Fossilien / Fossils / Fósiles > Österreich / Austria

Niederösterreich: Oligozänes Kieselholz der St. Marein-Freischling-Formation

<< < (5/10) > >>

oliverOliver:
Aufschlüsse in der SMFF – Teil 4:

Wie (ganz) oben geschrieben, kommen die meisten Kieselhölzer heute von landwirtschaftlich genutzten Flächen, besonders dort, wo Schichten mit grobem Schotter an die Oberfläche treten. Hier nur ein paar Blicke auf solche Schotterstreuungen, um das charakteristische Erscheinungsbild dieser oberflächig aufgeschlossenen Sedimente zu veranschaulichen, welches sich meist (aber nicht immer !) doch recht deutlich von dem der jüngeren tertiären Schotter (wie etwa der HMF oder der Laa-Fm) unterscheidet. Letztere weisen – grob vereinfacht gesagt – meist einen höheren Anteil besser gerundeter Quarzkiesel kleinerer Fraktion auf, und zudem sind (oft, aber nicht immer) eine größere Anzahl unterschiedlicher Gesteinskomponenten enthalten. So sind etwa in den beiden jüngeren genannten kieselholzführenden Formationen – neben den auch in der SMFF auftretenden Chalzedon- und Jaspisgeröllen – auch mesozoische Hornsteine relativ häufig vorhanden, und auch Geschiebe aus kalkigen, manchmal fossilführenden Sedimenten (nordalpinen Ursprungs oder aus der Flyschzone) kommen – aufgrund der abweichenden Einzugsgebiete – manchmal vor. Solche Sedimentgerölle habe ich in der SMFF bisher erst sehr vereinzelt gefunden, und wenn, dann leider meist in uneindeutiger Fundlage.
Sie sind aber um so spannender, denn sie könnten Hinweise auf ehemalige, heute völlig wegerodierte marine mesozoische Sedimente am Ostrand der Böhmischen Masse liefern (wenn sie nicht überhaupt Ferntransporte etwa aus böhmischen Kreidegebieten sind, wofür theoretisch die Möglichkeit bestünde, die Wahrscheinlichkeit aber relativ gering ist; siehe unten).
Solche (anscheinend überwiegend jurassische) Hornsteine, deren Ursprungsgebiet wir derzeit noch nicht genau zuordnen können, weil es die primären Vorkommen (mesozoische Gesteine) heute anscheinend einfach nicht mehr gibt, kommen auch in jüngeren Sedimenten vor – besonders häufig in der Laa-Fm. Aber auch aus der marinen Fels-Fm (unteres Eggenburgium) sind sie bekannt (Steininger und Roetzel 1999).

Exkurs / Ergänzung zur Möglichkeit des eventuellen Ferntransports mesozoischer Gerölle in die SMFF:
Ein Link zu einem Beitrag über Entwässerungssysteme aus dem böhmischen Kreidebecken nach Südosten – siehe besonders die Abb. gleich zu Beginn:
http://www.kreidefossilien.de/news/forschung-bcb-entwaesserungssysteme-im-boehmischen-kreidebecken
Diese bereits in der Kreide vorgezeichnete Rinne dürfte ja, wie bereits eingangs erwähnt, zumindest teilweise auch das Flusssystem der SMFF genutzt haben – vgl. dazu Abb. 1 und 19 in Nehyba und Roetzel 2010 (vollständiges Zitat im ersten Beitrag).
Zur Ausrichtung der Becken und der Entstehung von Siliziten siehe auch Abb. 3 und Kapitel 6.3. in der Dissertation von Ralf Lehr:
http://www.opus.ub.uni-erlangen.de/opus/volltexte/2008/982/pdf/RalfLehrDissertation_NEU_13_MB.pdf
Exkurs-Ende.

Zu den Fotos:
(Foto 1): Zuerst eines von der Schotterstreuung auf Feldern im südlichen Teil des Horner Beckens / Kamptal – eher großkörnige, mäßig gerundete Komponenten. Von hier hab ich einige kleinere, zum Teil schön abgerollte („naturgetrommelte“) Holzstücke.
(Foto 2): Dann eines von den Äckern am Ostrand des Horner Beckens (bzw. eigentlich schon knapp außerhalb desselben) – viele kleine, ziemlich gut gerundete Quarze, aber auch deutlich größere, schwach bis mäßig gerundete Brocken. Hier gibt es zwar angeblich Kieselholz, ich hab aber bisher noch keines gefunden.
edit: nach aktuellem Stand der geologischen Forschung werden diese Schotter nicht mehr zur SMFF gezählt, sondern zur miozänen Rodingersdorf-Fm (oberes Eggenburgium) !!
(Foto 3): Als drittes eines von den Flächen im Ost-West verlaufenden Beckenast westlich von Horn – mit einem hohen Anteil an kaum gerundetem lokalem Kristallin-Schutt (die eckigen Kristallinkomponenten können zum Teil aber auch Reste von jüngeren Schuttdecken sein, das ist nicht immer ganz klar aufzuschlüsseln). Hier liegen auch die bekannteren Fundstellen.

• Steininger und Roetzel 1999: F. F. Steininger und R. Roetzel, Mesozoikum (Erdmittelalter). In: F. F. Steininger (Hrsg.), Erdgeschichte des Waldviertels, SchrR. Waldviertler Heimatbund 38, Horn-Waidhofen/Thaya 19992, 73 f.

oliverOliver:
Zum Abschluss ein Blick über das Horner Becken, von Westen aus gegen Osten Richtung Horn (Foto 4), und als Nachtrag noch zwei Landschaftsfotos aus dem im obigen Beitrag letztgenannten Fundgebiet, Blickrichtung ebenfalls annähernd von Westen nach Osten (Foto 5+6).

oliverOliver:
Seltsame Bohrgänge …

So, hier kurz ein Beitrag, den ich vorgezogen habe, weil’s zu den kürzlich behandelten „Fraßgängen“ passt – eigentlich wollte ich vorher erst was zum „Rostholz“ der SMFF schreiben (auch das gibt’s hier, nicht nur das weitaus bekanntere Kieselholz), das kommt dann demnächst …
Es handelt sich – wie sollte es anders sein – wieder mal um ein Problem  :).
Ich habe hier ein Stück in Limonit-Erhaltung mit “seltsamen“ Bohrgängen (Fotos unten). Seltsam deshalb, weil die Sedimente der SMFF ja fluviatile Ablagerungen sind, diese Bohrgänge aber so aussehen, als würden sie von Terediniden (Bohrmuscheln, marin) stammen.
Die Erklärung liegt möglicherweise darin, dass der Fund aus einem Bereich stammt, wo bereits die frühe Transgression im unteren Eggenburgium (Mold-Fm) fassbar ist, nämlich aus dem Mittelteil des Nord-Süd-verlaufenden Kamptalabschnittes (Gebiet um Maiersch – Plank – Freischling).

Das Stück ist leider nicht besonders gut erhalten. Die Holzstruktur ist weitgehend aufgelöst, Abdrücke davon sind kaum noch bzw. nur sehr partiell erkennbar, eigentlich handelt es sich nur mehr um einen Limonit-Sandstein bzw. „eisenschüssiger Sandstein“ mit den Steinkernen der Teredinidae(?)-Gänge, als Holz kann das Stück kaum angesprochen werden. Das könnte eventuell aber wiederum eine Zuordnung zu den Terediniden bestärken – Stücke in entsprechender Erhaltung kommen in der mehr oder weniger zur SMFF gleichzeitigen marinen Melk-Fm vor.

Eine sichere Bestimmung der Spuren wäre wichtig, weil dann – falls wirklich Bohrmuschel – die Limonithölzer in diesem Fundbereich bereits ins Untermiozän bzw. ins Untere Eggenburgium, also den allerjüngsten Abschnitt der SMFF, datiert werden könnten. Auch die Sedimente mit den Limonithölzern müssten dann klarerweise bereits aus der Transgressionsphase im Unter-Eggenburgium stammen, und damit nicht mehr rein fluviatil, sondern schon marin beeinflusst sein, und wären dem bereits weit nach Norden verschobenen / zurückgedrängten Ästuar des Flusses zuzuordnen.
Schade dass die große Grube bei Maiersch bereits zuplaniert ist – dort waren ja diese jungen, z.T. brackischen Sedimente (Austernbank) vom Übergang der SMFF zur Mold-Fm gut aufgeschlossen (siehe oben) – jetzt fehlt mir da aber leider die Vergleichsmöglichkeit.
Nach Fig. 19 – final depositional stage – in Nehyba und Roetzel 2010 dürfte jedenfalls die Teredinidae?-Fundstelle auch in diesem späten Abschnitt der SMFF noch (knapp) außerhalb des marin beeinflussten Bereiches liegen …..

Nach einem Profil an der Fundstelle könnte der Bereich mit dem Rostholz – und aus dem anscheinend auch das „?Teredinidae?“-Stück stammt – aber auch die Füllung einer etwas jüngeren, in die eigentliche SMFF eingeschnittene Rinne sein – ich weiß aber nicht ob es so was dort gibt, und hab deswegen mal Reinhard Roetzel angeschrieben mit der Bitte um geologische Aufklärung – die Antwort wird ich euch natürlich mitteilen …..
Sollte diese von mir angedachte Interpretation stimmen, könnte es sich eventuell um eine Fließrinne im Gezeitenschwankungsbereich („Rückflussrinne“ ?) handeln.

Oder alles ist viel einfacher, und es handelt sich bei den Gängen doch um Insektenfraßspuren – eventuell von größeren Käfern / Käferlarven ? Allerdings glaube ich das eher nicht – die kenne ich in dieser Form aus der SMFF nicht (was nichts heißt), aber vor allem: an der Grenze der Steinkerne zum umgebenden Gestein ist partiell eine ausgewitterte „Nahtstelle“ erkennbar – dabei dürfte es sich wohl die ehemalige, im sauren Milieu aufgelöste Kalkauskleidung der Bohrmuschel-Gänge handeln, falls ich mit meiner Inerpretation nicht (wieder einmal) völlig daneben liege.

oliverOliver:
Hier nun die versprochene Antwort von R. Roetzel - danke für die rasche Aufklärung !
Passt also eh alles  :) !
"Da es sich in diesem Raum (...) nicht mehr um rein fluviatiles System, sondern bereits um ein Ästuar handelt (geht aus den Sedimentstrukturen hervor), das eng mit dem marinen Bereich in Wechselwirkung steht, darf darin auch Teredo vorkommen. In einem Ästuar, das durch Gezeiten dominiert wird, kann sogar Holz wieder durch den Flutstrom zurück in den fluviatil dominierten Bereich transportiert werden. Ist eine schöne Beobachtung, die für die Faziesinterpretation wichtig ist.
Reinhard"

oliverOliver:
Limonithölzer („Rostholz“) aus der SMFF – Teil 1:

Manchmal lassen sich in der SMFF auch Abdrücke in Limonit bzw. limonitisierte Holzreste finden, sie sind aber anscheinend im Gesamtgebiet eher selten und nur bereichsweise etwas häufiger. Ich kenne sie bisher nur aus dem westlichen Horner Becken und aus dem Süden (Kamptal).

Vom westlichen Bereich habe ich ein offenbar stark verquetschtes Stück aus St. Marein. Es ist – im Gegensatz zu den „reinen“ Limonitkonkretionen von dort, die häufig zu finden sind – sehr bröckelig bzw. rissig. Deshalb – und auch wegen der Bruchform – habe ich den Verdacht, dass hier auch ein kohliger Anteil enthalten sein könnte, also eine limonitisch-kohlige Erhaltung vorliegt (Foto 1-2). Das Stück war zwar aufgefroren (ich hatte es schon im Winter gefunden, aber liegen gelassen, da wegen der angefrorenen Sand- und Lehmkruste keine eindeutige Holzstruktur erkennbar war – als ich es im Sommer „wiederfand“, war leider schon viel abgebröckelt), aber andere Limonithölzer der SMFF (aus dem Südteil) sehen auch nach mehrmaligem Frieren/Tauen nicht so aus, ganz im Gegenteil bleibt dort die massive Limonitbildung kompakt erhalten. Bei diesem Exemplar ist nur an einem sehr kleinem Teilstück die Holzstruktur makroskopisch bzw. unterm Fadenzähler erkennbar (Foto 3-4). Es zeigt aber eindeutig auch einen anderer Aufbau als die dort sonst üblichen plattigen bis schaligen Limonitkonkretionen (die ebenfalls weitgehend frostresistent sind).
Manchmal treten hier (in St. Marein) jedoch Limonitkrusten bzw. teils recht große, in den Wänden steckende „Röhren“ (aus schalig verschachtelten Platten mit lockerer Füllung) auf, die auf den ersten Blick wie Holz aussehen, aber offenbar keines sind – eventuell handelt es sich um die Limonitummantelung ehemaliger, aber vor der Verkieselung vergangener Hölzer bzw. Stämme (siehe Foto 3 in AW#10, ganz links). Es wäre dann zu erwarten, dass in den innersten „Schalen“ dieser – immer horizontal liegenden ! – röhrenartigen Konkretionen auch Stücke mit Holzabdrücken zu finden sein sollten, was mir bisher aber nicht gelang. Sollten diese aber so minimal erhalten sein wie beim gezeigten Stück, wären sie im Gelände mit freiem Auge aber auch kaum zu entdecken.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln