann ich nur das Buch empfehlen, welches Aufsätze von entsprechenden Fachleuten enthält, die meiner Meinung nach aber für den mineralogisch/geologisch interessierten Laien dennoch verständlich sind.

Gruss
Frank

Offline nwsachse

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Offline Mangan-TIM

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #9 am: 05 Jan 13, 00:10 »
Hallo,

ein Salzlagerstock ist nun wirklich der schlechteste Ort dafür. Besser wären Granit oder unter besonderen Gegebenheiten auch rhythoiltische Lagerstätten. Aber bei der damaligen Standortverteilung sind viele Gelder geflossen - nicht, um die Bevölkerung zu schützen, sondern um den Müll los zu werden. Auch Ton-Lagerstätten sind unter Berücksichtigung der Grundwasserbelange interessant. Aber ein geeigneter Platz wäre am besten ein altes Bergwerk in einem Granitstock, tief unter dem Grundwasserspiegel. Das wäre sicher.

Glück Auf

Thilo

Offline Jörg

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #10 am: 05 Jan 13, 11:27 »
Hallo,

ein Thema, welches oft diskutiert wird.
Vorrangiges Problem bei der unterirdischen Endlagerung ist doch Korrosion an den Behältnissen und befürchteter Austritt von reaktiven Gasen.
Warum können die Behälter nicht in Beton mit entsprechenden Additiven eingegossen werden.
Das könnte den Zeitraum bis zu einer Korrosion ins Unendliche ausdehnen.
Was würde, außer den  immensen Kosten, dagegen sprechen?
Wenn dieses auf kleine Kammern mit entsprechender Armierung im Beton angewandt würde, verringert sich die Gefahr von Rissbildung gegen null.

Glück Auf!
Jörg

Offline Alcest

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #11 am: 05 Jan 13, 11:47 »
Bevor man hier blind gegen die Kernkraft und Endlagerung schießt, sollte man sich vielleicht damit auseinandersetzen, wo die Rohstoffe unserer modernen Technik (vom Handy bis zu den tollen Windrädern) herkommt. Und wo das Zeug landet, wenn es hier niemand mehr braucht.

*Trommelwirbel*

In der Dritten Welt. Auf brennenden Halden, auf denen Kinder arbeiten und täglich den giftigen Staub einatmen. Warum nicht gleich den ganzen Atommüll dahin verschiffen? Die kleinen schwarzen Kinder interessieren den durchschnittlichen Grünenwähler doch sonst auch nicht. Mit 30 sind die ehemaligen Kinder sowieso alle todkrank, da macht es doch nichts, wenn eventuell 20 Jahre nach ihrem Tod Krebs kommen könnte.
« Letzte Änderung: 05 Jan 13, 12:41 von skibbo »

Offline skibbo

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #12 am: 05 Jan 13, 12:42 »
Das ist ein recht sensibles Thema, in dem sich hoffentlich wirklich die Leute mit dem entsprechenden Fachwissen zu Wort melden.
Bitte aus einem geologischen Thema kein politisches Thema machen!

Offline Alcest

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #13 am: 05 Jan 13, 13:06 »
Dann sollte der Beitrag 2 über meinem auch angepasst werden. Es bleibt eine Frage der Politik und des Wissens der Leute. Solange hier blindlinks mit "Es gibt kein geeignetes Endlager - nirgendwo !" pauschalisiert wird, kann diese Diskussion in einem deutschen Forum im Grunde geschlossen werden.

Letzten Endes gibt es bei der Endlagerung kein Nonplusultra-Gestein. Ein Lager soll 1 Million Jahre lang halten - da entscheidet nicht nur das Gestein sondern auch Tektonik und Geologie. Wer weiß, ob der undurchlässige Ton auch noch in 100.000 Jahre noch da ist oder ob ein Schurkenstaat den bis dahin weggebombt hat.

Irgendjemand hatte mal die Idee, den Abfall in Subduktionszonen zu verfrachten. Das ist neben meiner Afrikalösung wohl weitaus sinnvoller als in Deutschland nach einem Endlager zu suchen. Bezahlen möchte das nur niemand.

Offline berthold

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Re: Welches Gestein ist für ein atomares Endlager geeignet?
« Antwort #14 am: 05 Jan 13, 13:45 »
Hallo,

Zitat
Warum können die Behälter nicht in Beton mit entsprechenden Additiven eingegossen werden.
Das könnte den Zeitraum bis zu einer Korrosion ins Unendliche ausdehnen.
Was würde, außer den  immensen Kosten, dagegen sprechen?

Das Problem ist: Es finden Prozesse statt, die mit den derzeitigen Erkenntnissen zur Reaktionskinetik weder prognostizierbar noch abschätzbar sind. Wir wissen einfach nicht wie Beton (auch mit Additiven) langfristig auf die hohe Strahlungseinwirkung, die thermische Belastung und die chemischen Angriffe reagiert. Wir haben es beim Atommüll nicht mit einem einzelnen Element sondern  mit einem ganzen Zoo von Elementen zu tun (fest, flüssig, gasförmig) die teilweise recht bunt miteinander reagieren und manchmal werden die Verbindungen auch durch Radiolyse zersetzt bzw. umgewandelt. Das alles nicht bei Normaltemperatur sondern radioaktiv-thermisch aufgeheizt. Nicht mal den Temperaturbereich können wir halbwegs sicher vorhersagen. Man braucht sich nur anzusehen was mit dem Beton des Tschernobyl-Sarkophag los ist...

Gruß
Berthold