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Dendriten oder Pseudos oder ???
Stänlsucher:
Glück Auf,
Frank,danke für den Hinweis "Einführung in die Kristallographie",habe ich und werde ich wohl mal zu Rate ziehen.Muss mal sehen,was ich noch an Literatur dazu finde!Werde versuchen es zu begreifen oder zumindest eine Erklärung dafür zu finden b.z.w ab zuleiten.
Hartmut,Sebastian,meinte,denke ich mal,das für Mixit diese (dendritisch) Ausbildung unüblich ist!
Glück Auf
Lutz
smoeller:
Hallo,
Ich meinte in gewisser schon, dass die Bezeichnung dendritisch in der Mineralogie recht wenig verbreitet ist. Bekannt sind die dendritischen Formen bei manchen sekundären Oxiden, so von Mn und Fe (man denke nur an die auch im Duden-Zitat erwähnten Mangandendriten) und einige Metalle und Sulfide, z.B. bei Kupfer oder Silber. Gerade heute spricht man eher von Bäumchen, Blumen, Pilzen etc., wohl auch in Ermangelung einer Einführung in die griechische Sprache an den Gymnasien, wie sie im 19./Anfang 20. Jhd. üblich war.
@Lutz: Ähnliche Ausbildungen wie das erste Stück gibts z.B. auch in Wittichen, auch wenn natürlich einfache Büschel oder Igel vorherrschen.
Das ist einfach eine Wachstumsvariante, hat nichts mit dem Ausgangserz bzw. dessen Form zu tun. In Wittichen z.B. ist federartiges Wismut in den mixitführenden Brocken nicht vorhanden, indessen treten nur kleine Körner oder andeutungsweise Kristalle in Quarz eingewachsen auf. Weitere primäre Erzmineralien sind in diesen Brocken Kupferwismutminerale (Emplektit und Wittichenit) neben Kupferkies und Bismuthinit.
Das 2. Bild zeigt fast schon fraktales Wachstum, also Verästelung. An jedem Knick gehen aus einem Büschel mehrere hervor, ähnlich wie ein Baum, bei dem die Äste aus dem Stamm wachsen, die Zweige aus den Ästen, die Blätter/Nadeln aus dem Zweig, die Blattnerven aus einem Stiel. Auch Farne, manche Moose, Schneeflocken zeigen ähnliche Muster.
Glück Auf!
Smoeller
Jochen1Knochen:
Hallo!
Dentrit
1.) allgemein: Scheinfossil,feine bäumchen-,oder moosförmige Mineralabsätze von Mangan-, und Eisenoxiden,oder Hydroxiden auf Schicht-,oder Kluftflächen,entstanden durch beschleunigtes Wachstum nach mehreren Richtungen,besonders eindrucksvoll bei hellen Kalksteinen.Wird oft mit pflanzlichen Fossilien verwechselt.
2.) mineralisch: astartig-gefiedert gewachsene Kristallskelette (zB. Schneesterne). Sie bilden sich in stark unterkühlten,hochkonzentrierten Lösungen,in weit unterkühlten Schmelzen oder aus der Dampfphase bei sehr hohen Übersättigungen.
Die Dentritenäste wachsen in den Richtungen,in denen die schnellste Kristallisation möglich ist.Dies sind hauptsächlich Richtungen senkrecht zu morphologisch wichtigen Kristallflächen.Das Wachstum erfolgt nur über die Ecken,wobei Verzweigungen auftreten,aber mit Verschiebungsgeschwindigkeiten,welche wesentlich größer als beim normalen Wachstum sind.
(Nach Hartmut Haubold und Rudolf Daber)
In etwa steht das auch bei uns im Lexikon,aber etwas unverständlicher ;) :
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Dendriten
Ich würde demnach hier von normalen Dentriten ausgehen,welche der Dampfphase zuzuordnen wären,da sie sich nur in diesen Negativformen finden lassen.
Gruß Jens
Stänlsucher:
Glück Auf,
Ja,Sebastian,dendritisch wird in unser mineralogischen Sprache wirklich nicht mehr häufig verwendet!
Mir ist schon bewusst,dass das Primärerz hier keine Rolle für die Wachstumsform in diesem Fall hat!Aber es gibt doch bestimmt Ursachen,welche diese Form des Wachstums begünstigen oder gar fördern ???
Das in Wittichen ähnliche Wachstumsformen gibt,lässt doch darauf schließen,das es nicht nur eine Laune der Natur ist!
Denke, der Anstoß von Frank,mit der Literatur "Kristallzüchtung" Wilke u, Bohm und andere Literatur über Kristalle,könnte der Weg zur "Erkenntnis" sein,werden!?Jens hat natürlich mit seiner Ausführung die plausibelste Ausführung für mich dazu gebracht - Danke :)!
Schauen wir mal was noch kommt an Ideen,Gedanken,Hinweisen!Finde es spannend,wie so eine "andersartige" Ausbildung eines Minerals verschieden interpretiert wird.
Glück Auf
Lutz
Mangan-TIM:
Hallo Lutz,
das kommt darauf an, was man sammelt. Dendritisch ist in meinem Fachgebiet ein Wort, das genauso oft gebraucht wird wie würfelige Kristalle in anderen Fachgebieten. Deshalb war ich mir bei meiner ersten Antwort ja auch gleich so sicher. Dendritische Strukturen sind nicht so selten, hab ich schon oft beobachtet. Wenn Kristalle in ihrem Wachstum gestört werden, dann kann es vorkommen, dass sich verzerrte Kristalle bilden, gerne bei Bleiglanz zum Beispiel, oder es bilden sich büschelige Kristalle, welche dann als dendritische Stuktur bezeichnet werden.
Ob sich jetzt der Mixit wegen irgendwelcher Störungen beim Kristallaufbau direkt so gebildet hat, also nur in eine Richtung wachsend, oder ob da wirklich ein pseudomorpher Prozess statt gefunden hat, das ist nur visuell nicht bestimmbar. Aber Sebastian hat ja angedeutet, das Mixit in solcher Kristallausbildung vorkommen kann.
Du richtest deine Gedanken in Richtung Wismut, wenn ich mich recht erinnere. Gediegen Wismut ist natürlich von Schneeberg bekannt, hab selbst ein Stüfchen in meiner Vitrine - auch fiederförmig, aber was soll der ausgelaugte Hohlraum gewesen sein? Da käme viel in Betracht. Speziell im komplexen Bildungsmechanismus Bi-Co-Ni-As-Ag-U. Wenns würfelig wäre könnte es mal Fluorit gewesen sein, aber jetzt wird alles Spekulation und gehört ins Reich der Fabeln. Klar könnte Wismut im Spiel gewesen sein, auch könnte eine vorherige Kupfermineralisation statt gefunden haben, welche später wieder in Lösung ging und so den Kupferanteil gebracht hat. Und wenn ich mir vorstelle, dass gleichzeitig in der Oxidationszone der Lagerstätte Wismut- und Kupferminerale in Lösung gegangen sind, und sich umgewandelt haben, so ist auch eine Pseudo denkbar. Aber wie gesagt, Spekulation.
Ich glaube eher an ein stark in eine Richtung verzerrt gebildetes Kristallwachstum. Warum? Wenn sich Kristalle bilden, brauchen sie für idiomorphes Kristallwachstum zwei wichtige entscheidende Faktoren: einen Kristallisationskeim und Platz. Alle anderen Faktoren, wie Spannungsgefüge, Temperatur, Lösungspotential usw beeinflussen das Kristallwachstum auf die eine oder andere Weise. Schon ein Vorhandensein mehrer Kristallisationskeime auf kleinstem Raum hatt ein gestrecktes Kristallwachstum zur Folge. So kann auch bei allen anderen optimalen Voraussetzungen ein büscheliges - dendritisches Kristallgefüge entstehen. Und dieses Kristallwachstum wird sich dann im Laufe der Bildung nicht mehr änderen, selbst, wenn sich plötzlich das Raumvolumen vergrößert. Das spielt dann keine große Rolle mehr.
Kleines Beispiel - alle kennen die schönen sechsseitigen Schneekristalle, welche vom Himmel fallen - tolle Kristallstruktur, und doch nur gefrohrenes Wasser. Stelle ich eine Flasche Limo in den Tiefkühler, wie ist denn dann die Struktur - dendritisch. Warum? Weil für die vielen Kristallisationskeime in der Limo-Flasche auf Grund der Enge, oder des Platzmangels nur ein Wachstum in eine Richtung möglich war. Und so ist es in der Natur im großen Stiel - wenig Platz, eine Richtung; viel Platz, idiomorpher oder leicht verzerrter Kristall.
Jetzt höre ich schon wieder die Kritiker - Fluorit durchkreuzt sich auch bei den Kristallen, ja ist richtig, aber bei der eigentlichen Kristallbildung war Platz vorhanden, und so wuchsen die Kristalle in einander, das ist was anderes. Es gibt aber auch glaskopfartig abgeschiedenen Fluorit, und der hat beim Anschliff eine deutliche dendritische Struktur - gleiche Bildung wie bei der Limo im Eisfach.
Ich gehe davon aus, dass bei der Bildung des Mixit viele Kristallisationskeime auf engstem Raum vorhanden waren und so ein gestrecktes Wachstum nur möglich war.
Glück Auf
Thilo
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