BERGMANNSLEBEN
In das ew`ge Dunkel nieder
Steigt der Knappe, der Gebieter
Einer unterird`schen Welt.
Er, der stillen Nacht Gefährte
athmet tief im Schooß der Erde,
den kein Himmelslicht erhellt.
Neu verjüngt mit jedem Morgen
geht die Sonne ihren Lauf,
ungestört ertönt der Berge
uralt Zauberwort...Glück Auf!
Da umschwebt uns heil`ges Schweigen,
und aus blauen Flammen steigen
Geister in die grause Nacht.
Doch ihr eignes Thun verschwindet,
fester sind sie uns verbündet
bauen uns den düstern Schacht.
Nimmer können sie uns zwingen
und sie hält ein ew`ger Bann:
Wir bekämpfen alle Mächte
mit der Mutter Talisman.
Durch der Stollen weite Länge,
durch das Labyrinth der Gänge
wandern wir den sichern Weg.
Über nie erforschte Gründe,
über dunkle Höllenschlünde,
leitet schwankend uns der Steg:
Ohne Grauen, ohne Zaudern
dringen wir ins düstre Reich,
führen auf metall`ne Wände
jauchzend den gewalt`gen Streich.
Unter unsers Fäustels Schlägen
quillt der Erde reicher Segen
aus der Felsenkluft hervor.
Was wir in dem Schacht gewonnen,
steigt zum reinen Glanz der Sonnen,
zu des Tages Licht empor.
Herrlich lohnt sich unser Streben,
bringet eine gold`ne Welt
und des Demant Pracht zu Tage,
die in finst`rer Tiefe schwellt.
In der Erde dunklem Schooße
blühen uns die schönsten Loose,
strahlet uns ein göttlich Licht.
Einst durch düstre Felsenspalten
wird es seinen Sitz entfalten,
aber wir erblinden nicht.
Wie wir treu der Mutter bleiben,
lebend in dem düstern Schacht,
hüllt uns in der Mutter Schleier
einst die ewig lange Nacht.
(von Theodor Körner, "Grubenklänge", Mühlheim a. d. Ruhr, 1838)