Hallo Lutz,
das kommt darauf an, was man sammelt. Dendritisch ist in meinem Fachgebiet ein Wort, das genauso oft gebraucht wird wie würfelige Kristalle in anderen Fachgebieten. Deshalb war ich mir bei meiner ersten Antwort ja auch gleich so sicher. Dendritische Strukturen sind nicht so selten, hab ich schon oft beobachtet. Wenn Kristalle in ihrem Wachstum gestört werden, dann kann es vorkommen, dass sich verzerrte Kristalle bilden, gerne bei Bleiglanz zum Beispiel, oder es bilden sich büschelige Kristalle, welche dann als dendritische Stuktur bezeichnet werden.
Ob sich jetzt der Mixit wegen irgendwelcher Störungen beim Kristallaufbau direkt so gebildet hat, also nur in eine Richtung wachsend, oder ob da wirklich ein pseudomorpher Prozess statt gefunden hat, das ist nur visuell nicht bestimmbar. Aber Sebastian hat ja angedeutet, das Mixit in solcher Kristallausbildung vorkommen kann.
Du richtest deine Gedanken in Richtung Wismut, wenn ich mich recht erinnere. Gediegen Wismut ist natürlich von Schneeberg bekannt, hab selbst ein Stüfchen in meiner Vitrine - auch fiederförmig, aber was soll der ausgelaugte Hohlraum gewesen sein? Da käme viel in Betracht. Speziell im komplexen Bildungsmechanismus Bi-Co-Ni-As-Ag-U. Wenns würfelig wäre könnte es mal Fluorit gewesen sein, aber jetzt wird alles Spekulation und gehört ins Reich der Fabeln. Klar könnte Wismut im Spiel gewesen sein, auch könnte eine vorherige Kupfermineralisation statt gefunden haben, welche später wieder in Lösung ging und so den Kupferanteil gebracht hat. Und wenn ich mir vorstelle, dass gleichzeitig in der Oxidationszone der Lagerstätte Wismut- und Kupferminerale in Lösung gegangen sind, und sich umgewandelt haben, so ist auch eine Pseudo denkbar. Aber wie gesagt, Spekulation.
Ich glaube eher an ein stark in eine Richtung verzerrt gebildetes Kristallwachstum. Warum? Wenn sich Kristalle bilden, brauchen sie für idiomorphes Kristallwachstum zwei wichtige entscheidende Faktoren: einen Kristallisationskeim und Platz. Alle anderen Faktoren, wie Spannungsgefüge, Temperatur, Lösungspotential usw beeinflussen das Kristallwachstum auf die eine oder andere Weise. Schon ein Vorhandensein mehrer Kristallisationskeime auf kleinstem Raum hatt ein gestrecktes Kristallwachstum zur Folge. So kann auch bei allen anderen optimalen Voraussetzungen ein büscheliges - dendritisches Kristallgefüge entstehen. Und dieses Kristallwachstum wird sich dann im Laufe der Bildung nicht mehr änderen, selbst, wenn sich plötzlich das Raumvolumen vergrößert. Das spielt dann keine große Rolle mehr.
Kleines Beispiel - alle kennen die schönen sechsseitigen Schneekristalle, welche vom Himmel fallen - tolle Kristallstruktur, und doch nur gefrohrenes Wasser. Stelle ich eine Flasche Limo in den Tiefkühler, wie ist denn dann die Struktur - dendritisch. Warum? Weil für die vielen Kristallisationskeime in der Limo-Flasche auf Grund der Enge, oder des Platzmangels nur ein Wachstum in eine Richtung möglich war. Und so ist es in der Natur im großen Stiel - wenig Platz, eine Richtung; viel Platz, idiomorpher oder leicht verzerrter Kristall.
Jetzt höre ich schon wieder die Kritiker - Fluorit durchkreuzt sich auch bei den Kristallen, ja ist richtig, aber bei der eigentlichen Kristallbildung war Platz vorhanden, und so wuchsen die Kristalle in einander, das ist was anderes. Es gibt aber auch glaskopfartig abgeschiedenen Fluorit, und der hat beim Anschliff eine deutliche dendritische Struktur - gleiche Bildung wie bei der Limo im Eisfach.
Ich gehe davon aus, dass bei der Bildung des Mixit viele Kristallisationskeime auf engstem Raum vorhanden waren und so ein gestrecktes Wachstum nur möglich war.
Glück Auf
Thilo